Trabrennen in Berlin-Mariendorf 2014: Fast wie eine zweite Weihnachtsbescherung

 

Mariendorf lockt mit einer Prämienausspielung im Wert von 15.000 Euro! Hauptgewinn ist ein Renault Twingo. Dazu gibt es Jackpots und Garantieauszahlungen in Höhe von 20.000 Euro. Das sportliche Programm hat ebenfalls Fest-Charakter: Im Mittelpunkt stehen die Championats-Entscheidungen, der hochdotierte Winterpokal der Amateure und vier PMU-Prüfungen.

28. Dezember 2014 (Start des 1. Rennens um 15.25 Uhr). Wenn sich die Pferde am kommenden Sonntag hinter dem Mariendorfer Startwagen versammeln, dann ist das Weihnachtsfest im strikten Sinne zwar beendet – aber die Veranstaltung auf der Derby-Bahn ist dennoch ein weiterer Feiertag. Zum einen, weil das Zehn-Rennen-Programm vollgepackt ist mit absoluten sportlichen Highlights. Und zum anderen, weil es in der Prämienausspielung u. a. um einen Renault Twingo (EZ 09/14) im Wert von 11.200 Euro geht – es gibt also quasi eine zweite Weihnachtsbescherung. Des Weiteren werden Wettgutscheine, Spielbank-Pakete, Candlelight-Dinner, Brunch- und Hotelcoupons verlost. Garniert wird das Ganze mit Jackpots und Garantieauszahlungen in Höhe von 20.000 Euro.

Es geht gleich vom Fleck weg mit Vollgas los, denn die beiden mit jeweils 3.000 Euro dotierten Vorläufe zum Winterpokal der Amateure werden als erstes und zweites Rennen ausgetragen, während das Finale um 7.000 Euro Preisgeld als sechste Tagesprüfung entschieden wird. Beim Auftakt richten sich alle Blicke auf Floh G und Werner Schnieder. Hopp oder top: Wohl auf kaum einen Traber trifft diese Devise besser zu als auf den vierjährigen Fuchs aus dem Besitz von Dirk Grusdas. Rein vom Laufvermögen her werden ihn selbst erstklassige Gegner wie Viking’s Star (Thomas Maaßen) und Salander (Frank Eickmann) nicht gefährden können. Aber die große Frage ist, ob das Nervenkostüm des Wallach in der Startphase mitspielt oder nicht. Bei der erfolgreichen Generalprobe vor zwei Wochen übernahm Werner Schnieder mit Floh G sofort die Tête – aber die offensive Vorgehensweise entwickelte sich nicht aus taktischen Überlegungen heraus, sondern alles geschah eher ungewollt. Denn der schwierige Fuchs war auf den ersten Metern des Rennens schlichtweg nicht zu bändigen.

Man sollte also für den richtigen Wett-Tipp alle Szenarien durchspielen und die Möglichkeit, dass Floh G „abhebt“, durchaus in Betracht ziehen. Auch im zweiten Vorlauf gibt es einige Eventualitäten: Let’s Win zum Beispiel präsentierte sich bei seinen beiden Siegen mit Maik Esper wie ein Pferd von einem anderen Stern. Zuletzt stürmte der Hengst aus schier unmöglicher Position heraus am gesamten Feld vorbei und gewann ein Rennen, das eigentlich längst verloren war. Man kann diese Leistung gar nicht hoch genug einstufen. Aber in den Monaten zuvor war der Vierjährige mit seiner Besitzerin Dr. Marie Lindinger, die nun wieder die Fahrleine des Dunkelbraunen in ihre Hände nimmt, nur ein Schatten seiner selbst. Dürfen die Freunde einer gepflegten Wette also wirklich das gesamte Vertrauen in den Hengst setzen? Fakt ist: Es wird eine hammerharte Aufgabe für Let’s Win, denn der Traber trifft auf exzellente Konkurrenten. Rayman (Sarah Kube) war bei seinem letzten Auftritt drückend überlegen und verfügt gemeinsam mit Dulco di Quattro, der mit der jungen Amazone Marlene Matzky perfekt harmoniert, über die schnellste Rekordmarke aller Vorlaufsteilnehmer. Auch die von ihrem neuen Besitzer Kurt Pletschacher vorgestellte Lilly Ass gehört in alle Überlegungen. Denn bei ihrem letzten Start lag die Fuchsstute Ende des Schlussbogens mit Weile-Vorsprung vor dem Feld, als sie aus dem Takt geriet und disqualifiziert wurde.

Beim Berliner Saisonfinale stehen aber nicht nur die Amateure, sondern naürlich auch die Profis im besonderen Mittelpunkt. Denn beim Kampf um das Mariendorfer Bahnchampionat der Berufsfahrer kündigt sich ein regelrechtes Wimpernschlag-Finish zwischen dem Titelverteidiger Thorsten Tietz und seinem Herausforderer Michael Nimczyk an. Der Letztgenannte hat sich bis auf zwei Zähler an den Lokalmatador herangekämpft. 36:34 für Thorsten Tietz lautet der aktuelle Stand. Und es ist noch alles offen: Dass Michael Nimczyk, der zuletzt im Jahr 2009 Mariendorfer Meister wurde, noch an seinem Widersacher, der die Rangliste auf der Derby-Bahn seit 2012 anführt, vorbeizieht oder zumindest den Ausgleich schafft, ist alles andere als ausgeschlossen. Allein schon von den zahlenmäßigen Voraussetzungen her – Nimczyk steigt am Sonntag nämlich sechsmal in den Sulky, während sein Gegenspieler Tietz nur an den als PMU-Rennen ausgetragenen Prüfungen 7-10 teilnimmt.

Beide Kontrahenten bringen starke Pferde an den Ablauf. Nimczyk darf sich besonders mit Outsider Diamant (4.R.), Vincent Mo (5.R.), Amundsen Mo (7.R.), Alighieri Mo (8.R.) und Needyou Diamant (10.R.) einiges ausrechnen. Tietz’ beste Chancen ruhen auf Cassiopeia Blue (8.R.), Emma F Boko (9.R.) und Remo Petral (10.R.). Nimczyk scheint also einen Tick stärker aufgestellt zu sein – und dass häufig das Kürzel „Mo“ des Rennstalls von Ulrich Mommert in den Namen seiner Starter auftaucht, hat noch einen wichtigen Nebeneffekt. Denn der Mariendorfer Bahneigentümer, der drei weitere seiner Pferde am Sonntag obendrein dem prominenten skandinavischen Stargast Jörgen Sjunnesson anvertraut hat, liegt in der Besitzer-Wertung zwar noch knapp hinter Hans-Joachim Kleemanns Stall Preussen zurück, kann den Spieß aber mit einem guten Ergebnis umbiegen. Es wird also auch in dieser Championats-Rubrik mächtig spannend. Einige andere Mariendorfer Meister stehen dagegen schon fest: Dirk Grusdas (erfolgreichster Trainer) Joana Klein (siegreichste Trabreiterin) und Philipp Caternberg (bester Nachwuchsfahrer) sind die Titel nicht mehr zu nehmen. Ein vierbeiniger Akteur, nämlich Vulkan, ist ebenfalls schon im Ziel: Der Stallcrack des Ehepaars Ruth und Eberhard Thees ist der Mariendorfer Traber des Jahres 2014.

Unsere Tipps:

1.Floh G – Viking’s Star – Salander

2.Let’s win – Rayman – Dulco di Quattro

3.Uvea – Arando – Nemo

4.Outsider Diamant – Andrew Dragon – Edina

5.Vincent Mo – My Little Letty – Kidney Lobell – My Pearl

6.Finale zum Winterpokal der Amateure

7.Amundsen Mo – Urendo Way – Puntabianca

8.Good man – Cassiopeia Blue – Enrico di Quattro

9.Emma F Boko – Rovere Holz – Julius Southwind – I Walk The Line

10.Spicy A. – Donna Kievitshof – Needyou Diamant

Foto von Marius Schwarz: Floh G und Werner Schnieder