Trabrennbahn Berlin – Mariendorf: Vorschau auf den Tag der Amateure

Foto von Marius Schwarz: Die Mitfavoritin Dr. Marie Lindinger im Sulky von Winston As

Getreu dem Motto, ein Derby-Meeting für alle veranstalten zu wollen, können sich am Donnerstag die Profis ein bisschen zurücklehnen: Drei der 12 Rennen werden von Amateuren bestritten. Jenen Männer und Frauen, die mit ihrem finanziellen und ideellen Engagement ein sehr wesentlicher Grundpfeiler des Trabrennsports sind und in erquicklichem Maße mit dafür sorgen, dass es an der Basis halbwegs genügend Nachwuchs an Startpferden gibt, die den Sport flächendeckend in Schwung halten.

25.000 Euro sind im Finale der Internationalen Derby-Meisterschaft der Amateure ausgelobt, womit das Rennen das wertvollste für die Hobbyfahrer hierzulande ist. Wer zu den glücklichen Zehn gehören will, die sich im 11. Rennen um 21.10 Uhr um diesen üppigen Preisgeldkuchen balgen, hat wie üblich die Mühlen der Qualifikation zu überstehen, die im 3. und 4. Rennen mahlen.

Dabei könnte es durchaus zu einem Déjà-vu-Erlebnis kommen: Im Vorjahr schaffte die 36 Jahre junge Marie Lindinger etwas bislang einmaliges und gewann mit dem Hengst Stark Bi sowohl die in Hamburg ausgetragene Deutsche Amateurmeisterschaft wie das Berliner Event, was vor ihr in einer Saison niemandem gelungen war.

Die promovierte Tierärztin aus Aschheim bei München, mit mehr als 500 Siegen längst schon ein Synonym für Erfolg, schirrt starke Partner an: In Vorlauf 1 (3. Rennen) ist es Igor Bo, mit dem sie den Hamburger Vorlauf gewonnen hat, im Finale unglücklich scheiterte. Dass der wie Stark Bi im Vorjahr erst vierjährige Hengst vor keinem lockeren Spätnachmittagsspaziergang steht, dafür wird Tribuno As sorgen, der ihm bei der Generalprobe in Berlin kräftig die Leviten gelesen hat. Im Sulky des Hengstes saß und sitzt mit Thomas Royer ein Österreicher, der weltweit zu den Besten seines Fachs zählt und dieses Rennen 2014 mit Faust Hanover gewonnen hat. Die frischen Sieger Unik Mac Laid, Robin Hood Diamant und Piccolina Diamant sowie der als Seriensieger jüngst entthronte Henner As sind jedoch nicht bloß zum Zuschauen gekommen…. Zwei von ihnen werden verlieren - nämlich den Platz im Endlauf: Nur ein Quartett darf zu später Stunde ums große Geld noch mal ran.

In Vorlauf 2 (4. Rennen) steht der Sieger der Deutschen Amateurmeisterschaft verlockend günstig. Hatte ihn damals Hans-Jürgen von Holdt gesteuert, weil sich Marie Lindinger für Igor Bo entschieden hatte, so nimmt die Amazone die Leine nun selbst in die Hand. Mit ihr legt vorneweg Eric W Boko los, den mit Fred Handelaar ein holländischer Spitzenamateur an die Kandare nimmt, der dieses Rennen von 2004 bis 2006 dreimal in Folge - damals noch als Derby-Pokal der Amateure - auf seine Kappe gebracht hat. 20 Meter Zulage haben Dulco di Quattro und It’s Amazing aufzuholen, die von den Matzky-Sisters gesteuert werden. It’s Amazing hat nach kurzer Verschnaufpause in toller Manier gewonnen, so dass auch Berlin hoffen darf, im Finale grande bestens vertreten zu sein.

Zeigt sich zum Aufwärmen im 1. Rennen (17.20 Uhr) mit Anastasia As eine Stute, die nicht nur eingedenk ihrer berühmten Brüder, der Derby-Sieger Abano As und Ambassador As, vor einer großen Zukunft stehen kann - ihr letztes Rennen gewann sie mit sage und schreibe zehn Längen Vorsprung -, so bilden gestandene Recken in zwei Prüfungen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, das weitere Gerüst des Abends.

Im Derby-Pokal der Flieger treffen mit Abano H, Fortune Boko, Sahir und Going As sieggewohnte Traber aufeinander, die bereits zwischen 45.000 und 80.000 Euro ihr bzw. ihrer Besitzer Eigen nennen. Doppelt soviel hat der Italiener Namale Kronos auf dem Konto, der kreuz und quer auf Europa-Tournee war. Viel wird von einem gelungenen Start abhängen, der mitten im Bogen stattfindet und schon die halbe Miete sein kann.

Doppelt so viel Wegstrecke haben die Trotter im Derby-Marathon-Pokal vor der Brust. Über die bis 1978 klassische Derby-Distanz von 3200 Metern oder rund zwei Meilen macht sich ein Riesenfeld von 15 Pferden aus drei Bändern auf die 2½ zu absolvierenden Runden. Wer zählt die Häupter, nennt die Namen? Vorneweg die Berliner Floh G und Iamthebadboy gemeinsam mit dem in Bayern in solchen Aufgaben gestählten Classic Joker, in der Mitte Donehill, Titelverteidiger Alaska Joe und SJs Junior C, mit 40 Meter Mehrarbeit bedacht die drei Geldschränke Zenyatta, Jaguar Broline und Too Much Blue, der kürzlich ein gar vier Kilometer langes Rennen in Holland als Zweiter beendet hat - es riecht im 9. Rennen „kurz nach Achte“ gewaltig nach einem sportlichen Feuerwerk.

Ein tatsächliches gibt es zum krönenden Abschluss des Abends, wobei sich Tierschützer keine Sorgen zu machen brauchen. Die edlen Rösser genießen da schon längst in ihren Boxen den Feierabend und nehmen das Zischen der Raketen gelassener, als gemeinhin befürchtet.

Diese Pferde sehen wir vorn:

1. Anastasia As – Ganyfleur – El Amigo

2. Rayman – Dream Boy As – Sherlock

3. Tribuno As – Igor Bo – Henner As

 4. Winston As – Eric W Boko – It’s Amazing

5. Fleur Starlake  – Lady of Wood – Royal Treason – Anna Simoni 

6. Abano H – Namale Kronos – Vulkan

7. Santa Fe Diamant – MaxundAlex – Frankel

8. Handicap-Pokal de luxe Halbfinale B

9. Too Much Blue – Iamthebadboy – Sabsevar As

10. Rainbow Diamant  – Fuggedaboutit – Evans Stardust

11. Int. Derby-Meisterschaft der Amateure Finale

12. Handicap-Pokal de luxe Halbfinale A