Trabrennen in Berlin – Mariendorf 2015: Letzter Aufgalopp vor der Derby-Woche

Gerhard Biendl (Foto) probt mit Tokay und Jamie Oliver für Deutschlands wichtigstes Rennen. Drei weitere Pferde aus den Trainieranstalten von Kay Werner, Heinz Wewering und Willi Rode besitzen ebenfalls noch eine Derby-Nennung. Im „Frei für Alle“ trifft Harry’s Bar auf Shoemaker und Abano Boy. 

Mariendorf, 12. Juli 2015

Es sind nur noch wenige Tage bis zum Beginn der Derby-Woche. Die Veranstaltung am Sonntag ist also die letzte Gelegenheit, den für das Blaue Band genannten Pferden auf der Berliner Piste noch einmal den notwendigen Schliff zu verpassen. Einer der deutschen Spitzentrainer – nämlich Gerhard Biendl – nutzt diese Chance und bringt zwei Dreijährige an den Start. Auch Kay Werner, Heinz Wewering und Willi Rode lassen einige ihrer für Deutschlands bedeutendstes Rennen genannten Schützlinge antreten. Abgerundet wird das Ganze durch ein prominent besetztes „Frei für Alle“ und vor allem durch zahlreiche Toto-Highlights wie der V5, drei Supersieg-Wetten, einer Vierer-Garantie, der Prämienausspielung und mehreren Jackpots.

Für Bahnbesucher wird außerdem das PLACE-Gewinnspiel in den Rennen eins bis vier angeboten. Die Veranstaltung beginnt mit einem Amateurfahren, das Fittipaldi (Sebastian Gläser) und Sarina (Alexander Dame) in der Favoritenrolle sieht. In den Kreis der möglichen Sieganwärter gehören vom Potential her auch Regale by Pass (André Pögel), Vico (Katharina Kramer) und Grace Michael Hamann wird die letztgenannte Stute wird aber sicherlich nicht mit der Brechstange vorgetragen, denn Grace muss endlich einmal wieder glatt um den Kurs kommen – bei ihren letzten Starts lagen die Nerven der antrittsschnellen Vierjährigen total blank.

Das ist bei Emma di Quattro, der Favoritin der zweiten Tagesprüfung, ganz anders. Die diesmal wieder Dennis Spangenberg anvertraute Stutenderby-Zweite sprang zuletzt nur, weil sie durch die schwere Behinderung eines Gegners regelrecht aus dem Rennen gekickt wurde. Diese Form ist also komplett zu streichen. Zum Zuckerschlecken wird die Aufgabe für die Braune trotzdem nicht – denn sie muss auf der 2.500-Meter-Strecke genauso wie ihr Hauptgegner Theodor Fontane (Heinz Wewering) eine Zulage bewältigen. Ob der zwanzig Meter besser aufgestellte Rock of Gibraltar (Andrea Lombardo) allerdings erfolgreich gegenhalten kann, darf trotz seines frischen Sieges bezweifelt werden.

Im 3. Rennen kommt dann der schon erwähnte Herz-und-Nieren-Test für Gerhard Biendls ersten Dreijährigen, nämlich Johann Holzapfels Hengst Tokay. Der Dunkelfuchs genießt in seinem Umfeld eine hohe Wertschätzung. Sein Saisondebüt verlief glanzvoll: Tokay gewann den Pfarrkirchener Buddenbrock-Trial sehr überzeugend. In Berlin hatte er dann zwei Wochen später aus dem Hinterfeld heraus zwar keine reelle Siegchance, holte sich bei seinem dritten Rang aber eine neue 14,5-Rekordmarke. Ist der Biendl-Hengst für die in dieser Prüfung beginnende und mit 5.000 Euro Garantie ausgestattete V5-Wette also das glasklare Bankpferd? Das muss angezweifelt werden – denn die ebenfalls für die Holzapfel-Farben laufende Luminara (Heinz Wewering) und Uldimeo (Peter Kwiet) gehören genauso auf den Schein.

Im 4. Rennen sollte man sich ebenfalls nicht nur auf ein einziges Pferd festlegen. Zumal mit Friday Fortuna (Kay Werner), Flying Capitana (Heinz Wewering) und Ironheart (Gerhard Steinhaus) drei für das Blaue Band genannte Traber dabei sind. Vargas F (Thorsten Tietz) und der vom niederländischen Gast Marco Menger präsentierte Lucky Boy Scott sind ebenfalls dreijährig und deutscher Nationalität – doch sie stehen nicht für das Derby zur Disposition. Natürlich ebenso wenig wie die Stute Atomenergi (Heiner Christiansen), die mit New Hanke Hall zwar eine interessante Mutter hat, aber einen dänischen Pass besitzt. Der Sieg könnte jedoch eher an ein bereits vierjähriges Pferd gehen: Agostini (Andreas Gläser) ist nach zwei Ehrenrängen für einen vollen Erfolg geradezu überfällig.

Auch in dem mit einer Vierer-Garantie in Höhe von 4.000 Euro verknüpften 5. Rennen sind vier Dreijährige dabei – drei davon sind zwar ins deutsche Gestütsbuch eingetragen, aber eine Derby-Nennung hat keiner von ihnen. Die meiste Aufmerksamkeit wird die Italienerin Twiga Bi (Thorsten Tietz) erhalten. Die Prüfung ist allerdings überaus offen: Udina Way (Daniel Wagner), Maxwell PS (Benjamin Hagen), Molto Bene H (Heiner Christiansen) und Rainbow Diamant (Heinz Wewering) konnten allesamt schon auf eine Ehrenrunde gehen. Alighieri Mo (Thomas Holtermann) besitzt den schnellsten Rekord im Feld. Zwischen den aufgezählten Pferden scheint nicht viel zu liegen. Das wettende Publikum muss sich also ganz auf die eigene Intuition verlassen.

Jamie Oliver: So heißt Gerhard Biendls zweiter Derby-Anwärter, der vom augenblicklichen Leistungsstand her aber trotz seiner noblen Abstammung – seine leider viel zu früh eingegangene Mutter Janet Jackson verdiente über 160.000 Euro Preisgeld – wohl unter seinem Stallgefährten Tokay anzusiedeln ist. Der im 6. Rennen antretende Hengst hat nämlich erst drei Starts im Bauch. Sollte seine einzige wirkliche Gegnerin My Little Letty (André Pögel) aber erneut zu viel Temperament an den Tag legen, wird ihm der Sieg kaum zu nehmen sein. Weitaus unberechenbarer ist das 7. Rennen, bei der die Wetter – auch in Hinsicht auf den 1.000-Euro-Jackpot in der Daily Double – die Qual der Wahl zwischen Nico Way (Heinz Wewering), Strauss (Heiner Christiansen), Alicante (Maik Esper), Air France (Marco Menger) und Janus R.A. (Oliver Müller) haben.

Das 8. Rennen ist ein absoluter Knaller: Der zuletzt schon nach wenigen hundert Metern disqualifizierte Mariendorfer Saisonrekordhalter Harry’s Bar (Thorsten Tietz) will sich gegen Shoemaker (Gerhard Biendl) und Abano As (Heinz Wewering) rehabilitieren. Diese drei Pferde müssen den weiteren fünf Teilnehmern auf der Zwei-Kilometer-Strecke zwanzig Meter Zulage geben – und das wird diesmal gar nicht so ein leichtes Unterfangen, denn vor allem der sehr unberechenbare Zizou AM (Dennis Spangenberg) besitzt höllische Schnelligkeit und könnte den Dreien von der Grundmarke aus einen Strich durch die Rechnung machen. Ob die drei Giganten also unter sich bleiben und die Erstbändler gnadenlos abstrafen, ist durchaus ungewiss. Die Sache wird spannend – genauso wie das abschließende 9. Rennen, in dem Hella (Dennis Spangenberg) auf Volydor (Katherina Kramer), Roesie (Heinz Wewering) und Kronprinz LB (Ferdinand Hirsch) trifft.    

Unsere Tipps:

1. Sarina – Fittipaldi – Regale by Pass

2. Emma di Quattro – Theodor Fontane – Rock of Gibraltar

3. Tokay – Luminara – Sex and the City

4. Agostini – Vargas F – Atomenergi

5. Twiga Bi – Molto Bene H – Rainbow Diamant – Udina Way

6. Jamie Oliver – My Little Letty – Akropolis Frei

7. Strauss – Alicante – Air France

8. Harry’s Bar – Shoemaker – Abano Boy

9. Hella – Roesie – Volydor

Foto von Marius Schwarz