Trabrennen in Berlin - Mariendorf am 16.11.2014: Thorsten Tietz mit einer Erfolgsgala

 

 

Der Silberhelm führt vier Pferde auf die Ehrenrunde – darunter auch die in Tagesbestzeit siegende Speedy Rapide. Heinz Wewering und New Generation beherrschen die höchste Gewinnsummenklasse.  

Berlin-Mariendorf, 16. November 2014. Der Mariendorfer Stammbesucher-Renntag 2014 wurde zur großen Bühne des Berliner Champions Thorsten Tietz. Der Sulkyfahrer ging siebenmal an den Start und gewann vier der insgesamt neun Rennen, die an diesem Nachmittag auf der Derby-Bahn ausgetragen wurden und allesamt unvergessenen Aktiven gewidmet waren. Der Silberhelm kam also auf eine persönliche Siegausbeute von 57 Prozent und war mit dieser Bilanz eindeutig der überragende Sportler der Veranstaltung. Doch nicht nur die zweibeinigen, sondern vor allem die vierbeinigen Akteure machten von sich reden: Obwohl die kühlen und feuchten Wetterbedingungen ganz und gar dem Novembermonat entsprachen, wurden auf der frisch sanierten Rennpiste erstklassige Kilometerzeiten im vierzehner Bereich erzielt – also Tempoläufe, wie man sie früher nur in den großen Zuchtrennen der Hochsaison erwarten durfte.      

Gleich der Auftakt der Veranstaltung ging an Thorsten Tietz. „Ihr Trainer Hannu Voutilainen hatte schon immer eine Riesenmeinung von diesem Pferd“, sagte der Silberhelm nach seinem Erfolg mit Cassiopeia Blue, die auf der 1.900-Meter-Strecke beachtliche 1:16,4 min. trabte und ihre bisherige Bestmarke um mehr als anderthalb Sekunden steigerte. Die Stute legte sich zunächst hinter die bis zum Pfosten tapfer durchziehende und am Ende mit dem zweiten Geld belohnte Tiraldina (Michael Nimczyk) und zog auf der Gegenseite grußlos vorbei. Der Rest war für die Spotlite-Lobell-Tochter eine reine Formsache. Weitaus knapper – nämlich nur mit einem Halsvorteil – und nach einem völlig anderen Rennverlauf kam die zweite Siegerin des Berliner Champions zum Zuge: Speedy Rapide machte ihrem Namen alle Ehre und spielte ihre höllische Endgeschwindigkeit erst auf den letzten zweihundert Metern aus. Ihr bombastischer Kilometerschnitt von 14,0/1.900m – eine persönliche Rekordverbesserung von über einer Sekunde – stellte zugleich die Tagesbestzeit dar.

So richtig glücklich war Thorsten Tietz aber erst nach seinem dritten Volltreffer: „Ich bin mächtig stolz auf dieses Pferd“, strahlte der Silberhelm nach seinem Triumph mit Saskatchewan. Der in Deutschland noch ungeschlagene Wallach aus dem Besitz der Rennsportlegende Jean-Pierre Dubois ging rasch an die Spitze und damit war für den 12:10-Topfavoriten auch schon alles gegessen. Der wuchtige Dreijährige mit dem italienischen Pass stand in 14,5/1.900m turmhoch über dem Feld und sein Fahrer war sich im Anschluss an diese Demonstration völlig sicher: „Saskatchewan ist unglaublich gut, er wird seinen Weg gehen!“ Für den Berliner Champion war diese eindrucksvolle Vorstellung aber noch nicht der Rest vom Schützenfest, denn der 37-jährige Profi steuerte auch noch Remo Petral auf die Ehrenrunde. Der Wallach sah zu Beginn des Einlaufs zwar eigentlich nur wie ein Anwärter für das zweite Geld aus – doch dann kam der führende Nu I Nu (Michael Nimczyk) von einer Sekunde zur anderen von den Beinen und machte den Weg für seinen in 15,5/1.900m auftrumpfenden Gegner frei.

New Generation – so hieß nicht nur der Sieger des einzigen Bänderstartrennens des Berliner Nachmittags, sondern der Name des Pferdes war zugleich das Stichwort für seinen Trainer und Fahrer Heinz Wewering, der sich im Winnercircle beim anschließenden Interview – auf das Fernduell mit seinem amerikanischen Berufskollegen Dave Palone und dessen 16.754. Sulkytreffer angesprochen – so äußerte: „Der Sulkysport entwickelt sich immer weiter. Es gibt neue Generationen von Fahrern. Dave Palone ist einer der herausragendsten unter ihnen. Er ist ein Meister im Sulky, ein absoluter Vollprofi – und es ist in Bezug auf den Weltrekord eigentlich müßig darüber nachzudenken, ob man nun aus Daves Bilanz mit aller Gewalt die Siege mit Pacern herausrechnen soll. Das bleibt sowieso persönliche Ansichtssache und ist vielleicht auch gut so: Denn wenn es in einem Duell keinen eindeutigen Sieger gibt, dann gibt es natürlich auch keinen Verlierer.“ Doch zurück zum konkreten Renngeschehen und Wewerings Erfolg mit New Generation: Hier existierte keinerlei Spielraum für Interpretationen. Obwohl der Hengst die gesamte Schlussrunde in der Angreiferspur bewältigen musste, zog er in 14,7/2.000m leicht mit drei Längen Vorsprung an Andersson Mo (Michael Nimczyk) vorbei.              

Glatte 1.000:10 auf Sieg, 118:10 auf Place, 7.935:10 in der Zweier- und 73.962:10 in der Dreierwette: So lauteten die Quoten nach dem sensationellen Erfolg von Puntabianca und ihrer Fahrerin Katharina Kramer. Das Gespann ließ es auf den ersten tausend Metern recht ruhig angehen gelassen und fand in Folge mit Führpferd in der Außenspur einen ansprechenden Verlauf vor. Als dann im Schlussbogen und zu Beginn der Zielgeraden gleich mehrere der Gegner überraschend von den Beinen kamen, war der Weg für die Amazone und ihren Schützling urplötzlich in ausgezeichneten 15,8/1.900m frei. Nicht ganz so hoch, aber mit 69:10 dennoch überaus lukrativ fielen die Odds für die von Michael Nimczyk präsentierte Raquel Welsh aus. Die Stute fand vor den Tribünen an die vierte Stelle außen – und das war natürlich das Rezept für den Erfolg. Im Einlauf ging die Vierjährige, die ohnehin stets nur gute Leistungen kennt, unter Rekordverbesserung auf 15,0/1.900m im Rush an den Konkurrenten vorbei.  

Er wird von Tag zu Tag besser: Beim sechsten Lebensstart feierte Enrico di Quattro in der Hand seines Besitzertrainers Daniel Goehrke in 17,0/1.900m den längst verdienten ersten Sieg. „Der Fuchshengst ist im Rennen dennoch nicht ganz unkompliziert und gibt sich hin und wieder recht heftig“, schilderte der im Hauptberuf bei der Bundespolizei tätige und an höchster Stelle – nämlich im Kanzleramt – eingesetzte Goehrke den augenblicklichen Entwicklungsstand seines Trabers. Enrico di Quattro spielte seine Finishstärke nach einem optimalen Verlauf als viertes Pferd außen erst auf der Zielgeraden aus. Ganz anders gestaltete sich der Rennfilm beim Sieg von Bernd Schrödl und Vigo Bes, die zum zweiten Mal hintereinander von der Spitze aus gewannen. Obwohl der zweitplatzierte Alighieri Mo (Michael Nimczyk) bis zum Pfosten auf Tuchfühlung blieb, fiel der in 16,7/1.900m erzielte Treffer sehr souverän aus. Bernd Schrödl: „Mit einem hohen Tempo hat Vigo Bes ohnehin keine Probleme. Ansonsten ist er aber ein echter Hitzkopf und ich habe angesichts seines überschäumenden Temperaments gar keine andere taktische Wahl, als sofort nach vorne zu gehen.“                    

Gesamtumsatz: 108.622,90 Euro - Bahnumsatz: 37.521,00 Euro - Außenumsatz: 71.101,90 Euro

Foto von Marius Schwarz: Thorsten Tietz und Speedy Rapide