Trabrennen der Derby-Woche in Berlin-Mariendorf: Der Countdown läuft

 

Am Tag vor dem „D-Day“ oder wird traditionsgemäß das Arthur-Knauer-Rennen ausgetragen - jenes Stuten-Derby für all diejenigen Traber-Ladys, die es nicht wagen, um den großen Pokal gegen das starke Geschlecht anzutreten. Wobei 95.810 Euro, um die sich die zwölf Stuten, die sich vor einer Woche über sechs Vorläufe qualifiziert haben, streiten werden, auch nicht gerade Kleingeld sind.

Selten in den letzten Jahren war die Ungewissheit vor dem unter dem Patronat von Eduard Winter gelaufenen Rennen so groß wie in dieser 26. Auflage. Dabei schien bis vor einer Woche die Favoritenstellung sonnenklar. Ihrer großen Rivalin Stacelita, die am Sonntag als einzige Stute den Kampf gegen die Jünglinge aufnehmen wird, verlustig, schien der Weg für Star Potential schnurgerade in den Winner Circle zu führen. Schließlich hatte die Schwester der vorjährigen Knauer-Favoritin Mustang’s Sally die beiden wichtigsten Vorbereitungsläufe für die Stuten, die „Damenabteilungen“ von Adbell-Toddington- und Buddenbrock-Rennen, „leicht, verhalten, angenehm“ dominiert. Ihr Fahrer Robin Bakker staunte an jenem 26. Juli dann allerdings nicht schlecht, als seine Star Potential, ohne großen Aufwand in Front gezogen und dort alles nach Gusto regelnd, auf der Zielgeraden plötzlich von einem Nobody überrannt wurde. Emma di Quattro war zwar noch unbezwungen, hatte ihre beiden Siege aber im Alltagsgeschäft erstritten. Von Thorsten Tietz’ zweitem Mann Dennis Spangenberg auf den Punkt genau eingesetzt, flog die Braune nicht etwa knapp, sondern ganz locker mit 3½ Längen vorbei, und weil sich Pippa Barosso in der schnellsten Zeit aller sechs Vorläufe überlegen durchsetzte, sind die Karten für den Lorbeerkranz der Stuten urplötzlich völlig neu gemischt. Zumal auch Luminara einen Großteil ihrer „Baustellen“, wie ihr neuer Trainer Heinz Wewering dies bezeichnet, viel schneller als erwartet abgearbeitet zu haben scheint. Sie briet der Konkurrenz mit fünf Längen Vorsprung kräftig eins über, womit auch der 64jährige, der dieses Arthur-Knauer-Rennen bereits achtmal an seine Fahne geheftet hat, plötzlich und für ihn selbst fast ein wenig unerwartet ganz dick im Geschäft ist.

Natürlich bleibt auch Star Potential trotz der klaren Niederlage eine heiße Option. Fahrer Robin Bakker und Trainer Paul Hagoort, ein Erfolgsteam sondergleichen, das nicht nur durch den vorjährigen Derbysieger Tiger Woods As, sondern zahlreiche andere Cracks europaweit für Furore sorgt, werden gewiss Schlüsse und Lehren aus dem kleinen Waterloo gezogen haben. Ob Star Potential es besser macht als ihre ein Jahr ältere Schwester, die sich den deutschen Traberfans am Sonntag vorstellt, oder eine ganz Andere zur Ehrenrunde eindreht - das entscheidet sich im 11. Rennen gegen 17.14 Uhr.

Dort, wo die dreijährigen Traberdamen und -herren jetzt stehen, nämlich an der Schwelle zum Derby, wollen die 15 Zweijährigen hin, die im 4. Rennen (14.12 Uhr) an 50.000 Euro wollen. Sie alle waren vor einem Jahr auf der Jährlingsauktion, die im Anschluss ans letzte Rennen wiederum vor der offenen Endellschen Tribüne abgehalten wird, für mehr oder weniger große Kasse zu ersteigern und nehmen allesamt zum ersten Mal um Geld die Hufe in die Hand. Da dürfte einiges Durcheinander vorprogrammiert sein. Die Suche nach dem Sieger, der auch eine Siegerin sein kann, gleicht jener berühmten nach der Nadel im Heuhaufen. Geht man nach den Qualifikationsleistungen, die jedoch auf unterschiedlichen Bahnen erzielt wurden, so sollten Teresanna, Escondia und Napa Valley die Chancenreichsten sein.

Einfacher wird’s vermutlich im folgenden Rennen, in dem Lokalmatador Harry’s Bar unbedingt seinen Lapsus vom vorigen Samstag ausbügeln möchte, als er in der ersten Kurve nach einer Galoppade so weit zurück fiel, dass mehr als Platz vier nicht drin war. Wieder trägt er die „6“, doch diesmal will sein ständiger Fahrer Thorsten Tietz, der den Aussetzer auf einen Fahrfehler seinerseits zurückführte, Nägel mit Köpfen machen. Gegen Michigan Venus, den Tietz eine Zeit lang mit viel Erfolg selbst vorbereitet hat, Il Lamborghini und Bigboy Limburgia sollte dies Harry durchaus gelingen.

Bevor die Jährlingsauktion beginnt, auf der unter den 78 Pferde der 2013er Aufzucht für jeden Geldbeutel etwas dabei sein dürfte, versucht Graf Bismarck, den Ausrutscher bei der Premiere zu korrigieren. An jenem 27. Juli verlor er ein Vordereisen, kam aus der Balance und wurde disqualifiziert. Eingedenk der überragenden Qualifikationsleistung dürfte der „eiserne Kanzler“ erneut zu den am Totalisator Auserwählten zählen, hat sich mit Viking’s Star und Ronas Liguori jedoch Gegnern von einigem Format zu erwehren.

Unsere Tipps:

  1. Sorriso Degli Dei – Balastero As – Emotion Boshoeve

  2. Verso – Ruby Tuesday – Iamtheredone

  3. Trible Laser – Doktor Schulze – Guliano Bo – Gentleman As

  4. Teresanna – Only Power – Escondia

  5. Harry’s Bar – Il Lamborghini – Michigan Venus

  6. Wariana –  Pippilotta Diamant – Sarently As

  7. Spada Nera – Richeliell – Dancer Dragon

  8. Vulkan – Midnight Oil – San Siro BR

  9. Samir – Stravinskij Bigi – Buster

10. Finale zum Derby-Kampf der Geschlechter 2014

11. Pippa Barosso – Emma di Quattro – Star Potential – Imi Para Mi

12. Finale zum Handicap-Pokal “de luxe” 2014

13. Pocahontas Diamant – Celestial Light TK – Rosenstolz

14. Ronas Liguori – Viking’s Star – Graf Bismarck

Foto von Marius Schwarz: Dennis Spangenberg und Emma di Quattro