Trabrennen in Berlin-Mariendorf 2012: Georgina Corner liefert eine Gala

Nach ihrem Buddenbrock-Sieg glänzt Klaus Bockhoffs Stute mit der besten Leistung der 34 Starterinnen /  Alle Gesetzten im Finale / Livingston (Robin Bakker) gewinnt das  Auktionsrennen der Zweijährigen / Geglückter Start der V5 Wette

Die Derbywoche ist eröffnet. Pünktlich um 13:00 Uhr und noch bei strahlendem Sonnenschein und über 30 Grad nahmen ARD Hauptstadtstudio-Chefredakteur Thomas Baumann, BTV-Chef Ulrich Mommert und HVT-Präsident Heinz Tell die feierliche Eröffnung mit dem Zerschneiden des „Blauen Bandes“ vor. Aktive, Besitzer und Fans hatte lange genug mit den Füßen geschart, nun konnte die wichtigste Rennwoche des heimischen Trabrennsports mit den Vorläufen zum Stutenderby beginnen.

Um es vorweg zu nehmen, die vier Vorläufe des Arthur-Knauer-Rennens brachten fast keinen neuen Erkenntnisse, denn alle gesetzten Stuten erreichten auch das Finale. Dieses Fast bezieht sich auf maximal drei Erkenntnisse. Die Erste lieferte die zum Kreis der Favoriten zählende Vicomtesse, die sich an der Spitze liegend selbst ein Bein stellte und im letzten Bogen schwer ansprang. Die Zweite war, das sich eine Debütantin ohne Rennerfahrungen eben doch im Derby schwer tut. So geschehen mit Ocean Abano, die zwar als Co-Favoritin antrat, aber nie einen Moment hatte. Somit brachte Goldhelm Roland Hülskath keine seiner beiden Stuten eine Runde weiter, darf aber trotz allem im Finale mit Gentle Talk aus dem Hause Marion Jauß ran. Die Dritte Erkenntnis ist nicht nur aus Berliner Sicht die positivste des Renntages. Die Bruddenbrock-Siegerin Georgina Corner machte schon in diesen Vorläufen ein Fässchen auf, als sie leicht und locker in der Bestzeit von 1:15,4 ihre neue Rekordmarke erzielte und dabei den Eindruck machte, dass sie auch den Rennrekord von 1:14,2, den Nordic Gold November 2003 aufstellte, knacken kann.

Gleich im 1. Vorlauf machte die gesetzte Jauß-Stute Enigma (Michael Schmid) ihre Ambitionen auf den Derbysieg sehr deutlich. Ohne Mühe strebte sie nach einem vorsichtigen Start vor den Tribünen nach vorn, ließ dabei der kräftig anpackenden Coco Lobell kurzfristig die Führung, um auf der Gegenseite einen Gang höher zu schalten und in der Zeit von 1:17,4 schon weit vor dem Pfosten alles sicher im Griff zu haben. Mit einem gut eingeteiltem Rennen sicherte sich Titanias Girl (Robbin Bot), immer hinter Laluna Comtesse in zweiter Spur zu sehen, den zweiten Rang. Für Laluna Comtesse (Josef Franz) blieb nur Rang drei, wobei die erreichet Zeit von 1:18,3 für ein Weiterkommen zu langsam war. Coco Lobell hatte ihre Körner zu früh verschossen, während Josi Lane (Thorsten Tietz) mit Wucht die Spitze übernommen hatte, gegenüber in dritter Position von den Beinen kam.

Eine ähnliche Demonstration lieferte im 2. Vorlauf Schwedens Meister Erik Adielsson mit Iniesta Start-Ziel ab. Mit aller Autorität, die für eine Mit-Favoritin für den finalen Sieg standesgemäß war, musste die in 1:17,3 siegreichen Stall Express-Vertreterin nicht einmal alle Karten aufdecken. Die Siegerin wurde nur einmal gefordert, als Finona Bo (Heinz Wewering) vor den Tribünen aufs Tempo drückte, dann aber ihr Vorhaben aufgab und sich mit der Innenlage begnügte. Dennoch blieb ihr hinter Gentle Talk, die mit einer feinen Speedleistung auf weiten Wegen noch ganz weit nach vorn lief, nur Rang drei. Doch als alle vier Läufe absolviert waren, hatte Fiona Bo mit 1:17,7 ihren Platz im Zehnerfeld des Stutenderbys sicher.

Den Knaller unter den 34 Ladies lieferte die Lokalmatadorin Gorgina Corner (Thorsten Tietz) im 3. Vorlauf ab, als sie in einer schnellen Partie mit eiserner Ruhe in dritter Position auf Warten gefahren wurde, auf der Zielgeraden nur kurz den Turbo schaltete, und sofort hoch überlegen war. Dagegen waren die restlichen Starter machtlos, wobei sch die vor den Tribünen in Front gezogene Ganymonde (Thomas Panschow) noch sicher auf Rang zwei schadlos hielt. Freccia rossa (Gerherd Biendl) machte sich zwar vehement in der Außenspur bemerkbar, musste in der Entscheidung die spät eingesetzte Wee Speedy As (Michael Nimczyk)  vor sich anerkennen, deren 1:16,6 ganz klar für den Finaleinzug reichte und immerhin die drittschnellste Zeit aller Qualifikanten bedeuteten.

Bis zur letzten Qualifikation schien alles nach Plan zu laufen, dann erwischte es im 4. Vorlauf, ausgerechnet in der langsamsten Prüfung, eine der Favoritinnen. Für Tempoverschleppung sorgte einmal mehr Josef Franzl mit Yuamour. Nach Zwischenzeiten von 15,0 / 24,0 und 22,5 zog Yuamour gegenüber zwar das Tempo an, doch Vicomtesse (Roland Hülskath) setzte bei 11,8 noch einen drauf und flog beherzt an die Spitze. Doch als sich alles schon auf deren Erfolg eingestellt hatte, folgten im Schlussbogen ein schwerer Fehler und das Aus. Damit hatte Yuamour zwar wieder die Führung, musste aber auf den letzten Metern der speedigen Helena von Haithabu (Heinz Wewering), die sich lange an der Innenkante aufhielt, klar den Vortritt lassen. Für die noch schön in Schwung kommende und auf Rang drei endende Beautiful Tryst (Markus Bock) reichte die Zeit natürlich nicht zum Weiterkommen, während die lange in der Außenspur trabende Classic Transs R (Renier Feelders) stark abbaute.

Während zehn dreijährige Ladies gerade die erste Hürde auf dem Weg zur  eventuellen Krönung genommen hatten, kämpften im Auktionsrennen für Zweijährige atemberaubende 17 Youngster bei ihren Debüt auf der Rennbahn um dem satten Preispott von 57.025 Euro. Zumindest ging in der komplizierten Startphase alles gut, nur fünf Traber verfielen dem Spruch der Stewards, doch der größte Teil des Feldes zog weit hinter der Spitze her. Aber der glorreiche Sieger Livingston brachte internationales Flair ins Spiel. Der vor einem Jahr für 7.000 Euro unter den Hammer des Auktionators gekommene Hengst läuft im Besitz des Österreichers Franz Klampfer, trainiert wird er vom Berliner Daniel Dähn auf der Hoppegartener Galopprennbahn und zum ersten großen Sieg seiner Karriere hat ihn der Niederländer Robin Bakker gesteuert. In einer wahrlich packenden Schlussphase überlief er den lange führenden Let’s Dance (Jörgen Sjunnesson), der gar für nur 3.000 Euro verkauft wurde und schon jetzt als „Schnäppchen“ gelten darf

Neben den Siegern und gut Platzierten der 14 Rennen strahlte auch Gerda Klöser an diesem Nachmittag über das ganze Gesicht. „Ich komme seit 40 Jahren auf die Rennbahn, aber so richtig gewonnen habe ich noch nie“, so ihr aufgeregtes Statement, als sie als Besitzer für einen Tag bei der Siegerehrung von Meringo Star in der Hand von Afsoon Amirfallah dabei war und später den Siegerscheck von 1.400 Euro an der Kasse abholen durfte.

Erfreuliches gab es auch an der Wettfront zu konstatieren – die neu eingeführte V5 Wette, bei der man die Sieger von 5 vorgegeben Rennen richtig vorhersagen muss, wurde von den Wettern gut angenommen. Als Bonbon servierten ihnen die Aktiven einen Start nach Maß: 3 Topfavoriten und 2, im Vorfeld als sehr chancenreich eingestufte Pferde siegten zum Einstand der Wette und bescherten den Gewinnern satte 1.111 Euro für 20 Cents Grundeinsatz!

Die nächste Chance auf große Quoten und Gewinne gibt es schon am heutigen Sonntag, dem 2. Tag der Derbywoche ab 12:30 Uhr.

Im sportlichen Mittelpunkt stehen die Vorläufe zum 117. Deutschen Traber-Derby und das Charlie Mills-Rennen.