Trabrennen in Berlin - Mariendorf am Mittwochvormittag: GOLDJUNGE AUF DER DERBYBAHN

Die 4jährige Stute Hestia R.A. mit dem Fahrer Michael Hönemann beim Sieg am 10. April 2016 (Foto: Marius Schwarz)

Nach dem ersten zarten Hauch von Derby-Flair, der mit dem Trial zum Adbell-Toddington-Rennen am vergangenen Sonntag (17. April) über die Mariendorfer Piste gezogen ist, weht am Mittwoch mal wieder jener Frankreichs. Bevor es jenseits des Rheins mit dem Pferderennsport losgeht - dort lockt um die Mittagszeit unter anderem die Bahn von Bordeaux Le Bouscat mit einer Etappe des Grand National du Trot -, stehen knackig-zackig vier Mariendorfer Matinée-Rennen auf dem Programm, die es in sich haben. Rechtzeitiges Erscheinen sichert nicht nur gute Plätze - Anpfiff zum 1. Rennen ist bereits um 11.10 Uhr -, sondern auch die Möglichkeit, in der Königswette ums große Geld mitzuspielen: Wer in allen vier Rennen den richtigen Sieger in der sogenannten V4-Wette voraussagt, wird aus dem Wetttopf bedient, in dem mindestens 4.000 Euro auf Auszahlung warten.

Das 1. Rennen ist als Referenz an den Partner PMU jenen Trabern vorbehalten, die ins französische Gestütbuch eingetragen sind, könnte jedoch von einem Traber dominiert werden, der mit dem Land der Trikolore real nie etwas zu tun hatte: Vigo Bes ist im Sachsen-Anhaltinischen Grabow auf dem Hof seines Züchters und Besitzers Bernd Schrödl zur Welt gekommen und Franzose allein den Papieren nach. Die 2.500 Meter weite Strecke sollte dem Fuchs entgegenkommen, der Bänderstart, der bei dieser Distanz als Schmankerl direkt vor den Zuschauertribünen stattfindet, ebenfalls. Allein die Nerven könnten dem Wallach einen Streich spielen und ihn nicht zum ersten Mal in seiner Karriere in den Galopp treiben. In die Bresche springen könnten der aus Polen anreisende Brandy Hornline, der mindestens genauso diffizile Brador mit Österreichs Champion Gerhard Mayr oder Vieux Manoir. Der hat mit Dennis Spangenberg in Mariendorf bereits drei solcher Trotteur-Français-Rennen gewonnen.

Wie Vigo Bes kann sich in der 2. Prüfung Aggetto in erster Linie nur selbst schlagen. Seit der Wallach in die Obhut von Trainerchampion Heinz Wilhalm gekommen ist und nur noch rechtsherum eingesetzt wird, geht die Formkurve rasant nach oben. Drei Starts, drei überlegene Siege, bei denen die Gegner nicht mal ansatzweise eine Chance hatten, stehen für den Tipp des Tages zu Buche, der nach Meinung seines ständigen Fahrers Thorsten Tietz dennoch kein Waisenknabe ist und durchaus für einen Aussetzer gut sein könnte.

Deutschlands Silberhelm stellt auch den Protagonisten im letzten Rennen. Mighty Hanover ist erst im Vorjahr und damit vierjährig ins Arbeitsleben eingestiegen - aber wie! Elf seiner insgesamt zwölf Siege aus lediglich 16 Versuchen gelangen ihm in Mariendorf, womit er hier zum Pferd des Jahres 2015 avancierte. Nun gibt er seinen Einstand in die hoffentlich genauso erfolgreiche neue Saison gegen Rivalen, die nicht von Pappe sind. Rayman hat oft genug Proben seines Könnens abgelegt, der Neu-Berliner Ozon nutzte im Vorjahr die gute Berliner Luft zum Ehrenplatz im Shootingstar-Cup, und Grande Dame holte sich jüngst in verblüffendem Stil den Frühjahrs-Pokal des VDT. Da ist der Fisch für Mighty folglich noch lange nicht geputzt.

Der Knüller schlechthin steckt mittendrin: Stolze 130.000 Euro hat Serena Hambach, die Chefin des österreichischen Stalles Antonshof, auf der Derby-Jährlingsauktion 2014 für Muscle Boy AS hingeblättert. Kein Wunder bei noblen Geschwistern wie Europabummler Istogramma SAS und Spada Nera und einem Erzeuger wie Muscle Hill, der bereits mit seinem ersten Jahrgang in Nordamerika für Furore gesorgt hat. Nun soll der Goldjunge sportlich glänzen. Selbstverständlich hat der von Alwin Schockemöhle gezüchtete Dreijährige eine Nennung fürs heurige Derby und den ersten Schritt dorthin kürzlich mit einem souveränen Sieg in Straubing getan. Diesmal stellen sich viel größere Kaliber in den Weg: Hestia R.A. aus dem Berliner Stall Aleo hat bei drei Starts überhaupt noch nicht verloren, ist aber ihrerseits noch lange nicht durch: Lewis Hamilton hat unter Heinz Wewerings Fittichen ein fulminantes Saisondebüt gegeben und die Gegner knallhart abgekanzelt. Und dann ist da noch Whisper, der mit Thorsten Tietz der Konkurrenz zweimal richtig was geflüstert hat. Nach diesem Match wird der teure „Muskelprotz“ wissen, wo er steht….

Diese Pferde sehen wir vorn:

1. Vigo Bes – Apyre de la Vitard – Brador

2. Aggetto – Barolo SL – Amundsen Mo

3. Lewis Hamilton – Hestia R.A. – Muscle Boy AS

4. Mighty Hanover – Ozon – Grande Dame – Robin Toft