Trabrennen in Berlin-Mariendorf 2012: Bloodstock’s Mike mit riesiger Autorität

Der US-Hengst siegt mit seinem russischen Trainer Alexandr Nesyaev trotz Höchstzulage in der Tagesbestzeit. Thorsten Tietz gelingen vier Treffer

Im Englischen steht der Begriff „Bloodstock“ für eine reinrassige und vorzügliche Zucht. Einer, der diesem Namen alle Ehre macht, ist der in den USA geborene und in Russland trainierte Hengst Bloodstock’s Mike. Bei dem mit 3.500 Euro dotierten Rennen um den Geburtstags-Pokal des VDT zeigte der von Alexandr Nesyaev gesteuerte Siebenjährige seinen Gegnern trotz vierzig Meter Höchstzulage, wo der Hammer an der Stallwand hängt.

Mit seinem triumphalen Erfolg zog der bei 45:10 gehandelte Mariendorfer Gast keinem Geringeren als dem Pari-Favoriten Mister PK (Thorsten Tietz) kräftig den Zahn. Und das, obwohl der Ostermann-Schützling zwanzig Meter vor ihm ins Rennen gegangen war. Zunächst sah es zwar optimal für Mister PK aus, denn der Hengst hatte die von der Grundmarke aus gestarteten Pferde bereits im ersten Bogen überholt. Doch auch Bloodstock’s Mike fackelte nicht lange und legte sich schon nach einer guten halben Runde in die Angeiferspur. Auf der Gegenseite erhöhte der Herausforderer den Druck auf Mister PK und mit Erreichen der Zielgeraden gab sich der Favorit erschreckend schnell geschlagen. Ganz anders präsentierte sich Bloodstock’s Mike, der in der Tagesbestzeit von 15,1/2.040m einem grandiosen Sieg entgegenstürmte, während der entzauberte Mister PK weit hinter den zweit- und drittplazierten Halifax (Michael Nimczyk) und Provence (Herbert Strobl) ans Ende durchgereicht wurde.

Für Thorsten Tietz war diese Niederlage natürlich schmerzlich – aber der kommende Berliner Champion erwischte dennoch einen grandiosen Tag. Gleich im ersten Drittel der Veranstaltung erzielte der 34-Jährige einen lupenreinen Hattrick. Den ersten Punkt holte Tietz mit Lou Trec, der es trotz der klaren 12:10-Favoritenstellung mächtig spannend machte. Denn Dennis Spangenberg hatte mit dem Gegner Ribery im Schlussbogen mächtig Druck auf den Piloten ausgeübt. Doch Lou Trec kämpfte sich auf der Zielgeraden zurück und gewann am Ende sicher. Der nächste Tietz-Treffer folgte mit Winning Dream (29:10), der eingangs der Tribünenseite das Kommando übernommen hatte und sich knapp über die Linie rettete. Mit Star of Glass (22:10) ging der Stutenderby-Sieger ähnlich offensiv vor. Nach dem Ausfall des Co-Favoriten Swedish Titan (Andreas Gläser) war der Braune alleine auf weiter Flur.

Das war allerdings noch längst nicht alles für Tietz, der sich im Duell mit Roland Hülskath weiterhin Hoffnung auf den Titel machen darf. Als nächstes kam nämlich Doktor Schulze (34:10) an die Reihe, der sich diesmal alle Unsicherheiten verkniff und eine bärenstarke Schlusshalbe auf die Piste trommelte. Auf die Entwicklung des Dreijährigen, eines Bruders zu Mary Poppins und Lotte, darf man gespannt sein. Fast hätte es für Tietz sogar noch für den fünften Tagestreffer gereicht – doch sein Schützling Platino fand an der Innenkante erst zu spät den nötigen Freiraum und musste daher der von Justine Westphal außen herum vorgetragenen Florissa (99:10) den Vortritt lassen.

Thorsten Tietz’ Lebensgefährtin Sarah Kube holte sich den Amateur-Pokal des VDT und bleibt damit im Konkurrenzkampf mit Jörg Hafer, der zeitgleich in Mönchengladbach leer ausging, bei der Verteidigung ihres Meistertitels im Geschäft. Ihr Rückstand auf den Gegenspieler beträgt aktuell drei Punkte. Die Amateur-Championesse setzte sich mit Florus G (25:10) durch, der die Schlussrunde klar bestimmte und mit neun Längen Vorsprung überlegen war. Wesentlich knapper ging es beim Kampf um den Mitglieder-Pokal des VDT zu. Michael Hamann verschaffte Rose Simoni (87:10) ein Traumrennen im Rücken des Tempomachers Giordano (Thomas Kirchner) und als sich im Einlauf die freie Passage fand, bog Peter Simonis Stute den Spieß sofort um.

Einen vielversprechenden Auftritt gab es in der „Anfängerklasse“ bis 400 Euro zu bestaunen. Die von Antje Fiedler präsentierte I’m Chilli Chicken (27:10) war nach einem mächtigen Vorstoß auf der Gegenseite mit glatten sieben Längen voraus. Arwen Energy (58:10) und Thomas Buley begnügten sich dagegen mit einer Länge Vorsprung. Der Sieg, der nach den zuvor gezeigten Leistungen längst überfällig war, fiel deutlich souveräner aus, als es der Richterspruch besagt. Von der Spitze aus hatte die Fünfjährige auf der langen 2.500-Meter-Strecke keinerlei Probleme und war schon weit vor dem Ziel zuhause. Das sah beim Erfolg von Crown Store (27:10) und Michael Nimczyk ganz anders aus, denn der auf den letzten dreihundert Metern energisch eingesetzte Wallach hielt Romantika (Manfred Zwiener) nur mit einem Halsvorsprung in Schach.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 104.844,71 Euro – Bahnumsatz: 36.118,50 Euro – Außenumsatz: 68.726,21Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Montag, dem 15. Oktober ab 18.30 Uhr statt.