Trabrennen in Berlin-Mariendorf 2013: Drei Doppelsieger und ein strahlender Gerhard Mayr

Der österreichische Goldhelm überzeugt mit Istogramma SAS.

Daniel Wagner, Thorsten Tietz und Michael Nimczyk punkten zweifach.

Die weite winterliche Reise von Österreich nach Berlin war strapaziös – und dennoch war seine Stimmung bestens. „Heute hat mir der Fuchs richtig gut gefallen“, strahlte der Austria-Goldhelm Gerhard Mayr nach dem Triumph mit Istogramma SAS. Der Meisterfahrer hatte in der Tat allen Grund, mit der Leistung seines Hengstes zufrieden zu sein, denn Istogramma SAS beherrschte seine Gegner, wie er wollte. Natürlich kam auch der Rennverlauf dem mittlerweile bei stolzen 134.125 Euro Gewinnsumme angelangten Diamond-Way-Sohn entgegen. Denn im Rücken von Perl’s Fortune (Gerd Biendl), der unterwegs die Außenspur angeführt hatte und dann Ende der Gegenseite nach vorne gezogen war, fand Istogramma SAS alles passend vor. Der Hengst ging im Einlauf problemlos an seinem Gegner vorbei.

Die Mariendorfer Afterwork-Party, bei der vor allem in der PLACE-Wette schier unfassbare Quoten bis hin in den dreistelligen Bereich für chancenreiche Mitfavoriten heraussprangen, hatte mit einem Finishkrimi begonnen, der unter Beweis stellte, wie spannend Trabrennsport sein kann. Chou Chou Boshoeve, die von Thorsten Tietz auf der ersten Tribünengeraden in Front beordert wurde, kämpfte mit dem außen angreifenden Pretty Ripped (Daniel Wagner) die gesamte Zielgerade herunter um den Sieg – und obwohl die Stute hundertfünfzig Meter vor dem Pfosten schon eine Niederlage einzustecken drohte, riss sie das Ruder mit enormen Einsatz wieder herum.

Der zweite Tagestreffer gelang Thorsten Tietz dann mit Tragedien. Der französische Wallach fand im Bänderstartrennen von der Grundmarke aus blitzschnell auf die Beine und hatte sich schon einen großen Vorsprung herausgearbeitet, als das Teilnehmerfeld das erste Mal vor die Tribünen kam. Auf der Schlusshalben kam zwar auch der Stallgefährte Tom for you (Maik Esper) besser ins Bild. Aber für einen ernsthaften Angriff reichte es nicht – denn Tragedien stand sein Pensum überzeugend durch.

Dass Gaius R.A. schon seit langem zu den besten Berliner Pferden gehört, ist eigentlich kein Geheimnis. Unter der Regie seines neuen Trainers Daniel Wagner hat der Stall-Aleo-Crack aber noch einmal einen Leistungssprung nach vorne gemacht. Daniel Wagner versteckte sich mit dem 35:10-Mitfavoriten schon in der Startphase nicht und der Hengst beherrschte das Rennen in der Tagesbestzeit von 15,0/1.900m so klar, dass er sich auf den letzten Metern sogar deutlich vom Feld absetzen konnte. Nur Herana (Maik Esper), die erst zu Beginn des Einlaufs freikam, konnte den Abstand noch etwas verkürzen.

„Was der große Bruder kann, das kann ich auch“, muss wohl Apollon gedacht haben, der ebenso wie Gaius R.A. aus der Lina Trotting stammt und Daniel Wagner den zweiten Siegpunkt bescherte. Auch wenn es vom Tempo her in 17,0/1.900m etwas langsamer zuging als beim Triumph seines prominenten Verwandten, so war die Manier doch sehr gefällig. Als Lovely Siwa (Heiner Christiansen) im Rosenhofbogen in Führung liegend ansprang, kam Apollon kampflos in Front und gab das Heft nicht mehr aus der Hand.

Michael Nimczyk war der dritte Doppelsieger des Abends und er setzte mit den von Thomas Heinzig trainierten Pferden des Rennstalls Ulrich Mommert ein ganz dickes Ausrufezeichen. Das alles zu überaus lukrativen, wenn nicht sogar übertrieben hohen Odds. Der Bronzehelm punktete zunächst mit Eddy Titan (73:10), der eine Runde vor dem Ziel die Führung übernommen hatte, einmal mehr alles gab und unermüdlich rackerte. Der Charakter des Wallachs ist vorbildlich und in jeder seiner Bewegungen drückt sich seine Tapferkeit und ein nie enden wollender Fleiß aus.

Zu welchem Lob soll man aber greifen, um die Leistung der gleich im Anschluss mit Nimczyk siegreichen May Girl (92:10) zu beschreiben? Die Stute, die früher eine reine Mitläuferin war und kaum einmal entscheidende Akzente setzen konnte, hat sich in den vergangenen Wochen zu einem Star entwickelt. May Girl setzte sich trotz eines Rennverlaufs in der Außenspur gegen erstklassige Gegner durchs und zog einem Seriensieger wie Zidane Flevo (Maik Esper) so gründlich den Zahn, dass dieser wieder in alte Untugenden verfiel und disqualifiziert wurde. Noch vor wenigen Wochen hätte May Girl niemand diese in 15,7/1.900m erzielte großartige Leistung zugetraut.

Michael Nimczyk wäre fast sogar noch ein dritter Treffer für die Mommert-Farben gelungen, denn mit dem sofort nach vorne gegangenen Fantastic BR sah es bis in den Einlauf hinein gut aus. Doch dann machte ein mehrmaliger österreichischer Champion Nimczyks Hoffnungen zunichte: Und zwar Dieter Marz, der im Sulky von King of the World saß. Obwohl der Wallach die Rolle des Angreifers in zweiter Spur übernehmen musste, spielte er den Part mit Bravour und ging letztendlich sicher an seinem Kontrahenten vorbei. Noch sehr viel deutlicher war die Angelegenheit bei dem Erfolg von Kongo und Heinz Wewering, die auch beim vierten gemeinsamen Start ungeschlagen blieben. Die 20:10-Favoriten übernahmen entschlossen das Kommando und trommelten in 15,4/1.900m ein mehr als strammes Tempo auf die Piste.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 118.308,80 Euro – Bahnumsatz: 32.225,00 Euro – Außenumsatz: 86.083,80 Euro

Die nächste Veranstaltung – der große  PMU-Renntag mit der Ehrung der Mariendorfer Champions – findet am Donnerstag, dem 24. Januar statt. Beginn ist bereits um 16.30 Uhr!