Trabrennen: Breeders Crown 2016 in Berlin - Mariendorf mit dem Kampf der Giganten

Indigious

Ein Festival des Trabrennsports: Der Breeders-Crown-Auftakt lässt keine Wünsche offen. Im Hauptlauf der fünf- bis siebenjährigen Hengste und Wallache treten die Vierbeiner-Heroen Indigious, Banks und Jairo an. Beim Stuten-Pendant scheint Kitty Hawk die Konstante in einem ausgeglichenen Teilnehmerfeld zu sein. In der großen Prämienausspielung winken 5.000 Euro in bar als Hauptpreis. Jackpots und Auszahlungsgarantien summieren sich auf weit über 50.000 Euro! 

Berlin-Mariendorf, 24. September 2016 (Start des 1. Rennens um 14 Uhr / Qualifikation und Vorab-Interviews bereits ab 13.35 Uhr).

Der Sieger des schnellsten jemals in Deutschland gelaufenen Rennens gegen Pferde, die sich auf den europäischen Nobelpisten zu Aushängeschildern der deutschen Traber-Zucht entwickelt haben: Der Breeders-Crown-Hauptlauf der älteren Hengste und Wallache ist ein Kampf der Giganten. Wenn man dazu noch die Namen derjenigen Männer aufzählt, die in den Sulkys dieser Ausnahmepferde Platz nehmen – angefangen vom belgischen „Hexer“ Jos Verbeeck über den Finnen Veijo Heiskanen, den Schweden Joakim Lövgren bis hin zur Fahrerlegende Heinz Wewering – dann wird jedem Fan ganz schnell klar: Der Auftakt des diesjährigen Breeders-Crown-Meetings besitzt einen herausragenden Stellenwert. Wer diesen Wettkampf gewinnt, wird ein Stück Rennsportgeschichte schreiben. 

Wir wollen unseren Ausblick auf die Samstagveranstaltung natürlich mit diesen exzeptionellen Traber-Heroen beginnen, sie treten im 10. Rennen an. Die Prüfung ist inklusive der fünfzehnprozentigen Züchterprämie mit über 64.000 Euro dotiert – zusammenaddiert geht es für die Sieger und Platzierten des zweitägigen Breeders-Crown-Meetings sogar um nahezu 480.000 Euro Prämie. Die beiden innersten Startplätze haben auf der 1.900-Meter-Strecke SJs Junior C (Stefan Schoonhoven) und Vantastic (Heinz Wewering) erwischt, für die 12er Zeiten zwar kein Problem sind, die aber dennoch vor ihrer bisher schwersten Aufgabe stehen. Denn gleich neben ihnen taucht mit der Nummer drei der erste ganz dicke „Kracher“ auf: Jairo gewann unter der Regie seines Trainers und Fahrers Joakim Lövgren ein glattes Dutzend Rennen in Schweden und wurde zudem jeweils einmal von Örjan Kihlström und Peter Ingwes pilotiert – auch diese beiden Engagements mündeten in einen Sieg. In der Heimat seiner Besitzerfamilie Herz hat Gestüt Lasbeks Love-You-Sohn, der in seiner gesamten Laufbahn nur zweimal nicht platziert war, noch nie einen Auftritt bestritten – es ist also sein Deutschland-Debüt!

Gleich neben ihm geht mit der Startnummer vier der Traber des Jahres 2014 ins Rennen: Der grandiose Banks, der sich für sein Team und seinen ständigen Begleiter Michael Larsen geradezu zerreißt. Seine Siegquote liegt bei 67 Prozent und dass er in Bahrenfeld zweimal hintereinander dem derzeit überragenden Tano Bork unterlag, ändert nichts an seinem Nimbus. Der Wallach, dessen 09,9-Triumph beim BILD-Pokal 2014 einen festen Platz in den Annalen hat, ist auf den ersten Metern schnell wie eine Rakete und könnte sich sofort eine optimale Ausgangslage sichern, um die sich auch der von Veijo Heiskanen präsentierte Fridericus bemühen wird. Bei seinen Schweden-Starts stürzte der Sechsjährige seinen Berliner Besitzer Hans-Joachim Kleemann in ein Wechselbad der Gefühle. Vorzügliche Leistungen wechselten sich mit weniger überzeugenden Auftritten ab. Es ist aber keine Frage, dass der Wallach das Format besitzt, um weit vorne mitzumischen.

Natürlich sind auch Ginger Heldia (Michael Nimczyk) und Winston As (Rudolf Haller) wirklich erstklassige Pferde. Doch sie messen sich diesmal mit Euro-Cracks – die Trauben hängen für beide verdammt hoch. Vor allem, wenn man sich den von der Acht aus ins Rennen gehenden Indigious anschaut. Ein Pferd, das nicht nur der ganze Stolz seines Besitzers Harald Krogmann ist und das viele Experten vom Potential her in der absoluten internationalen Spitze ansiedeln, sondern zugleich auch ein Traber, der Emotionen weckt. Der Sieg des bildhübschen Hengstes am Amérique-Tag des Jahres 2015 vor 35.000 begeisterten Zuschauern in Paris in dem mit 105.000 Euro Preisgeld dotierten Prix Jean-René Gougeon bleibt unvergessen – der Triumph gehört zu den besten Ergebnissen, die ein deutsches Pferd seit den legendären Erfolgen von Abano As und Brioni auf europäischem Parkett erzielt hat. Indigious ist zugleich auch ein tragischer Held, denn er musste so manche sicher geglaubte Prämie aufgrund von Disqualifikationen wieder abgeben. Der Blick in seinen Formenspiegel trügt also – hinter dem nüchternen Vermerk „dis.“ steckt häufig ein im Grunde sensationelles Auftreten. Auch bei seinem letzten Start Anfang September in Paris war er der Einzige, der am Sieger Aubrion du Gers hartnäckig dranblieb. Hätten ihn die Stewards nicht aus der Wertung genommen, wäre eine Zeit von etwa 1:12,4 auf der Vincenner 2.850-Meter-Strecke dabei herausgekommen.

Es ist also keine Frage: Indigious ist wohl der größte Star unter den zehn Teilnehmern, zu denen auch der BC-Vorjahressieger Punk (Dennis Spangenberg) und Jamil Cortina (Robbin Bot) gehören. Und dass mit dem viermaligen Amérique-Sieger Jos Verbeeck nun auch noch einer der weltbesten Fahrer erstmalig in seinem Sulky Platz nimmt, erhöht den spektakulären Charakter der Prüfung zusätzlich. Falls Indigious, der in seiner Karriere bisher knapp 520.000 Euro Preisgeld erkämpft hat, in der korrekten Gangart verbleibt und falls Banks, Jairo und Fridericus ihr Potential komplett abrufen, dann wird der Mariendorfer Geschäftsführer Andreas Haase wohl tatsächlich die Neun-Liter Magnum-Flasche Champagner herausrücken müssen, die vom Gastronomie-Fachhandel Wine & Waters für einen neuen Bahnrekord ausgelobt ist. Alles wird von der Tempoteilung abhängen und davon, welchen Druck die Kontrahenten untereiander aufmachen. Falls sie sich gegenseitig belauern und die Pace verschleppen, wird es natürlich nichts mit einer neuen Bestmarke. Aber von der Konstellation her darf man eher vom Gegenteil ausgehen – denn Jos Verbeeck, der ein Pferd in der Startphase schnell machen kann wie kein anderer, und Michael Larsen werden mit Indigious und Banks dafür sorgen, dass die erste Durchgangszeit derartig rasant wird, dass ein Usain Bolt im Vergleich zu den Pferden wirken würde wie eine lahme Ente.

Der Hauptlauf der fünf- bis siebenjährigen Stuten wird als 5. Rennen (mit Vierer-Garantie in Höhe von 7.777 Euro inklusive 2.092 Euro Jackpot) ausgetragen und übersteigt mit knapp 73.000 Euro Preisgeld sogar noch das Hengste- und Wallache-Pendant – alles wohlgemerkt inklusive der Züchterprämie gerechnet. Der Lauf ist sehr ausgeglichen und vieles ist möglich – doch wenn es eine Konstante im Feld gibt, dann ist es zweifellos Kitty Hawk. Detlef Fleischers Vierbeiner-Lady ist der Inbegriff an Zuverlässigkeit. Der bayerische Profi hat sie bei ihren vierzehn Starts zu zwölf Siegen gesteuert – darunter auch das Bruno-Cassirer-Rennen. Die Stute wächst an jeder Aufgabe und wenn sie sich keinen Fauxpas erlaubt, wird sie im Endkampf eine Schlüsselrolle spielen. Pippilotta Diamant (Christoph Fischer), Ontheway Diamant (Michael Nimczyk) und Pocahontas Diamant (Gerhard Biendl) treten als frische Siegerinnen an. Stacelita (Josef Franzl) benötigte nach der langen Pause noch einen Aufbaustart und wird nun wieder ihr wahres Gesicht zeigen. Die Stutenderby-Siegerin Pippa Barosso (Jos Verbeeck) war auf internationalem Niveau zwar wenig erfolgreich, sollte aber ebenso wie Abasi (Gerhard Mayr) und Vicky Corner (Thorsten Tietz) nicht unterschätzt werden. Für Lady Deluxe (Robbin Bot) und Sarina (Roland Hülskath) sieht es verdammt schwer aus – aber vielleicht wird der Mut ihrer Stallteams belohnt.

Beide Breeders-Crown-Hauptläufe sind in ein exquisites Zwölf-Rennen-Programm eingebettet, das nicht nur sportlich, sondern auch wetttechnisch überzeugt. Sugababe Diamant (Andreas Schwarz) und der Derby-Sechste Gigant Greenwood (Stefan Schoonhoven) sind die Favoriten der ersten beiden Tagesprüfungen. Die V4 beginnt im 3. Rennen, das neben Friendship Newport (Jesse ter Borgh) und Igor Bo (Rudolf Haller) gleich drei oder vier weitere Siegkandidaten aufweist. Ein echter Knaller ist auch das 4. Rennen, in dem sich Montecore Mo (Michael Nimczyk) gegen eine Handvoll bärenstarker Gegner rehabilitieren will. Im 7. Rennen beginnt die V5, die mit 11.111 Euro Garantie inklusive 4.086 Euro Jackpot ausgestattet ist. Paymybills Diamant (Gerhard Biendl), Lighten up Today (Michael Nimczyk) und Helios (Michael Hönemann) sind hier die gemeinten Pferde, auch Panasonic Diamant (Roland Hülskath) könnte sich mit einschalten. Im 8. Rennen (Dreiergarantie 6.666 Euro) spricht vieles für Merana (Josef Franzl) und Bourbon Design (Kornelius Kluth) und im 9. Rennen könnte dem speedstarken Twelve in a Row (Jörg Schefe) die Startposition in der zweiten Reihe sogar entgegenkommen. Mit Iron Steel (Victor Gentz), New Generation (Heinz Wewering), Key Largo (Jörg Schefe), Gri Diamond (Michael Nimczyk) und Miguel Greenwood (Jos Verbeeck) versammelt sich im 11. Rennen erneut eine erstklassige Gesellschaft. Kurz darauf setzen dann MaxundAlex (Thorsten Tietz), Graf Bismarck (Gerhard Steinhaus), Jasmin Bo (Heinz Wewering) und Look Santana Eck (André Schiller) den Schlusspunkt unter die fantastische sportliche Veranstaltung.    

Unsere Tipps:

1. Sugababe Diamant – Mister Magic – Millions Boy

2. Gigant Greenwood – Gustavson Be – Pompano Julian

3. Friendship Newport – Igor Bo – Barolo SL

4. Montecore Mo – Fittipaldi – Popeye Diamant

5. Stacelita – Kitty Hawk – Pippa Barosso – Onetheway Diamant

6. Strawberry Diamant – Jane Bo – Lady Vera

7. Paymybills Diamant – Lighten up Today – Helios

8. Merana – Bourbon Design – Fionara

9. Twelve in a Row – Montgomery Mo – Fairy Ass

10. Indigious – Jairo – Banks – Ginger Heldia 

11. Iron Steel – New Generation – Key Largo

12. MaxundAlex – Graf Bismarck – Jasmin Bo

Foto: Beim Hauptlauf der fünf- bis siebenjährigen Hengste und Wallache treten vierbeinige Superstars wie der Paris-Sieger Indigious an