Trabrennen in Berlin: Comeonhill geht seinen Weg

Der Dreijährige gewinnt den Trial II des Diamond-Way-Rennens. Helena von Haithabu beherrscht den Stutenlauf

„Der Hengst ist noch recht ängstlich und muss erst Routine lernen. Aber die Art und Weise, in der er sich präsentiert, ist sehr vielversprechend und es gibt wohl nur wenige Dreijährige in Deutschland, die bereits einen vierzehner Kilometerschnitt gehen können!“ Roland Hülskaths Worte bei der Siegerehrung des mit 7.000 Euro dotierten Diamond-Way-Trials brachten es auf den Punkt: Der von Gerhard Holtermann trainierte und den Brüdern Gerrits gehörende Comeonhill blieb auch beim dritten Lebensstart ungeschlagen und hat die Teilnahme am Derby fest im Blick.

Nur auf der ersten dreiviertel Runde, als der heiße 12:10-Favorit noch ganz am Ende des Feldes lag, schien sein Thron kurz zu wackeln. Doch auf der Gegenseite rückte Comeonhill die Dinge mit einem gewaltigen Vorstoß wieder gerade und flog im Rush an seinen Konkurrenten vorbei. Als es auf den Schlussbogen zuging, lag das Tempo bei stolzen 10,8 und auch der Gesamtschnitt konnte sich wahrlich sehen lassen: Comeonhill trommelte eine Kilometerzeit von 14,7/1.900m auf die Derby-Piste und war schon längst zuhause, als sein einziger ernsthafter Gegenspieler Sir Michel (Michael Schmidt) mächtig schnell wurde und bis auf eine Halslänge Rückstand heranstürmte. Vier Längen dahinter erkämpfte sich Global challenger (Michael Nimczyk) das dritte Geld.

Für Roland Hülskath war dieser Triumph der Höhepunkt eines rundum gelungenen Nachmittags, denn der Deutsche Meister ging mit drei Pferden auf die Ehrenrunde. Den Auftakt hatte Betsy Kievitshof (11:10) gemacht und dann kam ein Traber an die Reihe, der sich wie von einem anderen Stern präsentierte: Das Gastspiel des herausragenden Baltimore As (10:10) war ein einzigartiger Augenschmaus. Geballte Eleganz gepaart mit geballter Körperkraft – diese Harmonie kennzeichnet den fünfjährigen Hengst, über den Roland Hülskath strahlte: „Es gibt derzeit kein besseres älteres Pferd in Deutschland als ihn!“ In der Tat – die Manier, in der Baltimore As vom ungünstigen Startplatz acht aus das gesamte Feld von hinten aufrollte, war eine Machtdemonstration. Eine Glanzleistung, die sich auch in der Kilometerzeit widerspiegelte: Der Crack des Rennstalls Jauß fegte in 13,7/1.900m um die Bahn und ließ den zweit- und drittplazierten Love Times (Thorsten Tietz) und Parisienne Blue (Hannu Voutilainen) nicht den Hauch einer Chance.

Doch zurück zum Diamond-Way-Trial: Nicht nur im Hauptlauf, sondern auch in der mit 3.500 Euro dotierten Stutenabteilung lieferten die Dreijährigen starke Leistungen ab. Dort übernahm zunächst Yuamour (Josef Franzl ) das Kommando, überließ dann aber Georgina Corner (Thorsten Tietz) die Spitze. Vor den Tribünen gesellte sich die spätere Siegerin Helena von Haithabu (36:10) dazu. Ihr Fahrer Heinz Wewering erhöhte erst Ende der Gegenseite den Druck, dem Georgina Corner bis weit in die Zielgerade hinein standhielt. Yuamour wurde in dieser Phase mit jedem Schritt stärker und in der Bahnmitte tauchte urplötzlich Liberta (Michael Nimczyk) auf. Zwischen diesen vier Pferden war bis einhundert Meter vor dem Ziel noch nichts entschieden, doch dann setzte Helena von Haithabu den besten Schlussakkord.

Aus dem Rahmenprogramm stach vor allem Identico Corner (25:10) heraus. Der ungestüme Fuchs war sowohl vor dem Start, als auch später bei der Siegerehrung kaum zu bändigen und sein Fahrer Thorsten Tietz hatte alle Hände voll mit ihm zu tun. Doch im Rennen ist der bildhübsche Traber eine Rakete – Identico Corner steckte beim achtzehnten Sieg seiner Laufbahn sogar eine Anfangsgallopade weg. Tietz punktete außerdem mit Chatain (14:10), der ein blitzsauberes Karrieredebüt hinlegte und drückend überlegen mit Weile-Vorsprung gewann. Mit Not to Bi wäre für den Berufsfahrer fast der dritte Tagessieg möglich gewesen, doch Dennis Spangenberg und Bemms Kiebiz fischten ihm den Erfolg genau auf der Linie weg.

Und hier die übrigen Sieger: Die von Benjamin Hagen gefahrene Chelsea Norton (44:10) wird mit jedem Tag besser und legte unter Rekordverbesserung auf 15,7/1.609m einen gewaltigen Endspurt hin. King of Moor (23:10) griff zwar schon früher ins Geschehen ein, spielte sein Können mit Michael Nimczyk aber ebenfalls erst auf der Zielgeraden aus. Mystical Columbus (100:10) profitierte von der Disqualifikation des Topfavoriten Like a Porsche und von der taktischen Leistung ihrer Fahrerin Sabrina Range-Gutsche. Die 30-jährige Amazone ist glänzend in ihre Amateurlaufbahn gestartet und besitzt ohne Frage ein Händchen für die Pferde. Das zweite Amateurfahren des Tages ging an einen Boxennachbarn von Mystical Columbus: Der von Andrea Dworatzyk präsentierte Wakiza (66:10) punktete für den Stall Top Point. Last not least ist Hella Hanover (24:10) zu erwähnen. Die Stute verkraftete mit ihrem Trainer Josef Franzl sogar einen Startfehler.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 114.625,28 Euro – Bahnumsatz: 41.547,32 Euro – Außenumsatz: 73.077,96 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – der große Kaiser’s Familienrenntag mit Spiel und Spaß für Jung und Alt – findet am Sonntag, dem 20. Mai statt. Im Mittelpunkt steht der Trial II des NRZ-Pokals um 7.000 Euro Preisgeld. Der Beginn ist um 13.30 Uhr!