Trabrennbahn Berlin - Mariendorf: Bericht vom Renntag am 15. April 2018

Tim Schwarma, Kantadou

Tim Schwarma

Wie die Mutter, so der Sohn

Im Adbell-Trial legt der von Tim Schwarma gesteuerte Hengst Kantadou den Grundstock für eine erfolgreiche Rennkarriere. Der erste Lauf der UllrichEquine Vier- und Fünfjährigen-Serie geht an Whirlwind BR und „Magic Hands“ Jørgen Sjunnesson, der wie ein Zauberkünstler agiert und für die Farben von Alexander Dame und Ronja Wohler drei Rennen gewinnt. 

Mariendorf, 15. April 2018.

Wenn das kein gutes Omen ist: 2009 gewann seine Mutter Kataja das Stuten-Derby – und nun bewältigte der dreijährige Hengst Kantadou die ersten Schritte in Richtung auf eine vielleicht ebenso erfolgreiche Vierabeiner-Karriere. Der von Tim Schwarma für die Farben von Paul Kuhsträter gesteuerte Traber gewann am Sonntag in der Kilometerzeit von 15,4/1.900m den mit 8.000 Euro dotierten ersten Trial des Adbell-Toddington-Rennens. Trainiert wird der Hengst von Heinz Kuhsträter. Nach einem vorsichtigen Start ließ sich der zuvor in Gelsenkirchen siegreiche Kantadou recht lange Zeit, was natürlich hauptsächlich an seiner Unerfahrenheit lag. Denn Tim Schwarma ging auf dem ersten Kilometer bewusst kein Risiko ein: „Kantadou ist noch sehr grün und weiß gar nicht so richtig, was mit ihm geschieht und was das Ganze eigentlich soll. Aber es ist keine Frage: Der Hengst bringt zugleich sehr viel Können mit und wird sich zu einem ganz tollen Pferd entwickeln!“

Vor den Tribünen war der Muscles-Yankee-Nachkomme nur an siebenter Stelle auszumachen. Doch als ihn Tim Schwarma beim Erreichen des letzten Bogens entschlossen in die Schlacht warf, machte Kantadou sofort entscheidenden Boden gut. Auf der Zielgeraden wurde die Mühe endgültig belohnt. Während das Feld breit auseinanderfächerte, schälte sich der Hengst in der Bahnmitte rasch als Sieger heraus und gewann sicherer, als es der Halsvorsprung auf die zweitplatzierte Natty (Thorsten Tietz), die ebenfalls viel Speed entwickelte, zum Ausdruck bringt. Zwei Längen dahinter verkaufte sich auch Nashua (Christian Lindhardt), der die Schlussrunde in der Angriffspur bestritten hatte, beim ersten Start seines Lebens prächtig. Der Pechvogel des Rennens war eindeutig die viertplatzierte Quick Lady (Michael Nimczyk). Die Stute kam erst frei, als alles längst entschieden war, und wurde noch sehr schnell. Das fünfte Geld ging an Girlofmanymissions (Constantin Vergos), die sich um die Führungsarbeit verdient gemacht hatte. Im Einlauf konnte die Dreijährige aber nicht mehr zulegen.             

Mit stolzen 6.000 Euro Preisgeld war der erste Lauf der UllrichEquine international Vier- und Fünfjährigen-Serie dotiert. Er wurde zur Beute des schwedischen Gastes Jørgen Sjunnesson und Whirlwind BR. Der Skandinavier, der bei seinen Berlin-Trips nur höchst selten ohne einen Treffer nachhause fährt, führte den Wallach außen herum zum Erfolg. „Ich hätte Whirlwind BR natürlich lieber ein geschontes Rennen verpasst, aber er hat seine Sache auch so einfach toll gemacht!“ Der Traber aus dem Besitz von Alexander Dame war bereits vor den Tribünen an die Seite des führenden Campione (Manfred Zwiener) gerückt. Beide Pferde lieferten sich die gesamte Zielgerade hinunter ein spannendes Gefecht, in dem Whirlwind BR, der seinen Rekord in 15,3/1.900m um fast drei Sekunden steigerte, trotz des aufwendigen Verlaufs mit einem Kopfvorteil die Oberhand gewann.

Wenig später legte Jørgen Sjunnesson – ebenfalls für die Farben von Alexander Dame – mit Flavio As nach, der sich in der Hand des Schwedens einmal mehr wie verwandelt präsentierte. Der Sechsjährige rannte seine Gegner in 13,9/1.900m von der Spitze aus in Grund und Boden. Doch das war noch längst nicht alles, denn mit Francesco, der Alexander Dames Lebensgefährtin Ronja Wohler gehört, ging Sjunnesson, der sich an diesem Tag den Spitznamen „Magic Hands“ verdiente, ebenfalls auf die Ehrenrunde. Selbst ein Rennen in der Todesspur konnte den Wallach und seinen Teufelsfahrer nicht stoppen. Es bleibt angesichts dieser Demonstration nur zu hoffen, dass die Zusammenarbeit zwischen den deutschen Besitzern und dem Schweden rasch fortgeführt wird und die Zuschauer Jørgen Sjunnesson bald wieder in Mariendorf begrüßen dürfen.        

Das internationale Amateurfahren war der am 6. März verstorbenen Radioreporter-Legende Wolfgang Mönch gewidmet. Und eines ist sicher – über das Siegerteam Marlene Matzky und Harley As hätte sich der dem Trabrennsport aufs engste verbundene Berliner, der über viele Jahre hinweg auch als Moderator auf der Derby-Bahn tätig war, bestimmt gefreut. Denn der Start-Ziel-Erfolg in 14,9/1.900 war beeindruckend. Der überaus gehfreudige Fuchswallach blieb nur eine Zehntelsekunde über seiner Bestmarke. Marlene Matzky: „Ich hatte Harley As ja zuvor noch nie gesteuert und wusste daher nicht, was mich erwartet. Aber er hat seine Sache wirklich toll gemacht und bereits im Schlussbogen war ich davon überzeugt, dass nichts mehr schief gehen würde.“ Das zweite Amateurfahren des Nachmittags ging an André Pögel und Perfect Hall. Der Wallach war in 14,6/1.900m von der Spitze aus völlig souverän und fertigte seine Gegner mit fünf Längen Vorsprung ab.

Die vielleicht beste Leistung seiner gesamten Laufbahn lieferte der von Heinz Wewering präsentierte Rainbow Diamant im „105 Jahre Trabrennbahn Mariendorf – Rennen“ ab. Nicht nur, weil der Stallcrack des Besitzers Dr. Manuach Messengießer in der Mariendorfer Tagesbestzeit von 13,4/1.900m mit riesigem Vorsprung triumphierte – sondern vor allem, weil die Manier für vor Staunen offene Münder sorgte. Denn obwohl Rainbow Diamant bereits auf den ersten Metern mächtig viel tun musste, um die Führung zu ergattern, und im Anschluss durch den außen attackierenden Kelso (Christian Lindhardt) pausenlos Druck bekam, entschied der Hengst das Duell klar zu seinen Gunsten. Dafür hielt sich der dänische Trainer des Gestüts Lasbek direkt im Anschluss mit einem Treffer durch Miss Marbel schadlos. Christian Lindhardt siegte mit der Stute Start bis Ziel.  

Die von Michael Nimczyk präsentierte Honesty Newport lieferte nach ihrer halbjährigen Ruhepause ein furioses Comeback ab. Die Stute kämpfte gleich um die Spitze mit, musste sich dann aber zunächst mit der vierten Position begnügen. Auf der Gegenseite verbesserte sich die Vierjährige an die Flanke des ebenfalls vollauf überzeugenden Piloten Gonzales Greenwood (Rudolf Haller) und zog im Einlauf in 14,6/1.900m souverän mit zwei Längen Vorsprung an dem Kontrahenten vorbei. Gleich beim ersten Start seiner Rennlaufbahn legte der von Kornelius Kluth präsentierte Hengst L.A.Confidential seine Maidenschaft ab. Der Dreijährige aus dem Besitz von Marion Jauß wurde eine halbe Runde vor dem Ziel eingesetzt und gewann in 17,0/1.900m mit neun Längen Vorsprung – ein fantastisches Debüt, das Geschmack auf mehr macht. Die weitere Entwicklung des Hengstes wird hochinteressant sein. Sogar schon vier Treffer am Stück schlagen nunmehr für Adonis CG zu Buche. Rudolf Haller steuerte den Igor-Font-Sohn sofort nach vorne und der Vierjährige war aus dieser Position heraus eine Macht.  

Gesamtumsatz: 128.540,90 Euro – Bahnumsatz: 47.756,50 Euro – Außenumsatz: 80.784,40 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 29. April statt. Im sportlichen Mittelpunkt steht der zweite Lauf der UllrichEquine International Vier- und Fünfjährigen-Serie um 6.000 Euro Preisgeld. Beginn ist um 13.30 Uhr. Starterangabe für diesen Renntag ist am Montag, dem 23. April. Sie erreichen das Mariendorfer Rennsekretariat unter der Rufnummer 030-7401229 bzw. per Mail an starterangabe@berlintrab.de.

Fotos von Marius Schwarz: Der in Weeze lebende Trabrennfahrer Tim Schwarma, der mit dem Hengst Kantadou den ersten Trial des Adbell-Toddington-Rennens gewann