Trabrennen: High Noon in Berlin - Mariendorf

Foto von Marius Schwarz: Thomas Panschow und der Hengst Halva von Haithabu

Der erste Start erfolgt um punkt 12 Uhr und es herrscht Showdown-Stimmung: Die Colts werden zwar nicht geladen – aber hochdramatische Entscheidungen sind vorprogrammiert.

Berlin, 2. April 2016 (Start des 1. Rennens um 12.00 Uhr).

Zwölf Uhr mittags: Das war der Titel des legendären US-Westerns aus dem Jahr 1952 mit Gary Cooper und Grace Kelly in den Hauptrollen. Der Showdown auf der Derby-Bahn beginnt ebenfalls zur Mittagszeit. Doch während sich das Geschehen in dem berühmten Kinofilm vor allem auf den heldenhaften Marshall Will Kane und seinen durchtriebenen Gegenspieler Frank Miller konzentrierte und die dramaturgische Handlung relativ simpel aufgebaut war, lässt sich der Kreis der Protagonisten bei der Mariendorfer Veranstaltung nicht so klar eingrenzen. Sicherlich – in den vier PMU-Rennen gibt es Traber, die vom Können her herausstechen. Aber alleine schon die Vielzahl der Teilnehmer bringt eine gehörige Portion Spekulation mit ins Spiel. Es starten nämlich dreimal zwölf und einmal zehn Pferde. Man sollte daher nicht zu geizig an die mit 4.000 Euro Garantie versehene V4-Wette herangehen und lieber ein paar Kreuze mehr als zu wenig auf den Tippschein setzen. 

Gleich das 1. Rennen ist eine ziemlich harte Nuss, denn die Favoritin Bellevue (Thorsten Tietz) ist noch längst nicht zuhause. Gewiss – ihre letzte Leistung war exzellent. Die Tochter der Stutenderby-Vorlaufssiegerin Belle Arnie konnte bei ihrem 15,0-Tempolauf dem Klasse-Gegner Prince of Persia lange Paroli bieten und blieb als ehrenwert unterlegene Zweite mit Doppelweile-Vorsprung vor dem geschlagenen Rest. Doch die Braune muss nun aus der zweiten Reihe starten und sie trifft auf ernstzunehmende Konkurrenten. Giant Santana Eck (Manfred Zwiener) entfaltete bei seinem Sieg einen geradezu höllischen Speed. Jacado (Tim Schwarma) ging mit zwei Erfolgen en suite in die Winterpause und ließ im Vorjahr sogar dem aktuellen Mariendorfer Ranglistenersten Berlusconi keine Chance. Sir Carlton (Norbert Bierman) hat sich mit jeder Aufgabe gesteigert und besitzt viel Luft nach oben – ein Muster an Zuverlässigkeit ist der Wallach sowieso. Das kann man von Colbert (Maik Esper) zwar nicht behaupten – der Braune war dreijährig ein Pulverfass. Aber von seiner Schnelligkeit her ist er zweifellos ganz vorne zu erwarten. Die von der französischen Stute Baliverne Buroise (Dennis Spangenberg) auf der tschechischen Piste in Bravantice erzielte Kilometerzeit von 1:15,3 min. ist ebenfalls hochinteressant.

Das 2. Rennen ist mit einer Dreierwetten-Garantie in Höhe von 4.000 Euro verknüpft und dort tritt ein Pferd an, das als bärenstark gilt. Nämlich Aggetto (Thorsten Tietz), der nach seinem Quartierswechsel noch keine Grenzen erfahren musste. Doch auch hier gibt es ein Fragezeichen. Denn der wohl härteste Konkurrent Calvados Chess (Dennis Spangenberg) verfügt über einen enormen Antritt und setzte sich in Bahrenfeld auf der kurzen Distanz Start bis Ziel durch. Da Aggetto mit der Nummer zehn ins Rennen geht, wird er im Vergleich zu dem mit der Position fünf optimal bedienten Calvados Chess den deutlich schlechteren Verlauf antreffen. Die Aufgabe wird also für den Vierbeiner-Stolz des Besitzers Hans Hutter ganz sicher nicht zum Zuckerschlecken werden – eine Niederlage ist durchaus vorstellbar. Zumal mit Abano W (Michael Nimczyk) ein weiterer ernstzunehmender Kontrahent im Feld lauert. Die drei Genannten sind aber eindeutig die gemeinten Pferde und damit für die Dreierwette prädestiniert. Wohl nur wenn einer von ihnen ausfällt, könnten Kubi Kievitshof (Daniel Wagner), Amigo Kievitshof (André Schiller), Whinny Love (Andreas Gläser) oder der deutlich verbesserte Gitano JL (Maik Esper), der in Bahrenfeld bis in den Einlauf hinein das Tempo machte, dazustoßen.

Wer stoppt den Wikinger? Das ist die Frage in dem mit der Mariendorfer Supersieg-Wette verknüpften 3. Rennen. Mijo Ivics Stallcrack Halva von Haithabu wuchsen bei seinem großartigen Triumph am 20. März in hochrangiger Gesellschaft regelrecht Flügel. Der Hengst schoss auf der Zielgeraden am gesamten Feld vorbei. Er wird erneut von dem aktuell in überzeugender Form agierenden Thomas Panschow gesteuert, der auf den Braunen wahre Bände schwört. Aber ein unschlagbarer Favorit ist Halva von Haithabu dennoch nicht. Vulkan (Daniel Wagner) unterlag ihm nur mit einer halben Länge. Der Wallach ist eines der Aushängeschilder der Berliner Traberszene. Eine deutliche Steigerung darf man von Indio Corner (Benjamin Hagen) erwarten, der im gleichen Rennen als Fünfter knapp hinter Andersson Mo (Michael Nimczyk) blieb. Denn sein relativ blasses Abschneiden ist vollauf entschuldigt. Indio Corners Trainer Hannu Voutilainen hatte über viele Wochen hinweg keine passende Aufgabe für seinen Schützling gefunden. Indio Corner musste also erst einmal Kondition tanken und wird sich nun wieder ganz anders präsentieren. Der in der Form seines Lebens laufende It’s Amazing (Roman Matzky) und der aus Schweden zurückgekehrte Michigan Venus (Thorsten Tietz) melden ebenfalls Ansprüche an. Die Prüfung ist also ein echter Knaller und obwohl keine Colts geladen werden, wird in Mariendorf High-Noon-Atmosphäre herrschen. 

Für diejenigen, die nach den ersten drei Rennen noch in der V4-Wette dabei sind, beginnt gleich darauf das große Zittern. Denn die abschließende vierte Tagesprüfung ist eine sehr offene Angelegenheit. Im zwölfköpfigen Starterfeld entdeckt man zwei frische Sieger. Nämlich Blueberry Santana (Michael Hönemann) und Trible Laser (Dennis Spangenberg), die sich deutlich gesteigert haben. Beide Pferde sind aber alles andere als eine felsenfeste Bank und es ist kein Klassenunterschied zu ihren Gegnern auszumachen. Vor allem auf Fittipaldi (Andreas Gläser) darf man daher Mumm haben: Der Hengst unterlag zuletzt nur einer nahezu Unverlierbaren und verkaufte sich auch beim Jahresdebüt nach einem miserablen Rennverlauf großartig. Robin Toft (Thorsten Tietz) wurde bei seinem fünften Rang zwar wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, glänzte zuvor aber nach offensivem Vortrag mit einer schnellen Zeit. O’Sunday (Maik Esper), Vico (Katharina Kramer), Grand Ass (André Pögel) und Jeronimo Express (Ferdinand Hirsch) scheinen derzeit nahezu gleichwertig zu sein. Einen besonderen Hinweis hat sich auch der Senior im Feld – der bereits zehn Jahre alte Florus G – verdient. Der Wallach harmoniert mit seinem Fahrer Alexander Kelm prächtig und ist noch längst nicht reif für den Ruhestand.

Unsere Tipps:

1. Bellevue – Giant Santana Eck – Jacado

2. Aggetto – Calvados Chess – Abano W

3. Halva von Haitabu – Vulkan – Indio Corner

4. Robin Toft – Blueberry Santana – Fittipaldi – Florus G