Trabrennbahn Berlin-Mariendorf: Zwei Doppelschläge und ein Geburtstagsständchen

Foto von Marius Schwarz: Der 4-jährige Wallach Ambrosini mit Trainer Herbert Strobl im Sulky

Das Trabervölkchen ist es gewohnt, Abstriche bei persönlichen Festtagen zu machen. Nicht anders verhält es sich bei Magdalena Kieniksman, gemeinsam mit ihrem Gatten Robert praktisch zum Mariendorfer Inventar gehörig, wenn bei den PMU-Veranstaltungen die Franzosen-Traber gefragt sind, von denen es in Polen eine ganze Menge gibt. Keine Frage, dass sie, die in erster Linie für Wohl und Wehe ihrer Trotteurs Français zuständig ist, ihr Wiegenfest wenn auch bei ungemütlich nasskalter Witterung auf der Derby-Bahn verbrachte - und das im Winner Circle. Ihre „großen Franzosen“ eröffneten den Renntag zur Freude der Jubilarin mit einem Doppelschlag. Die im Galopp in Front stürmende Uxia d’Albret vermochte Michael Nimczyk so eben vor dem 15. Sprung zur Räson zu bringen und anschließend das Feld zu kontrollieren, und die in Deutschland bestens bewährte Ukamaya Verderie, wie immer mit Benjamin Hagen liiert und am Start mit 20 Meter Zulage bedacht, machte das doppelte Geburtstagsständchen für die engagierten „Königsmänner“ perfekt.

„Auf Wiedersehen in einer Stunde“, sprich zwei Rennen später, versprach ein launiger Goldhelm, doch musste er erkennen, dass das Fell des Bären nicht verteilt werden soll, bevor der erlegt ist. Die bislang bei zwei Starts unbezwungene Replay Diamant sprang ihm nach 400 Metern aus der Hand, kaum dass sie in zweiter Spur freie Sicht nach vorn hatte, und landete am Turm der galoppierenden Sünder. Den Fauxpas der 15:10-Favoritin schien Daniel Wagner mit Lonely PS nutzen zu können, der die Stute rasant in Front gebracht und auf der Zielgeraden einen deutlichen Vorsprung herausgeholt hatte, jedoch die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatte. Der hieß Thorsten Tietz und kam nach eher mauem Saisonbeginn heute richtig in Fahrt. Auf den finalen 200 Metern verpasste er seiner Bellevue regelrecht Flügel und sammelte Lonely PS, die so allein auf weiter Flur wenig und dann zu spät zu motivieren war, sicher mit einer Länge ein. Dem ersten Schritt des Berliner Champions, dessen Equipe unmittelbar danach rund 750 Kilometer nördlich in Örebro dank Catchdriver Magnus Jakobsson und Andrew Dragon endlich den ersten Saisonsieg jenseits der Ostsee schaffte, folgte sofort Nummer zwei: Mit Floh G ließ sich der 38jährige von der ausgefeilten Stalltaktik Maik Espers nicht foppen. Gerade hatte dessen Femke Schermer mit Thomas Panschow aus der Frontlage mit dem eher seltenen, aber durchaus den Tatsachen entsprechenden Richterspruch „sicher kurzer Kopf“ der vom Trainer aufgebotenen Tricolore das Nachsehen gegeben. Ähnlich wollten die beiden gewieften Profis Dirk Grusdas’ kernigem Fuchs die Suppe versalzen - Bianca Boshoeve mit Thomas Panschow in Front. Maik Esper mit Biscuit Dragon dahinter -, doch diesen Stich verdarb ihnen der Floh gründlich. Durch die Todesspur hielt er die Stute bombensicher im Griff und den Wallach so lange in der Falle, bis dessen Endspurt nur noch zum Ehrenplatz reichte. „Für Floh G hätte es nur knifflig werden können, wäre Biscuit Dragon früher freikommen - aber das hatte ich ja in der Hand“, resümierte Tietz nach dem „Volkseinlauf“, bei dem die Viererwette mit Janus R.A. direkt aus dem Rennprogramm abzuschreiben war - sogar mit Lady Maren als Nummer fünf - und dennoch stolze 1.004:10 zahlte. Die Viererwette, die mit einer Garantie von 8.888,- Euro inkl. Jackpot in Höhe von 2.000,- Euro ausgestattet war, erzielte einen Umsatz von 15.000,- Euro. Auch der Gesamtumsatz, mit einem Schnitt von 12.616,- Euro/Rennen konnte sich mehr als sehen lassen.

Ein weiterer Treffer blieb dem deutschen Silberhelm versagt; dafür war der früh in Front gezogene  Ambrosini einfach zu stark und legte zugleich die Basis für den zweiten Doppeltäter des Abends: Herbert Strobls Star of the Show war der Star der Abschlussprüfung, in der der Wallach den Pulk über die Außenspur kontrollierte, womit sich für den Bayern die weite Anreise als „Mister 100 Prozent“ voll und ganz gelohnt hat. „Hätte ich geahnt, dass die Münchner Sonntagsveranstaltung ausfällt, hätte ich noch ein paar Pferde mehr eingeladen“, strahlte der 48jährige, der an der Derby-Bahn richtig Geschmack fand und wiederzukommen versprach.

Für die Niederlage mit Lonely PS entschädigte sich Daniel Wagner dank einer Jilliane, die so rasant wie heute wohl noch nie in ihrem Arbeitsleben in die Gänge gefunden hat. Der Zossener nutzte die krankheitsbedingte Absage von Vorab-Favoritin Everpolly Boko, fegte an die Spitze und erstickte jede Revolte Abano Ws im Keim, bei dem Michael Nimczyk im Gegenteil aufpassen musste, dass der ihm nicht Mitte des Einlaufs auseinanderfiel.

Eine Art sportliche Wiedergeburt feierte Michael Hönemann. Berlins oftmaliger Meister, der wohl seinen Wirkungskreis auf Dauer zurück nach Berlin verlegen wird, schaffte endlich den ersten Sieg, seit er wieder vermehrt in Deutschland aktiv ist. Seine Fans hatten schon befürchtet, irgendwo sei ihm beim steten Pendeln zwischen Österreich und der alten Heimat sein gerühmtes feines Händchen abhanden gekommen. Doch auch für einen mehr als 4.000fachen Sieger gilt eben, dass er „beim Pferd bleiben muss“ - und die waren in jüngster Zeit nicht allzu konkurrenzfähig. Best Winner stieß den „bösen Bock“ um, nutzte die Startgaloppade Vengeur de Max’ weidlich und rannte leichtfüßig vorneweg zum Sieg im Match der „kleinen Franzosen“.

Umsatz bei 8 Rennen: 100.931,01 Euro (incl. 83.387,41 Euro Außenumsatz)

Nächster Renntag des BTV: Sonntag, 14. Februar 2016