Trabrennen in Berlin-Mariendorf 2014: Schon alles okay mit Rapido Ok?

 

Der Zuchtrennen-Sieger gibt nach einjähriger Pause das Comeback. Sein Trainer Josef Franzl und der Berliner Champion Thorsten Tietz läuten das Duell um den Silberhelm ein.

Sonntag, 16. November 2014 (Start des 1. Rennens um 14 Uhr / Beginn des BTV-Expertentalks auf German Trot TV bereits um 13.25 Uhr).

Neun Rennen, die es in sich haben! Die Berliner Veranstaltung am Volkstrauertag ist zum einen unvergessenen Aktiven gewidmet, zum anderen finden viele Mitmach-Aktionen für die treuen Mariendorfer Stammbesucher statt. Egal, ob als exklusiver Gast im Rennleitungs- und Begleitwagen, als Teilnehmer bei einer Doppelsulky-Fahrt, als Wettexperte beim kostenlosen Tippspiel oder als Beobachter im Zielturm: Für die Zuschauer, die zudem einige Siegerehrungen persönlich vornehmen, ist beste Unterhaltung garantiert. Richtig bunt wird es auch auf der neuen Mariendorfer Highspeed-Piste zugehen. Denn sämtliche Tagesprüfungen, die durch Garantieauszahlungen, Jackpots und Prämien in Gesamthöhe von 22.000 Euro zusätzlich aufgewertet werden, sind mit interessanten Startern bestückt. Vor allem in den unteren Gewinnsummenklassen schälen sich neue Siegertypen heraus. Aber keiner von ihnen darf sich auf einen beschaulichen Spaziergang freuen – denn es sind stets ernsthafte Gegenspieler vorhanden, die ihnen das Leben schwer machen wollen.

Ein besonderes Augenmerk ruht auf Rapido Ok, der mit seinem Trainer Josef Franzl im 9. Rennen antritt. Ein Pferd mit vorzüglichem Ruf, von dem sein gesamtes Umfeld vom ersten Tag an begeistert war. Als Youngster rechtfertigte der überaus elegante Hengst diese Wertschätzung prompt mit Erfolgen im Preis des Winterfavoriten und im Jugend-Preis. Doch dann kam urplötzlich Sand ins Getriebe. Josef Franzl: „Rapido Ok war gesundheitlich nicht in Ordnung und es begann eine endlose Odyssee von einem Tierarzt zum anderen. Jeder der Experten hatte zwar eine individuelle Erklärung parat – aber keine ihrer Ursachenerforschungen erbrachte irgendeinen Fortschritt. Der Hengst wurde sogar von schwedischen Veterinären untersucht, aber auch diese Maßnahme bewirkte keine Besserung. Wir waren völlig ratlos. Egal was unternommen wurde: Rapido Ok litt stets an einer Lahmheit.“

Erst eine intensive Magnetfeld-Therapie brachte den Durchbruch. Josef Franzl: „Es war ganz erstaunlich – wir spürten schon nach wenigen Tagen die gravierenden positiven Veränderungen bei Rapido Ok. Der Hengst war endlich beschwerdefrei und ist nun seit zwei Monaten wieder im Volltraining.“ Die deutliche Verbesserung seines Allgemeinbefindens lässt jetzt natürlich wieder alte Hoffnungen und Erwartungen bei den Besitzern und dem Stallteam des Hengstes aufleben. Josef Franzl: „Rapido Ok steht vom Können her klar über seiner aktuellen Gewinnsumme, die nicht annähernd sein wirkliches Potential ausdrückt. Er hätte bei seiner Wiederqualifikation in Straubing mit Sicherheit eine deutlich schnellere Kilometerzeit erzielen können, wenn ich das beabsichtigt hätte.“

Doch obwohl diese Leistung sehr ansprechend war, weiß Franzl genau, dass beim Comeback noch viel Kondition fehlen wird: „Das Wichtigste ist, dass es Rapido Ok endlich wieder gut geht. Er hat sehr überzeugend gearbeitet, aber ich rechne nicht auf Anhieb mit einem Sieg. Der Hengst wird vermutlich noch zwei, drei Rennen brauchen, um wieder ganz zu sich selbst zu finden.“ Falls der Braune also noch Defizite hat, wird vor allem Nu I Nu (Michael Nimczyk) daraus Kapital schlagen. Auch in der Rennlaufbahn des Love-You-Sohnes verlief nicht alles reibungslos. Doch dass der Wallach eine gehörige Grundschnelligkeit besitzt, bewies sein letzter Start bei der Breeders-Crown-Entlastung, als er – nach einem frühen Fehler bereits disqualifiziert – quasi außer Konkurrenz kräftig mitmischte. Zatopek Dragon (Maik Esper) und der vom Berliner Champion Thorsten Tietz präsentierte Remo Petral gehören ebenso auf den Schein.

Stichwort Thorsten Tietz: Der in unmittelbarer Nachbarschaft der Mariendorfer Rennbahn lebende Profi besitzt am Sonntag bei allen seiner sieben Starts ausgezeichnete Siegchancen. Und er muss in der Tat auch zügig punkten, wenn er in dieser Saison den Ehrenrang in der Meisterschaftswertung der Berufsfahrer erneut erfolgreich verteidigen will. Denn beim Kampf um den Silberhelm scheint alles auf ein spannendes Duell zwischen ihm und Josef Franzl (Stand aktuell 85:76 für den Bayerischen Champion) hinauszulaufen. Für den seit Wochen in großartiger Form agierenden Tietz müssen also unbedingt Siege her – und gleich in den ersten drei Prüfungen der Veranstaltung ist nacheinander mit Cassiopeia Blue, Imperial Corner sowie Speedy Rapide einiges für ihn drin.

Im 4. und 5. Rennen ist Tietz ausnahmsweise nicht dabei, aber ab der sechsten Tagesprüfung geht es munter für ihn weiter. Und zwar mit Saskatchewan, der in Italien aufwuchs wurde und in diesem Sommer in Jägersro in sensationellen 13,6/1.640m um die Kurven sprintete. Nach seinem Wechsel in die Hauptstadt folgten drei Siege an der Strippe und angesichts dieser Bilanz ist der dreijährige Hengst selbst für Gegner wie Moonchild (Jorma Oikarinen), Amicellina (Josef Franzl), Hella (Dennis Spangenberg), Bavaria Blue (Michael Nimczyk) und Antano (Heinz Wewering) eine überaus harte Nuss. Er wird die Favoritenrolle tragen und Thorsten Tietz wird die Aufgabe sicherlich mit offensiver Taktik angehen.

Im 7. Rennen wird der Deutsche Vizemeister eher aus der geschützten Deckung heraus operieren – nicht zuletzt, weil sein Fuchswallach Il Lamborghini als einziger Teilnehmer mit einer Zulage bedacht ist und außerdem die an der 2.000-Meter-Grundmarke aufgestellten Andersson Mo (Michael Nimczyk), New Generation (Heinz Wewering) und Chatain (Daniel Wagner) allesamt mächtige Kaliber sind. Das Rennen ist einer der Höhepunkte des Mariendorfer Nachmittags – Thorsten Tietz wird hier wohl eher auf ein Platzgeld lauern. Aber gleich danach geht es für ihn dann mit Emma F Boko (8.R), die sich mit Luminara (Heinz Wewering) und Raquel Welsh (Michael Nimczyk) auseinandersetzen muss, erneut um alles oder nichts. Von den Papierformen der Pferde her spricht jedenfalls vieles dafür, dass Tietz am Sonntag in der bundesdeutschen Wertung Boden auf Franzl gutmachen wird, während der aktuell an vierter Stelle liegende Maik Esper (71 Saisonsiege / alle Angaben beziehen sich auf den Stand vom 11. November) mit seinen drei Startern diesmal eher Außenseiter ist und ein wenig den Anschluss verlieren könnte.  

Unsere Tipps:

1. Cassiopeia Blue – Helene Ass – Tiraldina

2.Imperial Corner – Amundsen Mo – Good for Business  

3.Iamtheredone – Speedy Rapide – Theodor Fontane

4.Mon Cherie Ass – Runaway Victory – Enrico di Quattro  

5.Aggetto – Vigo Bes – Ede Flevo – Nuit d’Amour

6.Saskatchewan – Moonchild – Amicellina  

7.Andersson Mo – New Generation – Chatain

8.Emma F Boko – Luminara – Raquel Welsh

9.Nu I Nu – Rapido Ok – Zatopek Dragon  

Foto von Marius Schwarz: Thorsten Tietz mit Emma F Boko