Trabrennbahn Mariendorf: Drei Trials, drei Helden

 


Trabrennbahn Mariendorf: Drei Trials, drei Helden

 

Bei den Zirkelläufen des „Stuten-Grand Prix“ und des „Preis des Winterfavoriten“

überzeugen Cilantro, Chica und Dream Magic BE mit überragenden Leistungen

 

Strahlender Sonnenschein und strahlende Sieger: Beim elf Prüfungen umfassenden und gut besuchten „Currywurst-Renntag“ stand die Berliner Leib- und Magenspeise im Mittelpunkt. An den zahlreichen Verkaufsständen nutzten die Mariendorfer Zuschauer die Gelegenheit zu einem schmackhaften Imbiss. Doch die größte Aufmerksamkeit gehörte natürlich dem mit 10.000 Euro dotierten Trial des „Stuten-Grand Prix“ und den beiden Trial-Abteilungen des „Winterfavoriten“ um jeweils 7.000 Euro Preisgeld.

Alle drei Hauptrennen lieferten ein klares Ergebnis ab. So konnte das Publikum Cilantro, die Siegerin des Grand Prix-Trials, und ihren Fahrer Roland Hülskath bereits 400 Meter vor der Linie kräftig feiern. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte sich die am Toto bei 31:10 als zweite Favoritin notierte Pferdedame entscheidend von ihren Gegnerinnen abgesetzt. Obwohl es lange nicht nach einem derart dominanten Erfolg aussah – denn in dem zum Gänsemarsch formierten Feld war Cilantro auf den ersten anderthalb Kilometern nur an sechster Stelle postiert. Doch im Schlussbogen lief sie über die Konkurrentinnen hinweg. „Ich wusste, dass die 2.500-Meter-Strecke der Stute entgegenkommt und sie ohnehin im Speed am stärksten ist. Deswegen brauchte ich nichts zu überhasten“, erklärte Roland Hülskath bei der Siegerehrung die Erfolgsstrategie.

Mit einem Kilometerschnitt von 1:16,0 min. blieb Cilantro drei Längen vor Monica di Quattro, deren Fahrer Andre Bakker Mitte der letzten Gegenseite als Erster einen Angriff auf die am Ende völlig überforderte Minaccia (Jesse ter Borgh) eingeleitet hatte. Das dritte Geld ging an Donna Key (Daniel Wagner), die Cilantros enormen Zwischenspurt zwar nichts Gleichwertiges entgegenhalten konnte, im Einlauf aber stetig Boden gutmachte. Schon deutlicher zurück folgten Hella Hanover (Hannu Voutilainen) und Yankee Victoria (Reinier Feelders), die beide keinerlei entscheidende Akzente setzten. Nach ihrer anfänglichen Tempoarbeit bildete die ausgepowerte Minaccia das Schlusslicht. Zenzi Energy (Thorsten Tietz) war nach einer Galoppade schnell aus dem Rennen, Twilight Mo (Heinz Wewering) kam ebenfalls nicht glatt über den Kurs.

„Chica, Chica, Chica!“, hatte der Gelsenkirchener Rennkommentator Dirk Ptaschinski Mitte September beim ersten Trial des „Winterfavoriten“ gejubelt, als die zweijährige Stute bei ihrem Karrieredebüt allen männlichen Artgenossen völlig überlegen war. Ein begeisterter Schlachtruf, der nun auch in Berlin beim zweiten Trial des Standardrennens galt. Das alles geschah mit exakt dem gleichen taktischen Strickmuster, denn Chica ging erneut unmittelbar nach dem Start an die Spitze. Mit einem einzigen Unterschied: Diesmal hatte ihr niederländischer Trainer Reinier Feelders selber die Fahrleine in die Hand genommen. „Sogar ich kann mit dieser tollen Stute gewinnen“, schmunzelte der 47-jährige Profi im Anschluss und ergänzte: „Unser Team geht ganz behutsam mit Chica um – sie ist ein wunderbares Pferd!“

In der Tat – Feelders hat allen Grund, auf seinen Nachwuchs-Crack stolz zu sein. In dem zum Gänsemarsch formierten Feld ließ Chica in 18,3/1.900m nicht einen einzigen Angriff zu. Lediglich Keeper As (Michael Nimczyk) ging eine halbe Runde vor dem Ziel in die zweite Spur. Doch bei der mit einer Länge Vorsprung siegenden 17:10-Favoritin biss der Fuchs aus dem Rennstall von Marion Jauß komplett auf Granit. Auch Danyel Gérard (Benjamin Hagen), der schon acht Längen zurück folgte, war mit dem dritten Platz in seinem augenblicklichen Leistungsvermögen vorerst erfasst. Für Desiree As (Heinz Wewering) wäre dagegen weitaus mehr drin gewesen, denn die nach einer Galoppade disqualifizierte Stute lief außerhalb der Wertung fein mit.

Manche der Teilnehmer, die anderthalb Stunden später in der zweiten Abteilung des Winterfavoriten-Trials an den Start gingen, werden im Vorfeld froh gewesen sein, nicht auf Chica zu treffen. Doch diese Annahme war ein Irrtum, denn dafür bekamen es die Zweijährigen und ihre Fahrer mit einem anderen Traber zu tun, der zweifellos vor einer großartigen Karriere steht: mit Dream Magic BE, der von Daniel Wagner gesteuert wurde. „Wahrscheinlich werde ich in zehn Jahren stolz sein, dass ich dieses Pferd einmal steuern durfte“, strahlte der zweimalige Berliner Champion nach dem Rennen und machte damit Dr. Karl-Hermann Behrens, dem Züchter und Besitzer von Dream Magic BE, ein Kompliment, wie es wohl nicht größer ausfallen kann.

Dazu hatte Wagner auch allen Grund: Denn die Leistung des 15:10-Favoriten, der auf der 1.900-Meter-Strecke einen Kilometerschnitt von 1:17,8 min. trabte, war wirklich erstklassig. Der Hengst ließ sich als viertes Pferd außen bis weit in die Gegenseite hinein von Change me never (Rick Wester) ziehen. Im Schlussbogen entbrannte zwischen beiden Trabern ein kurzes Gefecht, das Dream Magic BE rasch für sich entschied. Der von Gerd Biendl trainierte Schwarzbraune stolzierte die Zielgerade völlig unangefochten herunter. Fünf Längen hinter der tapferen Change me never holte sich die unauffällig agierende Ramona (Hannu Voutilainen) den dritten Rang.

Nicht nur die drei Trials, sondern auch das gesamte Mariendorfer Rahmenprogramm konnten sich wahrlich sehen lassen. My Winner (Jörg Hafer) erfüllte als 13:10-Topfavorit mit einem 16,6-Schnitt über die 2.500-Meter-Distanz alle Erwartungen und setzte sich aus der zweiten Spur heraus im letzten Bogen entscheidend ab. Noch schneller – nämlich in der Tagesbestzeit von 14,8/1.900m – war Neandertal (19:10) mit Thorsten Tietz im Sulky unterwegs. Das Gespann hatte vom äußersten Startplatz aus sofort die Initiative ergriffen. Mit der gleichen Start-Ziel-Offensive und in atemberaubender Manier bewies Jaycee (22:10)  mit Daniel Wagner in 15,9/1.900m, dass er die hohe Wertschätzung seines Besitzers Jürgen C. Dieck zu Recht genießt. Auch der bei 18:10 notierte Franzl Crown (Benjamin Hagen) bestätigte mit einem hochüberlegenen Sieg in 18,0/1.900m den exquisiten Ruf, der ihm voraus eilt.

Beim Erfolg von Absolut Newport (31:10) und ihrem Fahrer Jesse ter Borgh blieb den Zuschauern vor Staunen die Spucke weg. Denn trotz ernstzunehmender Gegnerschaft und der Tatsache, dass die an der Innenkante eingesperrte Stute auf der Überseite erst einmal um das ganze Feld herum musste, triumphierte die Vierjährige in 16,0/1.609m völlig souverän. Ein Höchstmaß an Autorität strahlte außerdem Ens Caviar’s Sun (13:10) aus. Der Hengst stürmte mit seinem Trainer Yuri Repin sofort in Front und angesichts der erzielten Kilometerzeit von 15,3/1.900m wird der Braune auf deutschen Bahnen in seiner Gewinnsummenklasse weiterhin keine ernsthaften Konkurrenten treffen. Evita (29:10) war mit Cathrin Nimczyk im Sattel in 17,7/2.020m ebenfalls deutlich voraus und bescherte der glücklichen „Besitzerin für einen Tag“ Nadine Delistat prompt 725 Euro Reingewinn. Und auch im Rennstall von Heinrich Bramlage war man mit dem Berlin-Ausflug zufrieden, denn Aristus (Heinz Wewering / 29:10) kam nach mehreren Anläufen endlich einmal glatt über den Kurs und holte sich in 18,1/1.900m einen neuen Rekord.

 

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Besuchen Sie uns auch auf Facebook.

Gesamtumsatz: 120.261,36 Euro – Bahnumsatz: 47.092,50 Euro – Außenumsatz: 73.168,86 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – der Renntag des VDT – findet am Sonntag, dem 9. Oktober ab 13.30 Uhr statt.