Trabrennbahn Berlin - Mariendorf: Vorschau auf das Deutsche Traber - Derby 2016

Foto von Marius Schwarz: Einer der Topfavoriten - Der Hengst Orlando Jet mit seinem Trainer Rudolf Haller im Sulky

Vorhang auf fürs Blaue Band! Erster Derby-Sieg für Berlin seit 1988?

Im 11. Rennen um 17.50 Uhr hat das Warten ein Ende, kulminiert das seit dem 29. Juli diesmal über acht Renntage laufende Derby-Meeting in seinem sportlichen Höhepunkt. Dann heißt es „Arena frei“ zum 121. deutschen Traber-Derby für jene zwölf Gespanne, die sich eine Woche zuvor in vier Ausscheidungsläufen die Teilnahmeberechtigung am mit 275.692 Euro wertvollsten Trabrennen Deutschlands erstritten haben. 132.846 davon bekommt der Sieger gutgeschrieben, und ganz Berlin drückt die Daumen, dass endlich wieder ein hiesiges Gespann ganz oben steht. Seit 1988, als Gottlieb Jauß mit Tornado Hanover für den Stall Candoit triumphiert hat, waren die Hauptstädter nur Zuschauer, wenn der große Pott in die Höhe gereckt wurde.

Im Vorjahr gab es „Blut, Schweiß und Tränen“, als Berlins Hoffnung Cash Hanover 600 Meter vorm Ziel im Galopp alle Chancen versiebte. Das ist im wahrsten Sinne Schnee von gestern und Berlins Champion Thorsten Tietz Manns genug, diesen Nackenschlag wegzustecken.Er dominierte die Vorläufe, brachte vier Starter ins Finale - und muss ausgerechnet beim vielleicht Besten die Leinen aus der Hand legen. Die Trabrennordnung will es so, dass er ein vom ihm selbst trainiertes Pferd fahren muss. Geronimo T, in Niedersachsen von Hans Joachim Tipke vorbereitet, erst in diesem Jahr ins Renngeschäft eingestiegen, hat sich mit jedem Start enorm gesteigert und kommt als perfektes, nervenstarkes, von taktischen Zwängen unabhängiges Rennpferd daher, das nun Tietz’ erstem Fahrer Dennis Spangenberg den großen Wurf ermöglicht.

Er könnte das größte Hindernis auf dem Weg zum ersten Derby-Sieg des bislang im Derby vom Pech verfolgten 38jährigen sein, der mit Fiobano einen weiteren Vorlaufsieger fährt, der bislang keines seiner sechs Rennen verloren hat und über die kleine Route auf die große Aufgabe vorbereitet wurde. „Lautet der Einlauf Spangenberg vor Tietz, habe ich damit überhaupt kein Problem - es wäre ein Erfolg für uns alle als Team.“ Für das, in Schöneiche im Süden von Berlin stationiert, hat er auch Zauni als Vorlauf-Zweiten sowie Mr Shorty als Dritten in den Endlauf gesteuert und damit ein Luxusproblem geschaffen, wie es früher allein der Stall November oder Heinz Wewering hatten. Dieser beiden Hengste nehmen sich Roland Hülskath und Thomas Panschow an - gute Bekannte aus alten westdeutschen Zeiten.

Trotz der numerischen Übermacht steht ein außerordentlich spannendes Derby bevor. Dreambreaker spielte bereits 2015 als Jungspund in seiner Generation eine prominente Rolle, erledigt ebenfalls im schlanken Gang die Pflicht vor der großen Kür und soll Deutschlands Champion Michael Nimczyk den ersten Derby-Lorbeer bescheren. Und dann ist da noch Bayerns Hoffnung Orlando Jet, der die schwerste Aufgabe zu bewätigen hatte. Im Vorlauf legte der vom ebenfalls nach seinem ersten deutschen Derby-Titel greifenden Rudi Haller gesteuerte braune Modellathlet am Start eine kurze Galoppade ein, die ihn ins Hintertreffen beförderte. Von dort setzt er sich mit einem von „Ahs“ und „Ohs“ begleiteten gewaltigen Zwischenspurt an die Spitze, hielt dem Druck der Angreifer lässig stand und gewann in der schnellsten Zeit aller Vorläufe. Viele sehen nach dieser Gala in dem bulligen Braunen den Derby-Sieger - ein Zeremonienmeister hätte es nicht besser arrangieren können.

Wiedersehen mit Cash Hanover

Geraume Zeit hat es gebraucht, bis der nun in neuen Farben antretende und seither im Westen stationierte Cash Hanover nach der strapaziösen Vorjahrsaison in Form gekommen ist. Wie der Love-You-Sohn seine erste Aufgabe in Gelsenkirchen löste, verdient das Prädikat „Eins mit Sternchen“. Nun gibt es eine Wiedersehen mit „seinen“ Berlinern - und mit einigen seiner Widersacher aus dem verkorksten Derby 2015 wie Falcon Dragon, Flashback, Friendship Newport und Halva von Haithabu, womit die Derby-Revanche um 25.000 Euro (5. Rennen, 14.46 Uhr) ihrem Namen voll und ganz gerecht wird.

Gestandene Größen sind im 8. Rennen (16.10 Uhr) zu bewundern, dem Finale des erstmals ausgetragenen Super-Trot-Cups zwischen der deutschen und der schwedischen Derbybahn. Hier in Berlin wie dort in Jägersro qualifizierten sich aus jeweils zwei Vorläufen die ersten Drei für den mit 70.000 Euro ausgelobten Endlauf über weite 2500 Meter, wobei die Voraussage immens schwer ist. Die Schweden fahren nicht nur mit den beiden Vorlaufsiegern Day or Night In und Unity Knick starke Geschütze auf, für Deutschland versuchen die in Italien geborenen Stark Bi und Samir, beide in bayerischem Besitz, dagegenzuhalten. Vielleicht lacht ja auch hier „nach seinem Kind“ - er hat wesentlich zum Zustandekommen der Serie beigetragen - Bahneigentümer Ulrich Mommert am besten, der mit dem selbst gezüchteten Montecore Mo einen kampferprobten Wallach ins Rennen schickt.

Es lohnt sich nicht nur wegen des in einer Prämienausspielung verlosten PKW, bis zum letzten Rennen zu bleiben. 2015 setzte Thorsten Tietz mit Dimitri W Eden dem Derby-Meeting das letzte Krönchen auf. Diesmal könnte es ihm mit dem ebenso schnellen wie nervenschwachen Aggetto gelingen, doch werden Fox Dragon und Miguel Greenwood ein ganz kräftiges „Contra“ setzen.

Diese Pferde sehen wir vorn:

  1. Pompano Julian – Ultras As – Kleiner Donner

  2. Catar – Fantasia Newport – Inglaise

  3. Fat Tony – Rainbow Diamant – Diavoletto SR

  4. Tiberius B – Louisiane – Gravin Groenhof

  5. Cash Hanover – Falcon Dragon – Halva von Haithabu – Gideon Boko

  6. Mighty Hanover – Espanjol – Pascal SAS

  7. Vicky Corner – Iron Steel – RC Gallent Image

  8. Unity Knick – The True F. – Samir

  9. Indira Bo – Terrific Pick – Bellevue

10. Rayman – Onetheway Diamant – Nikkei

11. Geronimo T– Dreambreaker – Orlando Jet – Fiobano

12. Mighty Hanover – Pascal SAS – Damalia

13. Lady Muscles – Guillaume Boko – Velten Viscount – Amigo Cortina

14. Aggetto – Fox Dragon – Tyrolean Dream