Trabrennen in Berlin-Mariendorf 2012: „Wir fahren auf Sieg!

Unbändiger Optimismus kann Berge versetzen: Uwe Stamer feiert am PMU-Renntag einen sensationellen Erfolg

Mariendorf, 28. Dezember 2012.

Als der Berliner Rennstallbesitzer Uwe Stamer gemeinsam mit seinem Sohn Franz-Josef am Freitag im Mariendorfer Winnercircle stand und über das ganze Gesicht strahlte, lag der Grund für die Freude natürlich auf der Hand. Denn wenige Minuten zuvor hatte der 29-malige Deutsche Meister Heinz Wewering Stamers dreijährigen Wallach Indigo Guardian von der Spitze aus zu einem überzeugenden Volltreffer geführt. „Wir erhoffen uns für die Zukunft eine ganze Menge von diesem Pferd – er ist der Beste in unserem Stall“, lobte Stamer seinen Traber. Doch als der Berliner dann beim Interview zu einer Kampfansage an seine eigenen Gegner im Amateurfahren ausholte und erklärte, eine gute Stunde später mit der von der Papierform her völlig chancenlosen Außenseiterstute Geta voll auf Sieg fahren zu wollen, erweckte er im Publikum nur ungläubiges Erstaunen.

Alles nur heiße Luft – das hatten sicherlich auch die meisten seiner zwölf Kontrahenten bei dieser Äußerung gedacht. Und als es dann ernst wurde und Uwe Stamer mit Geta an die Flügel des Startautos heran fuhr und sich mit seiner Stute neben Klassepferden wie Sahir, Alquin Elegance, Herana, Halifax, Dubai World Cup, Isildur und Hamiro Sebarg einreihte, hatte tatsächlich kaum jemand seinen Worten Glauben geschenkt. Denn Geta war am Toto bei stolzen 833:10 notiert. Doch manchmal geschehen Wunder und ein grenzenloser Optimismus kann Berge versetzen – das stellte Uwe Stamer eindrucksvoll unter Beweis. Was niemand für möglich gehalten hatte, geschah: Der Amateurfahrer servierte Geta ein Traumrennen an der Innenkante und als das Teilnehmerfeld auf die Zielgerade schoss, war plötzlich die entscheidende Lücke da. Geta spielte ihre Reserven in grandioser Manier aus und stürmte in der Bahnmitte zum Sieg.

„An dieses Rennen werde ich mich noch sehr lange erinnern – das ist mein bisher schönster Erfolg!“, freute sich Uwe Stamer ein zweites Mal an diesem Abend und ergänzte: „Mein Sohn und ich machen seit einem Jahr alles in Eigenregie und wenn die Trainingsarbeit mit den Pferden durch tolle Ergebnisse bestätigt wird, ist das Gefühl natürlich fantastisch. Wir besitzen nur Traber, die uns liegen – wir behandeln unsere Pferde anständig und mit Respekt und sie sind anständig zu uns! Geta ist das beste Beispiel. Sie hat 31 Saisonstarts absolviert und rennt trotzdem immer weiter. Manchmal denke ich: Hey Mädel – schalte mal einen Gang runter und lass es ruhig angehen! Aber sie will einfach ihr Bestes geben und hat es heute allen gezeigt!“

Neben dem sensationellen Triumph von Uwe Stamer und Geta gab es noch einen zweiten überaus überraschenden Erfolg: den Treffer von Ulrich Mommerts Stute May Girl, die von Michael Nimczyk gesteuert wurde und am Wettmarkt bei 252:10 stand. Sicherlich – die Sechsjährige bewegte sich schon seit Wochen in prächtiger Verfassung. Aber dass bei der seit Oktober 2010 sieglosen Sechsjährigen ausgerechnet am PMU-Tag der Knoten platzt und dies sogar in der Kilometerzeit von 15,2/1.900m, damit war nicht zu rechnen. May Girl profitierte aber von einem Idealverlauf im Windschatten von Herman Nasad (Maik Esper). Auf der Zielgeraden erwies sich die Stute als hartnäckiger Widersacher und zog mit dem letzten Schritt am Gegenspieler vorbei.

Neben diesen beiden Toto-Schockern, die für einen Jackpot in der V5-Wette in Höhe von 5.002 Euro (wird am 3. Januar ausgespielt) und für eine Rekordquote von 277.627:10 in der Viererwette sorgten, gab es natürlich auch erwartungsgemäße Ergebnisse. Hier ist vor allem der Start-Ziel-Sieg von Irrwisch zu nennen, in dessen Sulky mit Heinz Wewering der einzige Doppelsieger der Mariendorfer Veranstaltung saß. Während der Weltrekordler ständig im Winnercircle auftaucht, war es für den seltenen Berlin-Gast Joop Pool der erste volle Erfolg auf der Derby-Bahn. Der Niederländer trumpfte – ebenfalls mit offensiver Taktik – mit Boy Jaden H auf und erklärte im Anschluss: „Der Hengst verfügt über viel Klasse. Aber ich war mir der Sache trotzdem nicht sicher, denn der Braune musste die Mariendorfer Piste ja erst einmal kennenlernen. Aber er hat die Aufgabe fein gelöst.“

Viel Klasse: Das ist das Prädikat, das auch die drei weiteren Sieger der Veranstaltung am besten beschreibt. Allesamt sportliche Schwergewichte, die ihr Laufvermögen und ihr Können eindrucksvoll präsentierten. Hans-Jürgen von Holdts Stallcrack Othello Jaycee siegte zwar nur mit einem Halsvorsprung vor Yoboko Toscana (Daniel Wagner). Die Manier war aber bärenstark und der Erfolg fiel in der Kilometerzeit von 14,8/1.900m sicherer aus, als es der knappe Vorteil erahnen lässt. Sogar noch schneller, nämlich in der Tagesbestzeit von 14,3/1.900m war Zidane Boshoeve mit Michael Schmid unterwegs. Der Sechsjährige wirkte bereits im Schlussbogen enorm gehfreudig und kam im Einlauf mächtig auf Touren. Das spannendste Finish des Tages lieferte aber der von seinem Trainer Heiner Christiansen gesteuerte Udit de l’Aulnay ab, als er den bereits enteilten Tom for you (Maik Esper) hauchdünn abfing. Der vierjährige Hengst setzte mit seiner tollen Leistung genau den richtigen Schlusspunkt unter die Mariendorfer Rennsaison 2012.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 127.104,43 Euro – Bahnumsatz: 29.595,00 Euro – Außenumsatz: 97.509,43 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – der große  PMU-Renntag – findet am Donnerstag, dem 3. Januar statt. Beginn ist bereits um 16.30 Uhr!