Trabrennen in Berlin - Mariendorf 2015: Gleich am Anfang geht es ab

Heinrich Gentz

Die Auftaktprüfung ist bereits einer der Vorläufe zum Winterpokal der Amateure um 16.000 Euro Gesamtpreisgeld. Am Sonntag benötigt man den richtigen Riecher – denn keiner der Favoriten ist unschlagbar. Auf die Tippexperten warten Jackpots, Garantien und Prämien in Höhe von fast 30.000 Euro.

Berlin-Mariendorf, 13. Dezember 2015 (Start des ersten Rennens um 14.00 Uhr / Qualifikationen und Vorab-Interviews ab 13.20 Uhr).

Das wird ein richtig heißes Ding: Am letzten Mariendorfer Renntag vor dem Weihnachtsfest geht es für die Amateurfahrer in den drei Vorläufen und dem Endlauf des Winterpokals um 16.000 Preisgeld. Der Kampf um die begehrten elf Finalplätze beginnt gleich mit dem ersten Rennen, das pünktlich um 14 Uhr ausgetragen wird. Mit einer ruhigen Aufwärmphase wird es diesmal also nichts – ganz im Gegenteil: Alle Wettexperten sind vom Fleck weg voll gefordert. Denn nicht nur die drei Vorläufe des Winterpokals bieten viel Raum für Spekulationen, sondern auch die den Profis vorbehaltenen Rennen. Ein besonders interessanter Aspekt: Berlins Champion Thorsten Tietz hat für die Veranstaltung zwar einige starke Formpferde genannt, gönnt sich aber gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Sarah Kube eine Kreuzfahrt auf dem Traumschiff AIDA. Das bedeutet also: Seine „Urlaubsvertretungen“ Alexander Kelm und Matthieu Hegewald müssen ran. Werden beide Berufsfahrer die hohen Erwartungen erfüllen – oder kann man am Toto kräftig dagegenhalten?

Aber zurück zu den Winterpokal-Vorläufen: Die Gewinnsummenklasse bis 20.000 Euro ist in zwei Abteilungen unterteilt, die als erstes und zweites Rennen ausgetragen werden. Hier erreichen jeweils die ersten Drei das Finale. Im dritten Rennen tritt die Klasse bis 7.500 Euro an und hier kommen die ersten Fünf weiter. Das aus zwei Bändern gestartete Finale wird als zehntes Rennen ausgetragen – die gewinnsummenreicheren Teilnehmer müssen dann zwanzig Meter Zulage in Kauf nehmen. An welchen Pferden kommt man nicht vorbei? Da ist im 1. Rennen sicherlich Trible Laser (Werner Schnieder) zu nennen. Der Wallach hat in dieser Saison zwar erst einen Volltreffer gelandet, aber seine Form steigt seit einigen Wochen deutlich. Harry Bo verkörpert im Feld wohl die größte Qualität und wird zum zweiten Mal von Sebastian Behrens gesteuert. Das gemeinsame Debüt verlief recht vielversprechend. Wenn es nach dem Äußeren ginge, würde der bildhübsche Garfield (Peter Neisius) sicherlich den ersten Platz belegen – doch die Prüfung ist kein Schönheitswettbewerb und der Fuchs muss schon seine volle Leistung bringen, um sich gegen chancenreiche Außenseiter wie Janus R.A. (Michael Schreiber) und Blättermann (Heinrich Gentz; Foto) zu behaupten.

Im 2. Rennen steht Holly go lightly (Christian Schulz) unter einigem Druck. Die Stute läuft seit Monaten in der Form ihres Lebens – doch ausgerechnet ihr letzter Auftritt war nicht hundertprozentig überzeugend und sie hat zudem die ungünstigste Startnummer erwischt. Es ist aber dennoch fest damit zu rechnen, dass die Tochter der 17-fachen Siegerin Holly Leika das Finale erreicht. Wer sie dorthin begleiten wird, ist allerdings völlig offen, denn in dem Teilnehmerfeld ist kein einziger Vollstreicher dabei. Für Beautiful Girl (Heinrich Gentz), Vico (Katharina Kramer), Phantom Eck (André Schiller), Star Gardenia (Maximilian Schulz), Dynamite Goal Ass (Christian Pögel) und Arwen Energy (Michaela Jahn) ist bei passendem Verlauf alles möglich und die Auswahl zwischen ihnen fällt nicht leicht. Da dieses Rennen ebenso wie die siebente und neunte Tagesprüfung mit der Mariendorfer Supersieg-Wette (5.000 Euro Garantie inklusive 1.000 Euro Jackpot) verknüpft ist, sind Topquoten vorprogrammiert.

Im 3. Rennen, dem letzten der drei Winterpokal-Vorläufe, spricht einiges für Honeyboy. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass seine 24-jährige Fahrerin und Mitbesitzerin Eliana Harm noch eine ziemliche Newcomerin ist: Bei 25 Starts sprang bisher ein Sieg für die in Bad Oldesloe lebende Amazone heraus. Auch der erst 17-jährige Recklinghäuser Jan Steinhaus (22 Starts / 3 Siege), der Fionara steuern wird, ist natürlich noch nicht so „abgezockt“ wie die Routiniers André Pögel (Arando), Werner Schnieder (Tiraldina) und Heinrich Gentz (Sophie Menoud).  Die beiden Außenseiter Arno (René Klein) und Höwings Rohini Z (Franziska Höltje) sind über Hironimus LB (Frank Eickmann) und Louisa (Walter Pichotta) zu stellen. Alles in allem ist auch dieser Vorlauf eine sehr offene Partie.

Im 4. Rennen, dem Auftakt der V5-Wette, schreiten zum ersten Mal die Profis zur Tat und der diesmal nicht von seinem Trainer Peter Kwiet, sondern von Thomas Holtermann präsentierte Uldimeo muss beweisen, dass sein letzter Erfolg keine Eintagsfliege war. Rein vom läuferischen Können her hat er kaum Gegner. Im 5. Rennen gehören Tricolore (Maik Esper), Ronas Liguori (Daniel Wagner) und Rainbow Diamant (Heinz Wewering) auf den Schein, wobei die Erstgenannte vom Potential her eigentlich kaum verlieren kann – wenn überhaupt, dann schlägt sich Tricolore nur selber. Denn sie scheint zum einen ein regelrechter „Vollbomber“, zum anderen aber noch sehr unerfahren zu sein.

Das 6. Rennen ist mit einer 5.000-Euro-Vierergarantie ausgestattet. Mighty Hanover ist der Titel „Mariendorfer Traber des Jahres 2015“ nicht mehr zu nehmen – diesmal hat er allerdings einen neuen Fahrer in seinem Sulky, nämlich Matthieu Hegewald. Normalerweise ist nicht zu vermuten, dass dies einen Unsicherheitsfaktor darstellt, denn Mighty Hanover ist absolut trabsicher und Matthieu Hegewald hat den Sport von der Pike auf gelernt. Aber die Kontrahenten sind nicht von Pappe: Bianca Boshoeve (Maik Esper) ging dreimal hintereinander auf die Ehrenrunde und Oh Happy Day (Daniel Wagner) blieb im Bahrenfeld-Cup als Dritte nur anderthalb Längen hinter dem Sieger Obelix Diamant.

Im 7. Rennen ist Twiga Bi erstmals Alexander Kelm anvertraut. Die Stute erzielt meist schnelle Zeiten, ist aber gegen Intelligente (Ferdinand Hirsch) und die weiteren acht Gegner noch längst nicht zuhause und alles andere als eine felsenfeste Bank. In dieser Prüfung sind kräftige Überraschungen drin. Für das 8. Rennen (Daily-Double-Jackpot 1.000 Euro) darf Alexander Kelm dagegen nahezu unbegrenzten Optimismus entwickeln,  denn Maartje Flevo muss nur auf den Beinen bleiben und ist trotz der Tatsache, dass es erst der zweite Start ihrer Vierbeinerlaufbahn ist, ein ganz heißer Tipp. Floh G und Dirk Grusdas gebührt im 9. Rennen ebenfalls ein besonderer Stellenwert – es sei denn, dass der in Schünow trainierte „heiße Ofen“ wieder seine schlechten Launen offenbart. Nach dem Finale des Winterpokals bildet das 11. Rennen dann den Abschluss der Veranstaltung und hier könnte Matthieu Hegewald mit dem Debütanten Flash di Quattro zuschlagen. Der dreijährige Hengst qualifizierte sich in schneller Zeit und ist als jüngerer Bruder der Stutenderby-Zweiten Emma di Quattro besonders empfohlen.                            

Unsere Tipps:

1. Trible Laser – Harry Bo – Garfield

2. Holly go lightly – Beautiful Girl – Vico

3. Honeyboy – Arando – Fionara

4. Uldimeo – Elena Kievitshof – Regale by Pass

5. Tricolore – Ronas Liguori – Look Red Romulus

6. Mighty Hanover – Bianca Boshoeve – Oh Happy Day – Honoree

7. Twiga Bi – Intelligente – Nuit d‘Amour

8. Maartje Flevo – Holy Wood Star – Look de Paris

9. Floh G – Rayman – Cardea

10. Finale zum Winterpokal der Amateure

11. Flash di Quattro – Mountain Rose – Impulsiv

Foto von Marius Schwarz