Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Der Criterium-Trial wird zum Franzl-Festival

Vier Siege: Der bayrische Spitzenprofi lässt der Konkurrenz kaum etwas übrig. Der überragende Baltimore As verleiht dem Rahmenprogramm strahlenden Glanz

Er agiert bei seinen Starts in Berlin zumeist in starker Form – doch am Sonntag (24. Juni) lieferte Josef Franzl auf der Derby-Bahn sein absolutes Meisterstück ab. Vier Siege, darunter der Triumph im Haupt- und im Stutenlauf des Trials des Criteriums der Vierjährigen: An solch eine grandiose Ausbeute konnte sich der im bayrischen Sauerlach beheimatete vierzigjährige Profi, der zuvor schon 649 Sulkytreffer erzielt hatte und als Fahrer auf eine Gewinnsumme von fast 1,6 Millionen Euro kommt, ad hoc nicht erinnern. Josef Franzl: „Ich glaube, vier Siege an einem Tag sind mir in Berlin bisher nicht gelungen.“

Den Auftakt machte Be Scott (29:10) in dem mit 3.500 Euro dotierten Stutenlauf. Zweihundertfünfzig Meter vor dem Ziel öffnete sich für die innen eingesperrte Braune die entscheidende Lücke und sie hielt die in 16,7/1.900m zeitgleiche Amy Nasad (Maik Esper) mit einer halben Länge Vorsprung in Schach. Ganz anders entwickelte sich das Rennen für Going As (34:10), den Sieger des mit 7.000 Euro dotierten Hauptlaufs. Der vierjährige Hengst, der hinter dem Startauto und auch im ersten Bogen zweimal kurz auf dem Sprung lag, war nur auf der ersten Halben an der Innenkante zu sehen. Denn schon eine Runde vor dem Ziel dirigierte Josef Franzl seinen Schützling entschlossen in die Angriffsspur und Going As, der den am Ende drittplatzierten Harry’s Bar (Jörg Schefe) erfolgreich zermürbte, sah bereits im Schlussbogen wie der sichere Sieger aus.

„Im Einlauf habe ich eigentlich nur noch auf den gefährlich lauernden Herman Nasad und Maik Esper geachtet“, schilderte Josef Franzl bei der Siegerehrung die letzten 300 Meter des Hauptlaufs. In der Tat – als der hinter Harry’s Bar positionierte Herman Nasad auf freie Bahn kam, startete er einen feinen Schlussangriff. Er kam aber nur noch bis auf eine halbe Länge an Going As heran, der das Rennen in 17,1/1.900m gewann. Die Treffer Nummer drei und vier, die den Tag für Josef Franzl perfekt machen, fuhr der Profi mit dem imponierenden Tuareg (13:10) und mit Hella Hanover (109:10) heraus. Wobei die Letztgenannte allerdings von der Disqualifikation der Gegnerin Romantika profitierte, deren Trainer Rolf Hafvenström einen völligen Blackout hatte. Für ein grobes Foul an Next on Line Sib und Dennis Spangenberg, die ihn seiner Meinung nach in der Startphase behindert hatten, kassierte der Schwede sechzig Tage Fahrverbot und fünfhundert Euro Geldstrafe.

Neben den Siegen von Josef Franzl bildete der Auftritt des vierbeinigen Superstars Baltimore As (10:10) das absolute Highlight der Mariendorfer Veranstaltung. Michael Schmid, der zum ersten Mal im Sulky des Jauß-Stallcracks saß, ließ es nur in der Startphase etwas langsamer angehen. „Ich habe ihn bewusst ruhig eintreten lassen und wollte auf den ersten Metern nicht alles riskieren“, erklärte der Bronzehelm seine Taktik. Auf der Gegenseite flog Baltimore As dann wie ein Blitz am Feld vorbei. Die Tagesbestzeit von 14,7/2.020m und der Vorsprung von vier Längen auf den zweitplatzierten Belgino (Wladimir Gening) spiegeln noch nicht einmal ansatzweise die Überlegenheit von Baltimore As wider. Der Hengst ist für die kommenden Aufgaben bestens gerüstet. Michael Schmid: „Wahrscheinlich geht er in der Derby-Woche erneut in Berlin an den Start.“ Bei Deutschlands wichtigstem Trabrennereignis, das vom 28. Juli bis zum 5. August stattfindet, werden die Zuschauer dann sicherlich einen weiteren Hoffnungsträger des Gestüts Neritz zu sehen bekommen: Gleich im Anschluss an den glorreichen Auftritt von Baltimore As trumpfte Michael Schmid nämlich mit What’s Going On (47:10) auf, dem kleinen Bruder der Arthur-Knauer-Siegerin What a Feeling.

Und hier die weiteren Protagonisten des Mariendorfer Nachmittages: Beim zweiten Lebensstart präsentierte sich die von Thorsten Tietz gesteuerte Zora Island von ganz anderer Seite und siegte zu erstaunlich langen Odds von 86:10 Start bis Ziel. Heinz Wewering fackelte mit Josi Jane (21:10) ebenfalls nicht lange und die noch für das Derby genannte Traberlady absolvierte ihr Pensum von der Spitze aus ohne jegliches Problem. Ein hauchdünnes Finish gab es beim Trabreiten. Noch hundert Meter vor dem Pfosten schien Mill Will (91:10), der das Rennen mit Sarah Kube im Sattel mit einer kurzen Galoppade aufgenommen hatte, nur Dritter zu werden – doch genau auf der Linie hatte der Wallach die Nüstern vorne.

Völlig klar war die Angelegenheit für Franzl Crown (13:10), der es mit seinem ständigen Fahrer Benjamin Hagen nach zwei Aufgaben auf Zirkel-Niveau diesmal deutlich leichter vorfand und VanHalen (Michael Nimczyk) nach offensiven Verlauf keine Chance ließ. Hans-Jürgen von Holdt setzte ganz auf den Speed von Queeny Frei (38:10) und lag damit goldrichtig. Die Stute zog im Endspurt noch sicher am 12:10-Topfavoriten Samur Ass (André Pögel) vorbei. Nach fast identischem Muster siegte Hans-Jürgen von Holdt mit Carlotta BE, die ohne Wetten lief, da der norddeutsche Topamateur kurzfristig für den erkrankten Sebastian Behrens eingesprungen war.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 124.626,13 Euro – Bahnumsatz: 38.097,50 Euro – Außenumsatz: 86.528,63 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 1. Juli statt.