Trabrennen in Berlin-Mariendorf 2015: Der Tiger zeigt die Krallen

Michael Nimczyk gewinnt den Sommer-Pokal des VDT mit Montecore Mo. Der Goldhelm punktet außerdem mit Ginger Heldia und Maxwell PS. Dennis Spangenberg siegt mit Pandora Diamant und Lulu’s Girl  

Berlin, 28. Juni 2015. Manchmal muss man auch Glück haben – das war das Motto bei der Auftaktprüfung der Mariendorfer Sonntagveranstaltung. Denn bei seinem Sieg mit Pandora Diamant hatte Dennis Spangenberg, der später auch noch mit der spurtstarken Lulu’s Girl punktete, zweifellos die Göttin Fortuna auf seiner Seite. Der Berufsfahrer saß mit seiner Stute nämlich bis weit in die Zielgerade hinein an dritter Stelle rettungslos an der Innenkante fest. Doch als die vor ihm liegende Pilotin Velten New York (Michael Nimczyk) das Geläuf verlor und nach außen wich, war der Weg zum Erfolg urplötzlich frei. Nur gute zwanzig Minuten später verlief das Geschehen für beide Fahrer genau anders herum: Hier wäre Spangenberg mit dem führenden Duke Boshoeve der Sieg nicht mehr zu nehmen gewesen – doch als der Wallach im Einlauf nach einem Eisenverlust unvermittelt von den Beinen geriet, war die Lücke für Michael Nimczyks innen durchstoßenden 181:10-Außenseiter Maxwell PS frei.

Für den Goldhelm war das eine Art Initialzündung, denn der Deutsche Meister führte schon kurz darauf Ginger Heldia auf die Ehrenrunde. Hans Brockers Stallcrack gewann in der Tagesbestzeit von 13,8/1.609m. „Ich bin sehr stolz darauf, dieses tolle Pferd fahren zu dürfen“, strahlte Michael Nimczyk im Anschluss an den Start-Ziel-Sieg, der allerdings ohne das erwartete Duell mit Dukenightstar VS (Dennis Spangenberg) Realität wurde. Denn der von allen Experten als Topgegner gehandelte Kontrahent hatte keinen guten Tag erwischt. Der Wallach legte schon am Start einen kurzen Fehler ein, fand danach zwar zunächst noch in den Windschatten des späteren Siegers, hatte aber dann Ende des Schlussbogens endgültig genug.

Und auch in dem mit Spannung erwarteten Hauptrennen, das sogar im Mittelpunkt einer „Abendschau“-Kurzreportage des TV-Senders rbb – siehe hier – stand, fiel das prognostizierte Top-Duell gründlich ins Wasser. Denn der bei 11:10 gehandelte Harry’s Bar (Thorsten Tietz) zeigte ausnahmsweise nicht sein wahres Gesicht. Der Wallach kam bereits beim Start aus dem Band kurz vor den Beinen, legte gleich darauf einen weiteren Patzer ein und wurde schon nach einer halben Runde wegen unreiner Gangart disqualifiziert. Im Sulky von Montecore Mo, der nach einem weißen Tiger aus der legendären Show von Siegfried und Roy benannt wurde, hatte Michael Nimczyk daher leichtes Spiel. Der Vierbeinerstolz des Ehepaars Mommert setzte sich eingangs der ersten Gegenseite an die Spitze.

Nur Mitte der Zielgeraden, als Maik Esper und Andrew Dragon vehement angriffen, wurde es noch einmal interessant. Doch Montecore Mo (Foto) parierte die Attacke souverän. Der Wallach wich dabei zwar etwas nach außen, aber diese kurze Fahrspurveränderung war nach Meinung der Stewards nicht rennentscheidend. Michael Nimczyk: „Ich habe noch nicht einmal die Watte gezogen. Montecore Mo ist ein Pferd, das zu außergewöhnlichen Leistungen fähig ist. Der Wallach wird auch zukünftig viel von sich reden machen!“

Einer, der dies schon seit längerem tut, ist der Hengst Nileo. Der stets von seinem Trainer Josef Franzl gesteuerte Vierjährige war in seiner bisher zehn Starts umfassenden Rennlaufbahn achtmal siegreich und zweimal Zweiter. Zu der angesichts dieser Bilanz geradezu erstaunlichen Quote von 20:10 zeigte der vom Fleck weg offensiv vorgetragene Traber seinen Gegnern in 14,2/1.900m, wo der Hammer an der Stallwand hängt. Auch die von Oliver Müller vorgestellte Cardea bewies Offensivgeist, ging allerdings nicht ganz so schnell nach vorne. Die Aleo-Stute nahm das Zepter auf der Tribünengeraden in die Hand und blieb im Anschluss mühelos voraus. Völlig anders gestaltete sich der Sieg von Michael Schmid und Finnegan Bros. Beide entschieden ein Rennen, das von vielen Galoppaden und Disqualifikationen gekennzeichnet war, mit dem allerletzten Schritt für sich. Da hinter dem 117:10-Außenseiter nur wenig beachtete Pferde die weitere Reihenfolge bildeten, wurden weder die Zweier- noch die Dreierwette getroffen.   

Die Amateure waren in zwei der zehn Rennen gefordert. Die erste Prüfung ging an die von Werner Schnieder präsentierte 12:10-Topfavoritin Donna Kievitshof, die sich momentan in bärenstarker Verfassung befindet und von der Spitze aus stramme 14,7/1.900m auf die Mariendorfer Sandpiste trommelte. Das zweite Kräftemessen der Hobbyfahrer ging an Sarah Kube und Mighty Hanover. Und zwar nach einem exakt identischen Verlauf. Der immer gefestigter wirkende Wallach schoss sofort an die Spitze und hielt seine Verfolger völlig mühelos in Schach.  

Gesamtumsatz: 123.959,55 Euro - Bahnumsatz: 45.007,60 Euro - Außenumsatz:  78.951,95 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – der große Buddenbrock-Renntag – findet  am Sonntag, dem 5. Juli statt. Beginn ist um 13.30 Uhr. Im absoluten sportlichen Mittelpunkt stehen der mit 25.000 Euro dotierte Buddenbrock-Hauptlauf sowie der mit 12.500 Euro Preisgeld dotierte Stutenlauf.