Trabrennbahn Berlin - Mariendorf: Favoriten und Außenseiter im bunten Ringelreigen

Abano H mit seinem Fahrer Thorsten Tietz

Berlin-Mariendorf, Samstag, 27. August 2016. Ohne „Mister PUM-Matinée“ Michael Nimczyk, der sein geplantes Engagement krankheitsbedingt absagen musste und sich durch Michael Larsen vertreten ließ, war die zweite vormittägliche Veranstaltung binnen vier Tagen in Zusammenarbeit mit der staatlichen französischen Wettorganisation eine gute Gelegenheit für etliche in letzter Zeit ziemlich Gebeutelte, mal wieder in den Mariendorfer Winner Circle einzuziehen. Das galt nicht nur für Josef Franzl, der daraus gar kein Hehl machte und mit einem „Endlich!“ nach dem bei 16:10 völlig erwarteten Sieg Ufo de Valles bei Moderator Niko Laaser aufkreuzte: „In letzter Zeit haben wir uns eine Brüsche nach der anderen geholt und viel Pech entwickelt. Heute spielte uns natürlich in die Karten, dass Aggetto mit Attest im Stall bleiben musste, aber ganz so einfach war’s auch nicht“, denn letztlich musste das „Ufo“ um eine Zehntelsekunde an seinen Rekord heran laufen, um in starken 1:14,2 die braune Nase letztlich leicht mit zwei Längen vorn zu behalten.

War Khalid zum Auftakt endlich mal fehlerlos um den Parcours gekommen, aus der Lage hinter der führenden Cortina Viking passend in die Freiheit gekommen und hatte die Franzl-Stute um einen „Hals“ zum ersten Sieg abgefangen (Gerd Steinhaus: „Der war nach den letzten Vorstellungen überfällig - diesmal hat alles gepasst.“), so war jener ebenso unerwartet wie Heinz Wewerings Doppeltreffer. Der ewige Goldhelm, der in den letzten Wochen eine pechschwarze Strähne erwischt hatte, hatte sich an Steinhaus’ Taktik ein Vorbild genommen und scheuchte seinen Lewis Hamilton aus der Deckung zu einem Sieg, der an dessen glorreiche Tage des Frühjahrs erinnerte. Der Goetmals-Wood-Sohn war bei 215:10 nicht nur der am wenigsten vermutete, sondern mit 1:14,1 auch der schnellste Sieger der sieben Rennen umfassenden Karte. Und weil er sich bei tropischen Temperaturen richtig warm gefahren hatte, legte „HW“ noch ein weiteres Hölzchen an: Start-Ziel kannte Jasmin Bo stramm vorweg keinen falschen Schritt und kam erstmals in ihrem kurzen Arbeitsleben fehlerfrei durch, womit der 16.812. Volltreffer des großen Münsterländers unter Dach und Fach war zur nicht alltäglichen Wewering-Quote von 77:10.

Gut lachen hatte desgleichen Thorsten Tietz, der sich mit Abano H wie vermutet mit dem Sieg in der Sommer-Champions-Serie das Sahnehäubchen des Renntags einklinkte. Trotz 20 Meter Zulage, die über den 2500 Meter weiten Weg nicht gar so schwierig auszugleichen sind, saß er mit Abano H nach 900 Meter auf der Kommandobrücke und steuerte eines seiner Flaggschiffe bombensicher in den Hafen. Dies war zugleich ein gutes Rennen für die Moral, denn in acht Tagen wird es der erst seit rund zehn Wochen bei ihm in Training befindliche Sohn von Derby- und Prix-d’Amérique-Sieger Abano As bedeutend schwerer haben. Dann geht’s im Derby-Stayern von Jägersro über drei Kilometer gegen Skandinaviens Marathon-Elite.

Zwei Asse hatte Marie Lindinger im Ärmel. Gewann die promovierte Tierärztin mit dem sich aus einer Op-Pause traumhaft zurückmeldenden Tyrolean Dream aus der Frontlage ziemlich unangefochten - Famous Rich durfte zwar bis auf eine halbe Länge heransprinten, schien jedoch nie eine Siegchance zu besitzen -, so ließ sie in der Abschlussprüfung ihren Anhang lange schwitzen. „Die haben vorn mächtig Dampf gemacht - da mussten Igor Bo und ich mehr tun als gedacht“, hieß es im Sieger-Interview. Die - das waren erst Pathos, der letztlich seiner angezettelten Pace 500 Meter vorm Ziel selbst erlag, dann der ihn ablösende Millions Boy, der lange mit dem Sieg liebäugeln durfte. Bis Igor dann doch noch auf volle Touren kam und ihm ganz leicht um vier Längen Rang eins ablief.

Umsatz bei 7 Rennen: 61.400,40 Euro (incl. 41.374,90 Euro Außenumsatz)

Nächster Renntag des BTV: Sonntag, 28. August 2016

Foto von Marius Schwarz: Abano H mit seinem Fahrer Thorsten Tietz