Trabrennen in Berlin-Mariendorf: 450 Kilogramm Dynamit

 

Grandioser Erfolg für den Stall Living Dream: Der von Maik Esper präsentierte Ganystar explodiert vor Leistungsbereitschaft und rennt seine Gegner im Adbell-Toddington-Trial in Grund und Boden. Der Sieg im Trial des NRZ-Pokals geht an Michael Schmid und Ciao Amore.

Mariendorf, 4. Mai 2014.

„Wir haben ein echtes Juwel im Team“, jubelte das Besitzer-Trio Sven Block und Dirk und Ariane Schüller vom Berliner Rennstall Living Dream nach dem grandiosen Sieg des Fuchshengstes Ganystar bei dem mit 7.000 Euro dotierten Trial II des Adbell-Toddington-Rennens. Doch das begeisterte Lob galt nicht etwa ihrem Traber, der seinen Gegnern Start bis Ziel nicht den Hauch einer Chance gelassen hatte, sondern dem Trainer und Fahrer Maik Esper. Dirk Schüller: „Wir sind total stolz auf unseren Coach. Denn Maik verfügt über ein unglaubliches Gespür, vor allem für die jungen Pferde. Er macht einen super Job!“

Das Einbrechen und Trainieren der Youngster gehörte in der Tat zu Espers ständigen Aufgaben innerhalb seiner früheren Zusammenarbeit mit Holger Ehlert. Aus seiner Zeit in Italien hat der 41-Jährige einen reichen Erfahrungsschatz auf diesem Gebiet mitgebracht. Die Erfolge sind unübersehbar: Nach seinen Siegen mit Brasco und Sarently As war der Treffer mit Ganystar nun bereits der dritte spektakuläre Triumph auf Zirkel-Ebene innerhalb nur weniger Tage. Der Berliner Trabrennsport und natürlich ganz besonders der Stall Living Dream scheinen für die großen Dreijährigen-Rennen dieser Saison bestens aufgestellt zu sein. Das unterstreicht zudem der zweite Platz im Adbell-Toddington-Trial, der ebenfalls an lokale Matadoren ging – nämlich an Heinz Wewering und Nico Way.

„Heinz hat offenbar ganze Arbeit geleistet, denn Nico Way wirkte am Sonntag deutlich verbessert“, verpasste Maik Esper dem unterlegenen Gegner prompt ein dickes Kompliment. Das Rennen war dennoch eine One-Horse-Show. Denn Nico Way kam ebenso wie die dritt- und viertplazierten SJs Sunday (Michael Nimczyk) und Aint she sweet (Dennis Spangenberg) nie entscheidend an den in 14,8/1.900m auftrumpfenden Ganystar heran. Der Hengst explodierte vor Leistungsbereitschaft und präsentierte sich wie eine 450-Kilogramm-Ladung Dynamit. Ein heißer Feuerstuhl, der seinem Trainer trotz des grandiosen Tempolaufs noch einiges Kopfzerbrechen bereiten wird. Maik Esper: „Ganystar hat mich mächtig ins Schwitzen gebracht, denn er ging das gesamte Rennen gegen die Hand. Der Fuchs muss vom Nervenkostüm her noch viel ruhiger werden, wenn er im Jahrgang ganz oben mitmischen will. Aber sein Laufvermögen ist einzigartig. Ich glaube, das war heute im Grunde genommen nur eine kleine Kostprobe von dem, was er wirklich leisten kann!“

Auch der Sieger des zweiten Mariendorfer Hauptereignisses war imponierend. Der ebenfalls mit 7.000 Euro dotierte Trial I des NRZ-Pokals ging an Johann Holzapfels und Karla Waleks Ciao Amore, in dessen Sulky erstmalig Michael Schmid saß. Das Gespann gewann in 15,0/1.900m das langgezogene Duell gegen den ebenfalls von Josef Franzl trainierten und von Thomas Panschow gesteuerten Gri Harry. Die Entscheidung lag nur zwischen diesen beiden Pferden, denn der drittplatzierte Inschallah (Markus Bock) folgte deutlich geschlagen mit fünf Längen Rückstand. Unterwegs hatte Gri Harry stets die Pace vorgelegt, doch auf den letzten zweihundert Metern erfolgte Ciao Amores eiskalter Konter. Michael Schmid: „In der letzten Saison hat der ursprünglich für das Derby vorgesehene Hengst bekanntlich viel Pech gehabt und musste mehrfach pausieren. Aber davon profitiert er nun – denn der vom Körperwuchs her riesige Braune ist ein geschontes und voll entwickeltes Pferd.“

Während Michael Schmid nur diese einzige Fahrt absolvierte und seine Stippvisite in Berlin mit einer hundertprozentigen Ausbeute beendete, ging Maik Esper noch mit Aflame Dragon auf die Siegerparade. Der in den Niederlanden aufgewachsene Hengst machte seine Doppelzuschlage in 17,2/2.566m problemlos mit einem feinen Endspurt wett. Noch viel schneller – nämlich in der Tagesbestzeit von 14,5/1.900m – sprintete Fridericus mit Michael Nimczyk über den Kurs. Der von Roman Matzky trainierte Stallcrack des Besitzerehepaars Kleemann ging sofort nach vorne und lieferte eine wahre Galavorstellung ab. Allenfalls Harry’s Bar (Thorsten Tietz) wäre Fridericus noch gefährlich geworden – der Wallach sprang sich aber bei seiner im Schlussbogen eingeleiteten Aufholjagd aus der Partie.

Glattgehend ist sie eine Macht: Die von Benjamin Hagen gelenkte Kentucky Princess gewann das Rennen ebenfalls von der Spitze aus. Die Stute bleibt dennoch ein heißes Geschoss und zeigte sich nach dem Rennen nicht gewillt, den Winnercircle aufzusuchen. Während ihr Erfolg mit acht Längen Vorsprung überdeutlich ausfiel, kamen Grand Ass und Heinz Wewering nur recht glücklich zum Sieg. Denn das Gespann hatte lediglich den zweiten Platz belegt, profitierte aber von der Disqualifikation des Gegners Honeybee (Victor Gentz). Der Kontrahent war dem Wewering-Schützling zwar eine Runde vor dem Ziel recht unsanft in die Quere gekommen – ob die abrupte Fahrspurveränderung aber wirklich rennentscheidend war, ist mehr als zweifelhaft. Denn Grand Ass fand im Anschluss im Windschatten von Honeybee sogar einen geradezu idealen Verlauf vor. Die Entscheidung der Stewards war also überaus hart.

Zu den Fahrern, die schon seit Monaten in toller Form agieren, gehört ohne Frage Dennis Spangenberg. Der Berufsfahrer hat sich mit 19 Saisonsiegen auf Rang acht der bundesdeutschen Wertung voran gearbeitet und es vergeht kaum eine Berliner Veranstaltung für ihn ohne einen vollen Erfolg. Diesmal punktete Spangenberg mit Dex Buitenzorg, den er zunächst im hinteren Feld versteckt hielt. Der Vierjährige entfaltete sein ganzes Können erst im Einlauf und sammelte die Konkurrenten einen nach dem anderen nahezu mühelos ein. Oh Happy Day und Daniel Wagner agierten nach ähnlichem Muster und nutzten bis zum Erreichen der Zielgeraden konsequent die Innenkante, um dann mit einer beeindrucken Finishleistung zuzuschlagen. Daniel Wagner: „Die Besitzerin Myriana Braun hat sich das Pferd auf einer Auktion selber ausgesucht und mit ihrem Gebot ganz ohne fremde Beratung Fakten geschaffen. Frau Brauns Entscheidung ist ein absoluter Glücksfall. Denn Oh Happy Day hat sich prächtig entwickelt und sie wird einen erfolgreichen Weg gehen.“    

Daniel Wagner durfte sich außerdem über zwei weitere Trainerpunkte freuen, die André Pögel für ihn erzielte. Den ersten Treffer fuhr der aus Baruth stammende mehrmalige Amateur-Champion mit Vulkan heraus, dem er ausgangs der Gegenseite das entscheidende Zeichen gegeben hatte. Im Einlauf machte der Seriensieger ein mächtiges Fass auf und bekam den führenden Andersson Mo (Christoph Pellander) noch leicht in den Griff. Für André Pögel war dies natürlich ein optimaler Einstand, denn er hatte die Leinen des Dunkelbraunen zuvor noch nie in die Hände genommen. Auch seine andere Fahrt mit Pretty Lover war ein Debüt. Der in Italien gezüchtete Traber stürmte aus dem Schlussbogen heraus mit riesigem Speed am Feld vorbei. „Zwei ganz tolle Pferde“, strahlte André Pögel im Anschluss und ergänzte: „Ich kann gar nicht sagen, welches das bessere ist“.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 112.581,03 Euro – Bahnumsatz: 43.122,60 Euro – Außenumsatz: 69.458,43 Euro

Die nächste Veranstaltung findet am Sonntag, dem 18. Mai statt. Im sportlichen Mittelpunkt steht der Auftakt zum Kampf um die Dreifache Krone: das mit 25.000 Euro dotierte Adbell-Toddington-Rennen.