Trabrennbahn Berlin - Mariendorf: Der Jugend-Preis – Deutschlands ältestes Zuchtrennen

Broadwell mit Robin Bakker

Die Zweijährigen stehen im Mittelpunkt der elf Rennen umfassenden, wie gewohnt mit zahlreichen Auszahlungsgarantien und Jackpots gespickten Sonntagnachmittagskarte, deren erste Prüfung um 14.00 Uhr angepfiffen wird.

Gegeben wird, erstmals streng nach Geschlechtern getrennt, der Jugend-Preis. Deutschlands ältestes Zuchtrennen, das 1892 und damit drei Jahre vor dem Derby ins Leben gerufen worden ist - erste Siegerin war höchst passend eine Stute namens Primadonna -, kehrt nach etlichen Irrungen und Wirrungen wieder an seine alte Austragungsstätte Berlin zurück. Das ein Sieg in diesem renommierten Vergleich durchaus Aussagekraft für die weiter Karriere haben kann, beweisen Namen wie Lord Pit, Maler, Diamond Way, Every Way, Toppino, Oscar Schindler SL, die sich ein Jahr später auch in der Ehrenliste des Traber-Derbys verewigt haben. Aktuelles Beispiel ist Stutenderby-Siegerin Gilda Newport, die im Vorjahr - noch in Hamburg - selbst dem starken Geschlecht überlegen war.

Zu den Matadoren der beiden mit je 20.000 Euro dotierten Prüfungen für Hengste und Wallache hier und Stuten dort könnte durchaus das Erfolgsduo aus Paul Hagoort als Vorbereiter und Robin Bakker als Vollender werden.

Lief es im ersten Semester 2016 für die Pferde aus der Edelschmiede des 38jährigen eher durchwachsen, so zeigte die Formkurve fortan steil nach oben. International sorgte Robert Bi nach überstandener Krankheit endlich wieder für Furore, national blieb dies Muscle Scott vorbehalten, der in allerletzter Sekunde den Derby-Zug erwischte und sich vor drei Wochen gar das Blaue Band schnappte.

Nun fährt der Mann aus Oldetrijne bei Wolvega bei den Youngstern scharfe Geschütze auf. 160.000 Euro war Broadwell den Herren Thomaskamp und Gerrits im Vorjahr auf der Berliner Derby-Auktion wert, und bereits beim Debüt am 6. August im Auktionsrennen wurde er dem ihm vorauseilenden Ruf in jeder Phase gerecht. Der prächtig anzuschauende Hengst erwies sich „jeder Zoll ein Rennpferd“ und war der Konkurrenz derart souverän voraus, dass er im 7. Rennen als Tipp des Tages antritt - selten genug für einen Youngster - und sogar ein „Bankpferd“ für die V5-Wette sein dürfte, bei der die Sieger der Rennen 6 bis 10 vorauszusagen sind. Nur wenn sich etwas Ungewöhnliches ereignet, können Kandidaten wie der mit Jos Verbeeck liierte Perfect Hall, Lovers Hall, More-Caviar-Bruder More Junction oder Ganyboy in die Sieg-Bresche springen.

Stichwort Unwägbarkeiten - das passt zu Hagoorts Nummer eins bei den 2014 geborenen Stuten, die im 5. Rennen auf dem Prüfstand stehen. Bislang war Valentina Wind nicht nur mit Fortuna nicht im Bunde, sondern gar eine echte Pechmarie. Bei ihrer ersten Aufgabe am 6. August schien sie im Breeders-Course-Vorlauf auf Siegkurs, als ihr 250 Meter vorm Ziel eine wegbrechende Kollegin in die Quere kam. Perdu der Traum von Sieg und Finale am 4. September in Jägersro, der dann am 16. August zunächst klappte: Da lief sie auf Schwedens Derbybahn als Zweite die Fabelzeit von 1:14,3 - und wurde am Tag danach disqualifiziert, weil ihr Beschlag - hinten barfuß - nicht den schwedischen Regeln entsprach. Das Breeders-Course-Finale ist also endgültig für sie Geschichte. Nun soll als Satisfaktion wenigstens der Jugend-Preis her, doch auch dabei spielte die Losfee nicht mit und verpasste ihr Startplatz „12“. Das wird kein Zuckerschlecken für die Tochter von Starvererber Muscle Hill, endlich die erste große Prämie einzuheimsen, denn vorneweg legen die bereits überzeugend siegende On Vogue mit Heinz Wewering und Hennis Neyenrode los. Die hat sich in Wolvega mit tollen 1:16,8 qualifiziert, und in ihrem Sulky nimmt Dion Tesselaar Platz - der Mann von und hinter Gilda Newport.

Weiterer Höhepunkt ist ein Trial zum St. Leger der Stuten (10. Rennen), mit dem die V5-Wette beendet wird. Zehn dreijährige Ladys nehmen die 2500 Meter in Angriff, von denen die Stuten-Derby-Dritte Stonewashd Diamant die meisten Liebhaber finden könnte. Besser als im Finale machen wollen es die beiden Berlinerinnen Mon Etoile, und Noble Dolly sowie Tessa, die dort allesamt im Galopp ausgefallen sind. Beweisen, dass sie an jenem 6. August  beim Kampf ums große Geld eigentlich dazugehört hätten, wollen es Gaia F Boko und Jane Bo, die Erste bzw. Zweite im Trostlauf.

Im Trabreiten (3. Rennen) muss Deutschlands Vorzeige-Satteltraber Garry mit Championesse Ronja Walter dem mit Hurra und einem überaus leichten Sieg in dieses Geschäft eingestiegenen Noiseinbigdance 40 Meter Vorsprung gewähren. Rein rechnerisch ist das kaum zu schaffen, zumal mit Marisa Bock die x-malige Meisterin dieses Metiers den „Eintänzer“ an die Kandare nimmt, doch Garry hat schon so manch unmöglich Scheinendes möglich gemacht.

Im 4. Rennen bekommt es Zauni, ein Unglücksrabe im Derby-Finale, mit den starken, jedoch Galoppaden nie abgeneigten Miguel Greenwood und Nico Way zu tun, und in Prüfung 6 wollen Lighten up Today und Michael Nimczyk ihren Siegeszug gegen Rayman, Nikkei, Medusa und Panasonic Diamant ungebremst fortsetzen.

Das letzte Schmankerl ist im 9. Rennen den Amateuren vorbehalten. Hat Hufschmied Andre Pögel mit Vulkan das heißeste Eisen im Feuer? Sarah Kube mit dem sich Bestform nähernden Dimitri W Eden, Linda Matzky mit It’s Amazing, der sich für sie zerreißt, sowie Chantal Solhart mit New Generation, der zum zweiten Mal zu seinem Lieblingstrainer Heinz Wewering zurückgekehrt ist und langsam wieder Fahrt aufnimmt, stehen als starkes Löschteam parat.

Diese Pferde sehen wir vorn:

  1. Krabat – Janika Bo – Jarich

  2. Garry – Imperia – Noiseinbigdance

  3. Abrakadabra – Fairy Ass – Montgomery Mo

  4. Miguel Greenwood – Zauni – Nico Way – Cipriani

  5. On Vogue – Mary Ann J – Hennis Neyenrode

  6. Lighten up Today – Nikkei – Pocahontas Diamant

  7. Broadwell – Ganyboy – Lovers Hall

  8. Bellevue – Candyman Hornline – Hannah

  9. Oncoming Diamant – Dimitri W Eden – Vulkan

10. Stonewashd Diamant – Gaia F Boko – Noble Dolly – Mon Etoile

11. Light the Fire – Here she goes – Pompano Julian

Foto von Marius Schwarz: Broadwell mit seinem Fahrer Robin Bakker