Trabrennen: Breeders Crown 2016 in Berlin - Mariendorf mit Derby-Revanche

Muscle Scott

Der Dreijährigen-Thriller: Muscle Scott trifft erneut auf seinen großen Rivalen Orlando Jet. Bei den Stuten muss Gilda Newport ihren Ruf als Unschlagbare verteidigen. Auch die vier anderen Breeders-Crown-Hauptläufe sind hervorragend besetzt.      

Berlin-Mariendorf, 25. September 2016 (Start des 1. Rennens um 14 Uhr).

Er ist der schnellste Derby-Sieger aller Zeiten: Der Hengst Muscle Scott gewann das wichtigste Trabrennen der Bundesrepublik in neuer 12,5-Rekordzeit. Auf den sportlichen Lorbeeren kann sich der Schützling des niederländischen Trainers Paul Hagoort allerdings nicht ausruhen, denn im Breeders-Crown-Hauptlauf der dreijährigen Hengste und Wallache, der als zehnte Tagesprüfung ausgetragen wird und einschließlich der Züchterprämie mit über 35.000 Euro Preisgeld dotiert ist, kommt es zu einer Auseinandersetzung mit hartnäckigen Gegnern. Sein Fahrer Robin Bakker muss vor allem auf Orlando Jet und Rudolf Haller aufpassen, die auf der Derby-Zielgeraden noch bis auf eine Länge an den Sieger herankamen. Auch die gesamte weitere Jahrgangsspitze ist nahezu komplett dabei – der Bühnenvorhang öffnet sich also zu einer echten Revanche, die mit einer satten 25.000-Euro-Dreier-Garantie inklusive eines Jackpots in Höhe von 14.025 Euro verknüpft ist.

Muscle Scott hat bei der Auslosung die Startposition drei erwischt, Orlando Jet die sechs. Die Stallteams der beiden Pferde brauchen sich also nicht zu beklagen. Schon etwas ungünstiger treffen es der Derby-Dritte Mr Shorty (Thomas Panschow) und der Derby-Vierte Muscle Boy AS (Gerhard Mayr) an, die von den Positionen sieben und acht aus ins Rennen gehen. Thorsten Tietz hat sich für den Derby-Fünften Fiobano entschieden, der am Tag X von der Spitze aus zwar überfordert war – aber man darf nicht vergessen, dass dies seine bisher einzige Niederlage war. Bei einem geschonten Verlauf könnte es also ganz anders aussehen. Die Fahrt mit seinem St.-Leger-Sieger Zauni überlässt der Berliner Champion Michael Nimczyk. In Gelsenkirchen agierte der Hengst wirklich beeindruckend und entwickelte, nachdem er die entscheidende Lücke gefunden hatte, ein enormes Tempo, das er bis zur Ziellinie konsequent durchzog. Während einige Dreijährige wie z. B. der hier nicht antretende Geronimo T doch die Strapazen der Saison in ihren Knochen spürten, verfügt Zauni offenbar über einen zweiten Atem und befindet sich weiter im Aufwind.

Man sollte ihn also genauso wenig unterschätzen wie Blackhawk, der vom Pech verfolgt war und alle Ambitionen mit einer Galoppade im Derby-Vorlauf zerstört hatte. Er rückte zwar noch einmal auf, aber der anfängliche Bodenverlust war ein zu großes Handicap. Angesichts dieser Vorgeschichte ist es fraglich, ob sein neuer Fahrer – der „Hexer“ Jos Verbeeck – auf den ersten Metern gleich alles riskieren wird. Rein von der Antrittsschnelligkeit her wäre Blackhawk von der Position zwei aus sicherlich in der Lage, die Spitze zu übernehmen. Der ganz innen startende Agostino (Roland Hülskath) ist zwar genauso wie der mit der Nummer neun unglücklich bediente Hofnarr (Thomas Kornau) in der Außenseiterrolle. Aber der Sieger des Derby-B-Finales besitzt riesiges Laufvermögen und könnte glattgehend die Pläne seiner Konkurrenten durchkreuzen. Man muss Agostino für die Dreierwette auf jeden Fall mitnehmen. Aber wer sind die Stellpferde? Man kann es drehen und wenden, wie man will – letztendlich kommt man bei diesem Thema an Muscle Scott und Orlando Jet wohl nicht vorbei.

Noch klarer ist die Favoritenrolle im Hauptlauf der dreijährigen Stuten verteilt, dem 8. Rennen. Denn es gibt nichts, was gegen Gilda Newport und Dion Tesselaar spricht. Was soll man zu diesem großartigen Pferd noch sagen? Sie ist die Gewinnreichste und Schnellste im Elferfeld, sie kann einfach alles und ist noch ungeschlagen. Sicherlich – irgendwann einmal wird auch Gilda Newport ein Rennen verlieren. Aber warum sollte dies gerade jetzt der Fall sein, zumal sie mit der Startposition fünf eine gute Ausgangslage erwischt hat? Nein, man sollte nicht an der Stutenderby-Siegerin zweifeln und lieber Ausschau nach möglichen Platzkandidaten halten. Da kommen in erster Linie natürlich Lesperanza (Christian Lindhardt), Gaia F Boko (Robin Bakker), Gamine Newport (Michael Nimczyk) und Stonewashd Diamant (Gerhard Biendl) in Frage.   

Der erste der insgesamt sechs Breeders-Crown-Hauptläufe wird bereits als 3. Rennen ausgetragen und ist zugleich das Startsignal für die V4-Wette mit 12.000 Euro Garantie inklusive 7.814 Euro Jackpot! Also ein ziemlich dickes Ding – vor allem, weil sich dieser Lauf an zweijährige Ladies richtet, die nur schwer einzuschätzen sind. Die im Stutenlauf des Jugend-Preises zweitplatzierte Mary Ann J (Jos Verbeeck) und Balaine (Robin Bakker), die in dem den Pferdedamen vorbehalten Auktionsrennen-Lauf ebenfalls Silber holte, sowie Impressive Lady (Thorsten Tietz), die einen Breeders-Course-Vorlauf gewann, melden die besten Chancen an.

Gleich danach kommt es mit dem Hauptlauf der vierjährigen Hengste und Wallache, über dem inklusive Züchterprämie fast 50.000 Euro stehen, vor allem aus Berliner Sicht zu einem Top-Highlight. Denn hier tritt der vor einiger Zeit in den Besitz von Ulrich Mommert gewechselte Cash Hanover (Michael Nimczyk) an. Zwei herausragende Siege und eine krasse Niederlage – so  lautet seine aktuelle Saisonbilanz. Das Versagen ist aber entschuldigt – Cash Hanover hatte zeitweilig mit Magenproblemen zu kämpfen. Und seine Erfolge waren derart imponierend, dass sein Stallteam hier selbstbewusst die Favoritenrolle übernehmen kann. Der härteste Gegner wird Halva von Haithabu (Jos Verbeeck) sein, der die Derby-Revanche gewann und im Anschluss im belgischen Waregem punktete – ein lukrativer Ausflug, der 7.200 Euro Prämie einbrachte. Falcon Dragon (Robbin Bot), Napa Valley (Cees Kamminga), Rainbow Diamant (Heinz Wewering), Peron Viking (Josef Franzl) und Tokay (Thorsten Tietz) sind weitere prominente Namen im neunköpfigen Feld.

Die gleichaltrigen, also ebenfalls vierjährigen Stuten kommen gleich im Anschluss dran und das 5. Rennen ist zugleich das am höchsten dotierte des Tages – es geht samt Züchterprämie um rund 65.000 Euro Preisgeld! Es ist ein Buch mit sieben Siegeln, denn keine der zwölf Teilnehmerinnen sticht glasklar heraus. Der Stutenderby-Zweiten Flori Dragon (Robin Bakker), die nach der halbjährigen Pause nur einen einzigen Start bestritt, darf man aufgrund ihrer Klasse ein gutes Abschneiden zutrauen. Ob sie aber gegen Robinia Diamant (Gerhard Biendl), Terrific Pic (Heinz Wewering), Bellevue (Thorsten Tietz) und drei oder vier weitere gefährliche Konkurrenten tatsächlich die Oberhand behält, steht in den Sternen. Hier ist beim wettenden Publikum eindeutig die richtige Spürnase und Intuition gefragt und man darf an den Totoschaltern ruhig mal kräftig gegen die vermeintlichen Favoriten gegenhalten.

Im 7. Rennen beginnt die V5. Es ist ausnahmsweise kein Hauptlauf, sondern eine Entlastung, in der Nikkei (Jos Verbeeck) eine gute Rolle spielen wird. Richtig Geld steht dann wieder über dem 9. Rennen, dem Hauptlauf der zweijährigen Hengste und Wallache. Hier gibt sich der Superstar – so darf man ihn schon jetzt bezeichnen – Broadwell die Ehre. Ein Pferd, das mit Robin Bakker im Sulky durchaus an den jungen Robert Bi erinnert. Es ist natürlich gewagt, in diesem frühen Stadium schon derartige Vergleiche zu ziehen. Aber dass der Sieger des Auktionsrennens und des Jugend-Preises ein sagenhaftes Potential besitzt, ist unbestreitbar. Es ist unter normalen Umständen nicht zu erwarten, dass ihm Portland (Jos Verbeeck) oder Champlain (Maik Esper) ein Bein stellen werden – obwohl beide Gegner ihre Rennlaufbahn ebenfalls mit exquisiten Leistungen begonnen haben.

Eines ist jedenfalls jetzt schon klar, bevor überhaupt der erste Traber seine Hufe auf die Mariendorfer Sandpiste gesetzt hat: An den Breeders-Crown-Sonntag wird man sich noch lange erinnern. Denn angefangen von den zweijährigen Youngstern bis hin zu den routinierten und reiferen Pferden handelt es sich um eine Gala erstklassiger Vierbeiner-Persönlichkeiten, die ebenso wie ihre Fahrer, Trainer, Pfleger, Züchter und Besitzer den Applaus und das Daumendrücken des Publikums verdient haben.

Unsere Tipps:

1. Runaway Victory – Lewis Hamilton – Andalou

2. Likasi – Lemaitre – Love Be A Lady

3. Mary Ann J – Balaine – Impressive Lady

4. Cash Hanover – Halva von Haithabu – Falcon Dragon

5. Flori Dragon – Robinia Diamant – Terrific Pic – Bellevue 

6. NYSE – Mayflower – Easy Living

7. Nikkei – Robin Hood Diamant – Rene M Newport   

8. Gilda Newport – Lesperanza – Gaia F Boko – Gamine Newport 

9. Broadwell – Portland – Champlain

10. Muscle Scott – Orlando Jet – Mr Shorty 

11. Georgies Matador – Gri Di Caprio – Easy Going BR

12. Rayman – Ufo de Valle – Pascal SAS

Der große Triumphator Muscle Scott (Foto: Marius Schwarz)