Trabrennen in Berlin-Mariendorf 2013: Josef Sparber macht den Favoriten nass

 

Der Profi führt den 625:10-Außenseiter Olton Stuka zum Sensationssieg

Mariendorf, 7. April 2013. Das erste Mariendorfer Trabrenn-Jahrhundert klang mit einer Toto-Sensation aus: Denn das „Frei für Alle“ wurde nicht zur Beute des Topfavoriten Gaius R.A. (14:10) und seines Trainers Daniel Wagner, sondern der von Josef Sparber präsentierte 625:10-Riesenaußenseiter Olton Stuka schnappte den Siegpreis weg.

Dabei hatte noch bis zur Zielgerade alles ganz erwartungsgemäß ausgeschaut, denn Gaius R.A. fand auf der langen 2.500-Meter-Strecke trotz seiner Zulage einen Traumverlauf vor. Daniel Wagner hatte seinen Schützling rasch an die zweite Stelle innen gesteuert. Der Hengst konnte in dieser Idealposition eine ganze Runde lang verharren und erst Mitte der letzten Gegenseite ergriff Daniel Wagner dann die Initiative. Gaius R.A. übernahm die Spitze und für den Favoriten schien alles in trockenen Tüchern zu sein. Doch im Einlauf schmolz der Vorsprung plötzlich wie Butter in der Sonne dahin – Josef Sparber, der mit Olton Stuka unterwegs an vierter Stelle gelegen hatte, trat auf das Gaspedal und nicht nur sein in Italien gezüchteter Wallach, sondern auch der bei 178:10 gehandelte Sugar Max (Edelbert Ohmer) schob sich in 17,3/2.500m an Gaius R.A. vorbei.

Im Stall Wagner begann nach dem Rennen das große Rätselraten. Der zweimalige Berliner Champion: „Gaius R.A. war heute nicht das Pferd, das ich kenne. Obwohl alles optimal für ihn lief, hat er mich in keiner Phase überzeugt. Sicherlich – das Tempo an der Spitze war nicht gerade langsam. Aber normalerweise steckt der Hengst so etwas problemlos weg und zieht noch nicht mal seine Nase krumm. Diesmal hat er nach dem Rennen jedoch stark gepustet. Ich vermute, dass Gaius R.A. eine Erkältung oder Infektion ausbrütet – deswegen lassen wir sofort das Blutbild untersuchen, um der Sache auf den Grund zu gehen.“

Ratlos blieb aber nicht nur das Team Wagner zurück – sondern auch diejenigen Wettliebhaber, die bisher noch nicht die PLACE ausprobiert hatten, mussten verdutzt die Köpfe schütteln. Denn nicht nur im Hauptrennen gab es mit 332:10 für Olton Stuka und 110:10 für Sugar Max sensationelle PLACE-Quoten, sondern auch in den anderen Prüfungen schoss die neue Wette den Vogel ab. Das wohl hervorstechendste Beispiel war der Volltreffer von Okidoki, die mit ihrem Trainer Heiner Christiansen einen bärenstarken Auftritt hinlegte und trotz Rennens in der Außenspur nicht zu stoppen war. Denn nach der Zieldurchfahrt leuchteten für die Stute 31:10 auf Sieg, aber sogar 90:10 auf PLACE an der Anzeigetafel auf! Und das war durch die Bank so. Die niedrigste PLACE-Quote des Tages in Höhe von 11:10 wurde zwar auf den im Vorfeld schon für unverlierbar gehaltenen Lets Win und seinen Trainer Maik Esper ausgezahlt. Das war aber die einzige Ausnahme. Denn ansonsten ging mit der PLACE nicht nur beim Ehrenrang von Just Like You (Andreas Marx), für den es 199:10 gab, sondern auch in allen anderen Rennen mit Quoten im hohen zwei- und dreistelligen Bereich die Post ab!

Doch zurück zum sportlichen Geschehen: Thorsten Tietz glänzte mit einem Doppelerfolg durch Michigan Venus, den er auf der letzten Gegenseite mit Schwung in die Schlacht geworfen hatte und der zur Tagesbestzeit von 15,8/1.900m stürmte, sowie durch Vic Timberlake, der die Führung bereits auf der Tribünengeraden übernahm. Rolf Hafvenström gelang ebenfalls ein Doppeltreffer. Jaqueline legte nach einem geschonten Rennen gleich beim ersten Lebensstart die Maidenschaft ab und auch Blueberry Santana profitierte von der klug eingeteilten Taktik ihres Trainers.

Die in Italien gezüchtete Radiosa Gual münzte ihren ersten gemeinsamen Auftritt mit Andreas Geineder prompt in einen Erfolg um. Der bayrische Amateur hielt die Uronometro-Tochter unterwegs clever an der Innenkante versteckt und als die Stute auf der Gegenseite kampflos in Front kam, stiefelte sie ihr Tempo eisern herunter. Camira LO schlug auf eine andere Art und Weise zu: Ihr Fahrer Günther Schiefelbein warf den Speed der Stute erst beim Einbiegen auf die Zielgerade mit Macht in die Waagschale und die Sechsjährige zog in guter Manier bis zur Linie durch.      

Vivo per Lei und Christian Zimmermann gelang nach ihrem kürzlichen Karlshorster Treffer der zweite Erfolg hintereinander – und das zu einer übertrieben hohen Siegquote von 235:10. Das Gespann profitierte von der Galoppade des 14:10-Favoriten Klasido (Heinz Wewering), der eingangs der Zielgerade mit einem Reifenschaden ausgefallen war. Deutlich mehr als nur einen Ausfall gab es beim Trabreiten, das einem sportlichen Trauerspiel glich. Das galt zwar nicht für die von Cathrin Nimczyk gerittene Siegerin Giggi, die ihren vierten Erfolg en suite mit riesigem Vorsprung erzielte. Aber hinter dem zweitplatzierten Russel Sambuca (Joana Klein) war der Rest Schweigen – alle anderen sechs Teilnehmer wurden disqualifiziert.

Die bei frühlingshaftem Wetter durchgeführte Veranstaltung beendete das erste Jahrhundert der Mariendorfer Trabrenngeschichte. Denn die am 9. April 1913 eröffnete Derby-Piste startet nun in die nächste Epoche, die von diversen Jubiläums-Hightlights beherrscht sein wird. Es hätte ein absolut perfekter Tag werden können – doch leider hatte sich ein dunkler Schatten über den Nachmittag gelegt. Denn die 31-jährige Amazone Sandra König wurde beim Heatfahren von ihrer auskeilenden Stute Nalinas Flashlight schwer am Kopf getroffen und musste umgehend in die Klinik gebracht werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass die überaus sympathische und in ihrer ganzen lebensfrohen Art stets optimistische und alles überstrahlende Berlinerin so schnell wie möglich wieder gesund wird.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 115.739,74 Euro – Bahnumsatz: 33.912,00 Euro – Außenumsatz: 81.827,74 Euro

Die nächste Veranstaltung findet am Montag, dem 15. April statt. Beginn ist um 18.30 Uhr!