Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Déjà-vu für Dennis Spangenberg und Spicy A.

 

Wie schon vor einer Woche erzielt das Gespann erneut die Tagesbestzeit. Mit Rayman gelingt Spangenberg ein weiterer Treffer – doch am meisten dreht Michael Nimczyk auf: Der Goldhelm gewinnt drei Rennen für die Farben von Ulrich Mommert.

Berlin-Mariendorf, 14. Dezember 2014.

Es war die identische Wiederholung des Renngeschehens der Vorwoche: Wie schon am 2. Advent stürmte Spicy A., der fünfjährige Wallach der Berliner Besitzerfamilie Hahn, erneut zur Mariendorfer Tagesbestzeit. Diesmal sprang ein 14,7-Schnitt auf der 1.900-Meter-Stecke für den Vierbeiner-Crack heraus und natürlich saß erneut Dennis Spangenberg im Sulky des Dunkelbraunen. Selbst der Verlauf war völlig identisch: Spicy A. hatte sofort die Führung übernommen und stand die Pace eisern durch, obwohl sich der außen herum bravouröse New Generation (Heinz Wewering) bis zur Linie nicht abschütteln ließ. Für den drittplatzierten Not to Bi (Thorsten Tietz) wäre vermutlich sogar noch mehr möglich gewesen – doch der Siebenjährige war bis zum Schluss an der Innenkante eingemauert.

Für Dennis Spangenberg blieb es aber nicht bei einem einzigen Treffer, denn der 32-Jährige führte auch Rayman auf die Ehrenrunde. Auf der langen 2.500-Meter-Strecke traf der Grusdas-Traber auf lediglich drei Gegner – das Teilnehmerfeld war durch etliche Nichtstarter dezimiert. Rayman löste die Aufgabe spielerisch. Ruhig vom Start gebracht, schraubte der Wallach das Tempo erst auf den letzten achthundert Metern in die Höhe. „Es war schon im Vorfeld klar, dass keiner der Gegner das Interesse haben würde, schon auf dem ersten Kilometer eine mörderische Pace vorzulegen. Ich konnte mir daher Zeit lassen. Rayman hat seine Sache sehr gut gemacht, er stand gegen die Konkurrenten vor keinerlei Problemen“, analysierte der schon seit Monaten in bärenstarker Manier agierende Spangenberg im Anschluss das Renngeschehen.

Mit Xenakis Frei sprang zudem ein Ehrenrang für den Berufsfahrer heraus, die Sieger hießen in dieser Prüfung aber Good man und Heinz Wewering. „Die Startphase verlief absolut optimal für uns“, freute sich der 29-malige Deutsche Meister bei der anschließenden Ehrung. „ich war mir im Vorfeld nicht sicher, ob ich die Führung bekomme. Aber der Hengst, der sich in den zurückliegenden Wochen auch im Training deutlich gesteigert hat und immer mehr Reife gewinnt, hat sich auf den ersten Metern willig gestreckt und am Ende war er sogar drückend überlegen.“ In der Tat: Ganze sechs Längen Vorsprung sprangen für den Traber des passionierten Züchters und Besitzers Henno Sürder heraus – ein Ergebnis, das Geschmack auf mehr macht!

So richtig Lust auf mehr bekamen die Zuschauer aber vor allem angesichts der fahrerischen Leistung von Michael Nimczyk, der einmal mehr bewies, dass er zurecht auf dem Spitzenplatz der deutschen Rangliste steht. Der Goldhelm drehte richtig auf und erzielte drei Tagestreffer – und zwar allesamt für die Farben von Ulrich Mommert. Eine glasklare Angelegenheit war der Auftakt der Triplette mit Vincent Mo, der die Maidenschaft unter Rekordverbesserung auf 16,3/1.900m ablegte. Nimczyk führte den Wallach schon runde tausend Meter vor dem Ziel zum langgezogenen Angriff. Der Vierjährige hatte mit dieser großrahmigen Offensive und der dritten Spur überhaupt keine Probleme und ging in geradezu spielerischer Manier am ganzen Feld vorbei.

„Vincent Mo einfach laufen zu lassen, war genau die richtige Taktik von Michael“, erklärte Ulrich Mommert bei der Siegerehrung. „Der Braune ist kein einfacher Bursche – den komplizierten Charakter hat er wohl von seiner dänischen Mutter Verona Byvang geerbt. Es war daher wichtig, jede abrupte Tempoveränderung zu vermeiden.“ Gleich im Anschluss trumpfte der Goldhelm dann mit dem 116:10-Außenseiter Bavaria Blue Start bis Ziel auf. Die Rennleitung überprüfte zwar die Gangart des Wallachs auf den entscheidenden letzten Metern, als Moonchild (Jorma Oikarinen) bedrohlich nahe gekommen war, konnte aber keinen Regelverstoß entdecken. Nimczyks Treffer Nummer drei für die Mommert-Farben war dann wieder eine eindeutige Angelegenheit: Amundsen Mo übernahm eine Runde vor dem Ziel das Kommando und beherrschte das Geschehen unangefochten.  

Beinahe wäre Nimczyk sogar noch der vierte Tagessieg gelungen. Denn mit dem Hengst Contucky Newport war der Goldhelm fast schon zuhause – doch dann kam Let’s win angeflogen und nagelte den Gegner genau auf der Linie fest. Das wohl spannendste Finish der Berliner Veranstaltung ging also hauchdünn zugunsten von Let’s wins Trainer und Fahrer Maik Esper aus, der den späten Angriff so erklärte: „Ich hätte Let’s win normalerweise schon viel früher gebracht, aber wir fanden nicht den nötigen Freiraum, um nach außen zu gehen. Ich musste daher lange warten – die Schlussleistung war aber imponierend. Die Generalprobe für Let’s wins kommende Aufgabe ist gelungen: Der Hengst soll am 28. Dezember beim Winterpokal der Amateure an den Start gehen.“

Nur knapp über der Tagesbestzeit von Spicy A. blieb die erstmals von Thorsten Tietz gesteuerte Miss Chablis, die auf der Meilenstrecke in 1:14,8 min. über die Linie sprintete. Die Stute behauptete sich gegen exquisite Konkurrenten Start bis Ziel und imponierte enorm. Wenn es nach dem Willen ihres Trainers und Manfred Schub gegangen wäre, hätte das Rennen aber noch ein bisschen schneller sein dürfen. Denn es war schon im Vorfeld ein offenes Geheimnis: Die Siebenjährige, die bald in die Zucht wechseln wird, soll sich zuvor unbedingt noch eine tolle neue Bestmarke holen. „Dieses Vorhaben hätte ich natürlich gerne umgesetzt“, schilderte Thorsten Tietz im Siegerinterview seine Bemühungen. „Doch die Bahn war heute nicht übermäßig schnell und ich musste Miss Chablis, die sofort das Kommando übernommen hatte und vor den Tribünen zudem einen Zwischenangriff parierte, unterwegs auch eine kurze Atempause geben.“

Der Amateurpokal des VDT ging an Dulco di Quattro und Marlene Matzky. Vom Startplatz acht aus hatte sich die 17-jährigen Amazone naturgemäß Zeit gelassen – doch dafür war der Schlussakkord, mit dem Dulco di Quattro noch den Konkurrenten Richeliell (Wolfgang May) abfing, um so stärker. Als Gesamtschnitt sprangen beeindruckende 15,2/1.900m für den Wallach heraus. Nur gegen die schon weit enteilte Lilly Ass (André Pögel) hätte Dulco di Quattro an diesem Tag vermutlich keine Chance gehabt – die Stute kam aber zu Beginn der Zielgeraden von den Beinen und wurde disqualifiziert. Das zweite Amateurfahren der Veranstaltung wurde eine Beute von Werner Schnieder und Floh G. Der unglaublich laufstarke Fuchs verkniff sich diesmal alle Fehler und übernahm sofort die Führung. „Das lag aber nicht an der Taktik, sondern Floh G war in der Startphase nicht zu regulieren. Ich musste ihm daher sofort den Kopf freigeben“, schilderte Werner Schnieder den Rennverlauf. Den Schlusspunkt unter den Berliner Nachmittag setzte André Pögel, der die im Familienbesitz befindliche My Little Letty offensiv vortrug und keinerlei ernsthafte Angriffe der Gegner zuließ.

Gesamtumsatz: 109.750,17 Euro - Bahnumsatz: 38.932,60 Euro - Außenumsatz: 70.817,57 Euro

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – der große PMU-Renntag – findet am Sonntag, dem 28. Dezember 2014 ab 15 Uhr statt. Im sportlichen Mittelpunkt steht dann der Winterpokal der Amateure.

Foto von Marius Schwarz: Amundsen Mo (Michael Nimczyk)