Trabrennen in Berlin-Mariendorf 2013: Peter Strooper sahnt mit Andriy Fortuna ab

 

Der niederländische Profi gewinnt das trotto.de „100 Jahre Mariendorf“-Rennen. Die Trials zum St. Leger und zum Preis des Winterfavoriten gehen an Michael Nimczyk und Roland Hülskath.  

Mariendorf, 29. September 2013

„Aus Athleten werden Raketen!“ Dieses Motto galt nicht nur für den im Rahmenprogramm ausgetragenen „Heimbs Kaffee Cup“, sondern für die gesamte Mariendorfer Veranstaltung. Rund 60.000 Euro Preisgeld wurden in den zwölf Prüfungen an die schnellsten Sulkygespanne verteilt und die komplette bundesdeutsche fahrerische Spitze war in Berlin zu Gast. Der wertvollste Sieg ging aber an einen Niederländer: Peter Strooper gewann das von trotto.de gesponserte und mit 25.000 Euro dotierte Mariendorfer Geburtstagsrennen mit dem sechsjährigen Hengst Andriy Fortuna.

Der über die Distanz von 2.000 Metern in der Kilometerzeit von 1:15,9 min erzielte Erfolg war eine glasklare Angelegenheit. „Andriy Fortuna musste zwar einen ungünstigen Rennverlauf bewältigen – aber er hat seine Sache sehr gut gemacht“, lobte Strooper seinen Schützling bei der Ehrung. In der Tat: Es war schon ein gewaltiges Pensum, was der Sohn der vierzehnmaligen Siegerin Nikita Fortuna und des US-Vererbers SJ’S Photo abzuleisten hatte. Denn Andriy Fortuna war aus dem ersten Band nur sehr zögerlich eingetreten. Die Anfangsphase des Rennens verlief ohnehin chaotisch, denn Maik Esper zog mit Eckstein viel zu früh nach unten und brachte Ygold van Ranum (Michel Rothengatter) und Going As (Josef Franzl) grob von den Beinen – ein dreiwöchiges Fahrverbot für ihn die Konsequenz.

In dem durch diese Turbulenzen weit auseinander gerissenen Feld musste Andriy Fortuna also zunächst einmal Boden gut machen und wurde von Strooper sofort offensiv in die Außenspur geschickt. Der Hengst kam zu keinem Zeitpunkt mehr aus dieser Lage weg. Umso erstaunlicher war es, dass der Sechsjährige nie eine Schwäche zeigte. Im Gegenteil, er lief ausgangs des Schlussbogens grußlos an Shali’s Alesi (Roman Spengler) vorbei, der nach ständiger Führung total unterging. Andriy Fortuna besaß rasch den entscheidenden Vorteil und auch die mit zwanzig Meter Zulage bedachten und ihm unterwegs wie ein Schatten gefolgten „Geldschränke“ Unforgettable (Arnold Mollema) und Odessa Santana (Michael Schmid) konnten den Spieß nicht mehr umdrehen. Nur hauchdünn dahinter landete Abano Boy (Heinz Wewering) auf Rang vier. Der Hengst, der beim Eindrehen aus dem Band überhaupt nicht auf die Beine gefunden und viel Boden verloren hatte, war der Pechvogel des Rennens – angesichts der starken Leistung, die er im Anschluss gezeigt hat, wäre bei einem besseren Start fraglos der Sieg für ihn möglich gewesen.

Neben dem Geburtstagsrennen bildeten drei hochdotierte Trials die Höhepunkte des Nachmittags. Michael Nimczyk gelang dabei ein besonderes Kunststück, denn er gewann sowohl den Haupt- wie auch den Stutenlauf des St.-Leger-Trials. „Sie hat sich überaus brav verkauft“, strahlte der kommende Goldhelm nach seinem Sieg mit Raquel Welsh bei den Ladies. Die von ihrem Besitzer Dr. Karl-Hermann Behrens aus der hervorragenden Donna Vera (65.279 Euro Gewinnsumme) gezüchtete Dreijährige musste es nur mit vier Konkurrentinnen aufnehmen. Nimczyk begnügte sich eine Runde lang mit der zweiten Position und dirigierte seinen Schützling dann entschlossen nach vorne. Raquel Welsh geriet nicht mehr in Gefahr und parierte auch den feinen Schlussangriff von Speedy Rapide (Roland Hülskath) souverän.

Der Hauptlauf wurde dann im Anschluss zu einem Volltreffer für den Stall von Ulrich Mommert, denn Nimczyk führte SJ’s Victor aus dem Lot des Mariendorfer Bahneigentümers zu einem völlig überlegenen Drei-Längen-Sieg. Der ursprünglich auch für das Derby vorgesehene Hengst legte einen fulminanten Zwischenspurt auf der letzten Gegenseite hin und hatte sofort alles unter Kontrolle. Auch der fein spurtende Yarrah (Thomas Panschow) konnte daran nichts mehr ändern. Für Ulrich Mommert, dem in dieser Woche der Verdienstorden des Landes Berlin für sein Engagement um den Erhalt der Mariendorfer Bahn überreicht wird, war es ein gelungener Tag. Ganz anders erging es dagegen Helmut Biendl. Sein Schützling Wirbelwind verursachte nämlich wirklich einen gewaltigen Wirbel – der völlig ungebärdige und nicht zu kontrollierende Hengst katapultierte Don Kievitshof (Thomas Kooyman) aus dem Rennen. Biendl kassierte dafür ein vierzehntägiges Fahrverbot.

„Es hat noch sicher gereicht – die Stute ist ja erst zweijährig und ich wollte ihren Speed nur einmal einsetzen“, beschrieb Roland Hülskath seine Taktik nach dem Sieg mit Aint she sweet beim Trial zum Preis des Winterfavoriten. Ein Vortrag mit sehr viel Vertrauen – denn der Deutsche Meister ließ sich mit der ganz am Schluss des Feldes postierten Braunen geradezu aufreizend lange Zeit. Noch zu Beginn der Zielgeraden sah Breitling (Maik Esper) wie der sichere Sieger aus – doch aus einem vollen Erfolg für den Berliner Stall Living Dream wurde es doch nichts, denn die für die Farben von Marion Jauß laufende Aint she sweet zog in unwiderstehlicher Manier vorbei. Eines ist nach dieser Glanzvorstellung sicher: Die riesige Aufmerksamkeit, die der Stute aufgrund ihrer herausragenden Abstammung zuteil wird, ist vollauf gerechtfertigt. Die kleine Schwester der Derby-Sieger Abano As und Ambassador As wird ihren Weg gehen.

Die Tagesbestzeit von 15,3/1.900m erzielte der von Thorsten Tietz präsentierte Kalido. Der Berliner Champion hatte den Love-You-Sohn ausgangs des Rosenhofbogens an die Spitze geführt und der Vierjährige spulte sein Pensum aus dieser Position problemlos herunter. Ein glänzender Auftakt für Tietz, der sich auch im Anschluss nicht lumpen ließ – denn der Silberhelm legte mit zwei weiteren Siegen kräftig nach. Harry’s Bar ging im ersten Bogen nach vorne und war eine ganze Klasse besser als der Rest. Das dickste Ausrufezeichen verdiente aber Tietz’ dritter Tagestreffer, erzielt durch den vom Start weg autoritären Calypso H. Der noch ungeschlagene Fuchs wies gewiss nicht schlechte Gegner derartig überlegen ab, dass man auf seine weitere Entwicklung mächtig gespannt sein darf. Das Gleiche gilt für den mit Maik Esper siegreichen Let’s Win. Der dreijährige Hengst legte zunächst einen Sicherheitsstart hin, entfachte dann aber Ende der Gegenseite ein wahres Feuerwerk und präsentierte sich bei seinem Triumph wie entfesselt. Der Wieserhof-Hengst wird zukünftig wohl auch auf höchstem Niveau ein Wörtchen mitreden.

Spektakulär war zudem das Monté, denn die erst 16-jährige Saskia Krause bewies erneut, dass sie eine wahre Teufelsreiterin ist und riesiges Talent besitzt. Die Amazone blieb mit Evita in bärenstarken 15,5/1.609m Start bis Ziel vor ihren Gegnerinnen. Der von Gerd Biendl vorgetragene Disney As ließ sich dagegen länger Zeit, rückte seinen Konkurrenten erst im Schlussbogen auf den Pelz und setzte sich im Einlauf spielerisch ab. Klaus Daust punktete für die Pögel-Farben mit Grand Ass und nutzte dabei die missliche Lage der völlig eingesperrten Donna Kievitshof (Maik Esper) aus, der am Ende nur Rang drei blieb. Auch Michael Hamann und Trine Simoni profitierten von den Fehlern der Favoriten und zogen auf der Schlusshalben überlegen auf und davon.    

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 115.775,02 Euro – Bahnumsatz: 42.279,00 Euro – Außenumsatz: 73.496,02 Euro

Die nächste Veranstaltung findet am Sonntag, dem 6. Oktober statt. Beginn ist um 13.30 Uhr!