Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Benjamin Hagen in Bazire-Manier

Der Berufsfahrer führt die Stute Ukamaya Verderie zu einem imposanten Erfolg. Die Tagesbestzeit erzielt Harry’s Bar, der in der Hand von Thorsten Tietz einmal mehr bärenstark agiert.

Ein in Polen trainiertes französisches Pferd, das auf heimatlichen Grasbahnen zumeist nur Kilometerzeiten im zwanziger oder dreißiger Bereich erzielt und sich beim ersten Start in Berlin dennoch als völlig überlegene Siegerin präsentiert – solch eine Konstellation hatte es zuvor wohl nur sehr selten gegeben. Und dass sie es – falls nötig – auch viel schneller kann, daran ließ die von Benjamin Hagen gesteuerte Ukamaya Verderie (Foto) bei ihrem spektakulären Triumph keinerlei Zweifel. Selbst zwanzig Meter Zulage konnten die von Wanda Gomiak vorbereitete Traber-Lady der Besitzerin Magdalena Kienigsman nicht stoppen.

Die Siebenjährige verabschiedete sich auf der letzten Gegenseite nach einem überfallartigen Angriff in 15,7/2.020m mit sieben Längen Vorsprung vom Feld. Grund genug für Benjamin Hagen, bei der Zieldurchfahrt im Sulky einen Purzelbaum hinzulegen, der den Vergleich mit Jean-Michel Bazires Jubelgeste bei dessen Amérique-Sieg mit Kesaco Phédo im Jahr 2004 nicht zu scheuen braucht. Der Berufsfahrer: „Ich möchte mich zunächst einmal bei Peter Simoni bedanken, der den Kontakt zum Stallteam der Stute hergestellt hat. Ukamaya Verderies gesamtes Umfeld war vor dem Start sehr optimistisch. Ich musste aber trotzdem erst einmal abwarten, wie die Braune mit dem Bänderstart klarkommt. Sie hat alles perfekt gemacht und die Aufgabe mit Bravur gelöst.“               

Bravourös – das ist für einen Vierbeiner-Helden wie Harry’s Bar eine glatte Untertreibung. Wie soll man diesen außergewöhnlichen Traber am besten beschreiben? Sein ständiger Fahrer und Wegbegleiter Thorsten Tietz brachte es im Mariendorfer Winnercircle wohl am besten auf den Punkt: „Er ist von seiner ganzen Art her einfach phänomenal und so gut wie nie zuvor!“ in der Tagesbestzeit von 1:14,2 min. ließ der Crack des Hamburger Rennstallbesitzers Klaus Gührs seinen Gegnern nicht den Hauch einer Chance – und das wohlgemerkt auf der langen 2.520-Meter-Distanz! Harry’s Bar zog auf der letzten Gegenseite im Rush an dem zwanzig Meter besser gestellten und bis zum Pfosten tapfer durchziehenden New Generation vorbei und stellte die Zeichen sofort auf Sieg. Thorsten Tietz: „Er mag die Mariendorfer Bahn total und fühlt sich hier zuhause – aber vielleicht werden wir es trotzdem schon bald mit einem Start in Frankreich probieren.“

Ebenfalls in höllisch schnellem Tempo war Let’s Win unterwegs, der mit seinem Trainer Maik Esper im Sulky in rasanten 14,5/1.900m über die Sandpiste sprintete. Der Hengst der Familie Lindinger war hinter Grande Dame (Heinz Wewering) und Rosenstolz (Thorsten Tietz) zunächst nur an dritter Stelle auszumachen. Doch nachdem Rosenstolz eine gute halbe Runde vor Schluss mit einer Galoppade ausfiel, fühlte Let’s Win der Gegnerin Grande Dame derartig kräftig auf den Zahn, dass sie ebenfalls nicht mehr auf den Beinen zu halten war. Am Ende sprang ein hochverdienter Vier-Längen-Erfolg für den Fünfjährigen heraus. Maik Esper: „Mit dem Daglfinger Linkskurs kam Let’s Win in der vergangenen Saison überhaupt nicht klar – rechts herum ist der Dunkelbraune ein ganz anderes Pferd!“    

Die Mariendorfer Lunch-Veranstaltung begann mit einer furiosen Leistung von Spicy A., der von André Pögel einen maßgeschneiderten Rennverlauf serviert bekam und auf der 1.900-Meter-Strecke ebenfalls einen beeindruckenden Kilometerschnitt – nämlich stolze 1:14:6 min. – trabte. Der Wallach der Besitzerfamilie Hahn war zunächst in Front gestürmt. Doch auf der ersten Geraden ließ sein Fahrer die außen drückende Charming Oreau (Alle Loman) vorbei. Auf der Zielgeraden drehte Spicy A. den Spieß gegen die tapfer gegenhaltende Konkurrentin souverän um. André Pögel: „Der Sieg wäre sogar viel deutlicher ausgefallen. Aber ich konnte Spicy A. auf den letzten Metern nicht richtig loslassen und wollte daher kein unnötiges Risiko eingehen.“

Gut gemacht, Good man! In der Hand seines Trainers Heinz Wewering präsentierte sich der vierjährige Hengst des Besitzers Henno Sürder einmal mehr als echter Siegertyp. Vom Startplatz sechs aus stürmte der Godolphin-Sohn sofort an die Spitze und beherrschte das Geschehen fortan mit uneingeschränkter Autorität. Im Einlauf löste sich der Braune sogar spielerisch von den Verfolgern. Heinz Wewering: „Vermutlich wird er bei der Mariendorfer PMU-Veranstaltung am 20. Februar erneut antreten. Danach werden wir ganz in Ruhe schauen, wie es weitergeht.“

Genau der gleiche Rennverlauf, genau die gleiche Souveränität: Dieses Fazit durfte man nach dem Gala-Auftritt von Evita Viking und dem 22-maligen Österreichischen Champion Gerhard Mayr ziehen. Die auf 11:10 herunter gewettete Stute lieferte eine One-Horse-Show ab und ließ in 16,6/1.900m keinen ihrer Kontrahenten auch nur ansatzweise in ihre Nähe. „Auf der Bahn gab es heute mit ihr nicht die geringsten Probleme – aber im alltäglichen Umgang ist sie immer noch ein ziemlicher Trotzkopf und hat einen stark ausgeprägten eigenen Willen“, berichtete Gerhard Mayr bei der anschließenden Ehrung.

„Wir wussten zunächst selber gar nicht, wie gut er ist!“, freute sich Sarah Kube nach ihrem Treffer mit Lantino. Der Wallach reihte sich mit einem überlegenen Vier-Längen-Erfolg in die Liste der an diesem Tag durchweg dominanten Sieger ein – kein einziges Resultat der Mariendorfer Veranstaltung war eine knappe Angelegenheit. Die Amazone hatte ihren Schützling auf der Tribünengeraden an die Spitze geführt – und das war es dann auch schon, lediglich I Walk The Line (Katharina Kramer) konnte mit dem Crack des Stalles Olympus noch einigermaßen Schritt halten. Der Wechsel nach Berlin gleicht somit einer Neugeburt – alle vier bisherigen Starts in der Hauptstadt hat Lantino in einen Triumph umgemünzt.  

Für eine 205:10-Totosensation sorgte die von Daniel Dähn vorgestellte Sarina, die im Grunde genommen eigentlich alles andere als eine Außenseiterin war und daher krass unterschätzt wurde. Denn zum einen war die Fünfjährige durch zwei frische Ehrenplätze empfohlen und zum anderen war Sarina im Rennprogramm Trabaktuell sogar als heiße Favoritin getippt. Daniel Dähn hielt die für die Farben von Alexander Dame laufende Stute geschickt aus allen Positionskämpfen heraus und gab ihr erst beim Einbiegen auf die Zielgerade das entscheidende Zeichen. Sarina machte sofort entscheidende Reserven frei und bedankte sich mit einem überlegenen Treffer.

Gesamtumsatz: 89.346,98 Euro - Bahnumsatz: 32.520,50 Euro - Außenumsatz:  56.826,48 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – der große PMU-Renntag – findet am Freitag, dem 20. Februar statt. Beginn ist um 17.30 Uhr.