Trabrennen in Berlin-Mariendorf 2015: Doppelerfolge für Wewering, Tietz und Spangenberg

 

Der von Marlene Matzky präsentierte Dulco di Quattro agiert erneut bärenstark und erzielt die 14,3-Tagesbestzeit.

Berlin-Mariendorf, 14. Januar 2015.

Zehn exquisit besetzte Rennen und die Ehrung der Lokalmatadoren: Die PMU-Veranstaltung auf der Derby-Bahn hatte einiges zu bieten. Sämtliche frischgebackenen Mariendorfer Meister fanden sich im Winnercircle ein. Michael Nimczyk und Thorsten Tietz (beste Berufsfahrer), Dirk Grusdas (erfolgreichster Trainer), Ulrich Mommert (gewinnreichster Besitzer), Nicole und Hans-Joachim Kleemann (Züchter-Champions), Philipp Caternberg (bester Lehrlingsfahrer) und die Trabreiter-Championesse Joana Klein gratulierten den Siegern der nach ihnen benannten Rennen persönlich. Der Österreicher Thomas Royer, der sensationell das Amateur-Championat gewonnen hatte, scheute sogar den weiten Weg aus der Steiermark nicht. Und natürlich wurde auch der „Mariendorfer Traber des Jahres“ präsentiert: der von Daniel Wagner trainierte Wallach Vulkan.  

Der Auftakt des Rennabends ging an Heinz Wewering und den von Peter Scheack vorbereiteten Hengst Pablo Kemp, der nach seinen in den vergangenen Wochen gezeigten tollen Leistungen längst reif für den vollen Erfolg war. Olaf Sadetzkys Traber profitierte allerdings auch vom kapitalen Startfehler des 14:10-Topfavoriten Nileo (Josef Franzl). Der Kontrahent kämpfte sich nach einer furiosen Aufholjagd zwar noch einmal bis an Pablo Kemps Seite heran und schien für einen Moment sogar ernsthafte Siegchancen zu besitzen. Aber auf den letzten Metern fehlten Nileo, der immerhin mit dem zweiten Geld belohnt wurde, dann doch die entscheidenden Reserven.

Heinz Wewering gelang noch ein zweiter Treffer, denn der 29-malige Deutsche Meister ging wenig später auch mit Henno Sürders Good man auf die Ehrenrunde – dies allerdings nach einem völlig anders gestalteten Rennverlauf. „Wir mussten unmittelbar vor dem Start noch den Scheck tauschen und Good man fand nicht ganz so gut ins Rennen, wie ich es mir eigentlich gewünscht hätte“, erklärte Wewering im Anschluss bei der Siegerehrung. Im letzten Bogen machte sich der Vierjährige zwar in äußerer Spur deutlich bemerkbar – aber der volle Erfolg schien zu diesem Zeitpunkt noch klar außer Reichweite zu liegen. Doch im Einlauf bog Good man den Spieß um und erwischte die führende Mon Cherie Ass (André Pögel) haargenau auf der Linie.  

380:10 auf Sieg – solch eine sensationelle Quote bekommt man für einen Tipp auf den Berliner Champion Thorsten Tietz wahrlich nicht alle Tage. Doch mit dem Wallach Lantino machte „Turbo-Thorsten“ die phänomenalen Odds tatsächlich möglich. Eine Runde vor dem Ziel war von dem zuvor in Bayern beheimateten Jillis-Joker-Sohn noch überhaupt nichts zu sehen – doch auf der Zielgeraden tauchte der Rießenaußenseiter quasi aus dem Nichts auf und fing keinen Geringeren als Samovar As (Josef Franzl) mit dem letzten Schritt ab.

Deutlich niedriger – nämlich 15:14 – lautete die Quote bei Thorsten Tietz’ zweitem Tageserfolg, diesmal im Sulky von Harry’s Bar. Der Crack des Hamburger Besitzers Klaus Gührs stürmte aus dem trotto.de-Bogen heraus an die Spitze. Und das war es dann schon – der zweitplatzierte Rapido Ok (Josef Franzl) besaß zu keinem Zeitpunkt eine ernsthafte Konterchance mehr. Dass Harry’s Bar bei seiner Rückkehr aus der zehnwöchigen Winterruhe in 15,3/1.900m auf Anhieb solch eine Leistung erbringt, hatte Thorsten Tietz offenbar erwartet: „Der Wallach präsentierte sich schon im Training unglaublich stark!“

Mit ähnlich großer Autorität siegten auch Vieux Manoir und Dennis Spangenberg, die vom Fleck weg das Kommando übernahmen und die Führung problemlos nachhause brachten. „Der Wallach machte sich in den Bögen trotz einer veränderten Kopfstange zwar noch etwas schief – davon abgesehen war ich aber mit seiner Leistung sehr zufrieden“, kommentierte der Berufsfahrer den Sieg. Der zweite Tageserfolg sprang für Dennis Spangenberg mit Spicy A. heraus. Der Wallach der Besitzerfamilie Hahn ging im ersten Bogen an Donna Kievitshof (Maik Esper) vorbei und diese Reihenfolge blieb ins Ziel bestehen. Als Kilometerschnitt ergaben sich höllisch schnelle 14,6/1.900m. „Spicy A. bekam die Führung zwar nicht kampflos und er musste auch am Ende einiges tun, um die Gegnerin abzuwehren. Aber der Dunkelbraune besitzt wirklich einen tollen Rennkopf“, lobte Dennis Spangenberg seinen Schützling.

„Was für ein Pferd!“, schwärmte Michael Nimczyk bei der Siegerehrung des ihm gewidmeten Rennens über Dulco di Quattro, der mit seiner ständigen Fahrerin Marlene Matzky im Sulky einmal mehr keinem Konkurrenten auch nur den Hauch einer Chance gelassen hatte. In der Tagesbestzeit von 14,3/1.900m lieferte der fünfjährige Wallach eine glanzvolle Vorstellung ab. Dulco di Quattro profitierte zudem von einem geradezu idealen Rennverlauf. Bereits kurz nach dem Start war der Matzky-Crack an vierter Stelle außen postiert und an der letzten Ecke lief der Braune grußlos an den Gegnern vorbei. Am Ende trennten ihn vier Längen von der zweitplatzierten Rosenstolz (Sarah Kube). Keine Frage: Dieses Pferd geht seinen Weg.

Die wohl klarste Angelegenheit des Abends war der Start-Ziel-Sieg von Evita Viking, die ihre Konkurrenten während des gesamten Verlaufs nie an sich heranließ. Und das, obwohl die Fünfjährige zuvor noch nie ein Rennen bestritten hatte und ihr Laufbahn-Debüt absolvierte. Ihr Trainer und Fahrer, der Österreichische Meister Gerhard Mayr, hatte sich bereits im Vorab-Interview sehr lobend über die auch vom Exterieur her ungemein überzeugende Love-You-Tochter geäußert. „Ich glaube, die Stute wird sich zu einem ganz tollen Pferd entwickeln. Wir haben mit ihr sehr viel Pech gehabt: Evita Viking war schon in der vorletzten Saison reif für den Beginn einer Rennkarriere. Dann hat sie sich leider verletzt. Daher mussten wir ihr erst einmal viel Zeit lassen, aber das scheint sich nun auszuzahlen.“

Auch für den bayerischen Spitzenfahrer Josef Sparber lohnte sich die weite Reise nach Berlin. Der Profi führte Astasia du Vivier auf die Ehrenrunde. Die Stute lag im Rennen stets an zweiter Stelle und griff den führenden Vigo Bes (Bernd Schrödl) im Schlussbogen an. Als der Pilot von den Beinen geriet und dabei einen Konkurrenten schwer behinderte, war der Weg für Astasia du Vivier frei und sie zog den Rest des Pensums souverän durch. „Ich glaube, dass die Stute viel Potential besitzt. Die entscheidende Frage war eigentlich nur, ob sie auf den Beinen bleibt oder nicht“, lobte Josef Sparber seinen Schützling bei der anschließenden Ehrung.

Der Bayerische Champion Josef Franzl fuhr natürlich auch mit einem Sieg nachhause. Der Sauerlacher trumpfte mit Samir auf, der seiner hohen Einschätzung als 16:10-Favorit überdeutlich gerecht wurde. Der vierjährige Hengst aus dem Besitz von Roger Wittmann, Alois Wegscheider und Hans-Ulrich Bornmann übernahm vor den Tribünen das Kommando geriet im weiteren Verlauf zu keinem Zeitpunkt mehr in Gefahr. „Wir werden Samir nun als nächstes für ein Rennen in Frankreich nennen. Ob er es mit seiner noch relativ geringen Geringsumme aber tatsächlich ins Starterfeld schafft, müssen wir zunächst abwarten“, erläuterte Josef Franzl die zukünftigen Pläne.

Gesamtumsatz: 124.359,02 Euro - Bahnumsatz: 32.387,80 Euro - Außenumsatz: 91.971,22 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 25. Januar statt (Beginn 13.30 Uhr). An diesem Tag steht neben den Rennen auf der Derby-Bahn natürlich auch der live aus Paris übertragene Prix d’Amérique im Mittelpunkt.

Foto von Marius Schwarz: Marlene Matzky (links) und ihre Schwester Linda nach dem Sieg mit Dulco di Quattro, zu dem auch der Deutsche Meister Michael Nimczyk gratulierte