Trabrennen in Berlin-Mariendorf 2015: Die Dreijährigen überzeugen

Heinz Wewering siegt mit Global Fun und Nikkei. Maik Esper triumphiert mit Fox Dragon und Colbert. Josef Franzl führt Say Goodbye zum ersten Erfolg der Rennkarriere.

Berlin, 21. Juni 2015. 

Es war eine One Horse Show: Der Sieg von Heinz Wewering und Global Fun (Foto) glich einer Demonstration. Die im Derby-Jahrgang hoch gehandelte Stute stand am Toto 10:10 und präsentierte sich wie eine Königin, denn schon in der Startphase stieß die Vierbeiner-Lady auf keine Opposition und die anderen Teilnehmer schienen sich vor der Topfavoritin ehrfürchtig zu verneigen. Global Fun übernahm von der Position eins aus sofort das Kommando – und damit war das Festmenü bereits gegessen. Keiner der Konkurrenten kam im weiteren Verlauf auch nur annähernd an die 15,7/1.900m trabende und mit zweieinhalb Längen Vorsprung siegende Jauß-Stute heran.

Einen ganz anderen Rennverlauf fand trotz seines guten Startplatzes Heinz Wewerings zweiter Sieger Nikkei vor. Denn der nicht unbedingt als schneller Beginner bekannte Hengst musste doch einiges tun, um eine knappe Runde vor dem Ziel die Spitze zu bekommen. Was dann aber folgte, war absolut überzeugend. Der genauso wie Global Fun für die Farben von Marion Jauß laufende Traber löste sich Ende des letzten Bogens spielerisch und trommelte die Tagesbestzeit von 14,0/1.609m auf die Mariendorfer Piste. Er gewann damit das Prestige-Duell gegen den ebenfalls für das Derby genannten Tokay (Gerd Biendl) deutlich, denn der Widersacher belegte hauchdünn hinter Arando (Daniel Wagner) nur Rang drei.

„Er wird mit jedem Tag besser!“, strahlte Maik Esper nach seinem Sieg mit Fox Dragon, der seine Gegner in 14,5/1.900 mit sieben Längen Vorsprung in Grund und Boden rannte und eine Klasse besser war als alle anderen. In der Startphase ließ es Esper mit dem Hengst noch ruhig angehen. Vor den Tribünen stürmte Fox Dragon dann aber im Rush an die Spitze und führte im weiteren Verlauf stets mit deutlichem Vorsprung. Der Dragon-Trotter rückt immer mehr in den engsten Kreis der Derby-Sieganwärter. Er wird im Buddenbrock-Rennen am 5. Juli mit Sicherheit eine scharfe Klinge schlagen. Leider keine Derby-Nennung besitzt dagegen Maik Espers zweiter Tagessieger Colbert, der sofort die Führung übernahm und in 15,2/1.900m um die Bahn flitzte. Der Wallach scheiterte im Mai und im Juni zwar an Galoppaden, scheint aber über eine gehörige Portion Schnelligkeit zu verfügen.  

Say Goodbye – das war in der Tat das Motto für den gleichnamigen von Josef Franzl gefahrenen und trainierten Hengst. Auf der letzten Gegenseite sagte der dreijährige Fuchs „Und Tschüss“ und sauste am gesamten Feld vorbei. Say Goodbye gewann in 17,5/1.900m mit Weile-Vorsprung – auf seinen bayerischen Besitzer Rolf Dürr kommen nun spannende Wochen zu. „Das war heute eine ausgezeichnete Leistung – aber es war nicht das Derby“, bremste Josef Franzl zwar den Optimismus. Dennoch ist unstrittig, dass dem von allen Experten hoch eingeschätzten Love-You-Sohn große Hoffnungen gelten. Say Goodbye wird daher natürlich am Buddenbrock-Renntag nach Berlin zurückkehren – ob der Hengst dann aber im Hauptlauf oder im Rahmenprogramm starten wird, ließ sein Trainer vorerst offen.

Dass sie genügend Laufvermögen hat, war bekannt: Und dennoch kam der Sieg der von André Pögel gesteuerten 234:10-Außenseiterin My Little Letty recht überraschend. Denn auch in ihrem Rennen waren einige starke Derby-Kandidaten engagiert. Doch die zwei Jahre ältere Stute ließ ihren jüngeren Konkurrenten nicht den Hauch einer Chance und gewann in 15,5/1.900m Start bis Ziel. Nach genau dem gleichen Schema und in annähernd der gleichen Zeit – nämlich 15,3/1.900m – kamen Halifax und Michael Larsen zum Erfolg und ließen der zweitplatzierten April Love (Jorma Oikarinen) keine Chance. Michael Larsen: „Der Sieg überrascht mich nicht, denn Halifax hatte in den letzten Wochen sehr gut gearbeitet.“   

Er ist überaus zuverlässig, präsentierte sich in dieser Saison aber noch nicht als ausgesprochener Siegertyp. Nun ging Rock of Gibraltar mit Andrea Lombardo aber auf die längst verdiente Ehrenrunde. Der Hengst zog das Tempo an der Spitze stramm durch und gewann völlig souverän. Der Sieg der erstmalig von Klaus Daust präsentierten Hatari Bes basierte auf derselben Taktik – die Stute wurde offensiv an die Spitze gesteuert und blieb bis zur Ziellinie vorne. Chantal Solhart stellte mit Luminara ihr feines Händchen unter Beweis. Mit der Jahresdebütantin, die in der letzten Saison einen der Stutenderby-Vorläufe gewonnen hatte, setzte die Amazone ganz auf das Finish und als das Feld im Einlauf breit auseinanderfächerte, erwies sich die Gigant-Neo-Tochter tatsächlich als das stärkste Pferd. 

Gesamtumsatz: 121.735,77 Euro - Bahnumsatz: 46.002,40 Euro - Außenumsatz:  75.733,37 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 28. Juni statt. Beginn ist um 13.30 Uhr.

Foto von Marius Schwarz