Trabrennbahn Berlin - Mariendorf 2016: Vorschau auf den 7. Tag der Derby-Woche

Foto von Marius Schwarz: Die Topfavoritin Gilda Newport mit ihrem Trainer Dion Tesselaar im Sulky

Der rote Teppich ist ausgelegt

Das Derby-Meeting biegt auf die Zielgerade und steuert auf seinen Höhepunkt zu, das 121. deutsche Traber-Derby. Letzter Brandbeschleuniger vor dem „D-Day“ ist das an den havelländischen Traberzüchter und ehemaligen Mariendorfer Funktionär erinnernde Arthur-Knauer-Rennen, das seit nunmehr 26 Jahren als Stuten-Derby für all jene dreijährigen Traber-Ladys angeboten wird, die es nicht wagen, um den großen Pokal gegen das starke Geschlecht anzutreten. Genau 111.898 Euro warten auf Umverteilung an die besten jener zehn jungen Damen, die sich vor einer Woche über fünf Vorläufe qualifiziert haben - ein Batzen, der so eine weiteres im weiteren Verlauf der Kariere schwierig einzutraben ist.

Wenn am Samstag das Stuten-Derby als 11. Rennen um 17.10 Uhr angepfiffen wird, zweifelt niemand der Experten daran, dass knapp drei Minuten später die Königin des Jahrgangs zum fünften Mal seit 2008 aus dem Quartier der Marion Jauß kommt. Die gebürtige Berlinerin, die seit Jahrzehnten ihren Wohnsitz samt Zuchtstätte für Trabrennpferde in Neritz rund 30 Kilometer nordöstlich von Hamburg hat, stellt mit Gilda Newport eine Favoritin, wie es sie in diesem Klassiker selten zuvor gegeben hat.

Schonend, jedoch konsequent aufgebaut, hat die große Braune mit dem federleicht-kraftvollen Geläuf bislang keines ihrer fünf Rennen verloren, ja war dem Rest zumeist überlegen voraus und gab im Oktober 2015 im Hamburger Jugend-Preis gar der versammelten „Herrenriege“ locker das Nachsehen. „Sie ist ein perfektes Rennpferd, trabsicher, vom Rennverlauf unabhängig, links- wie rechtsherum gleich gut und lässt sich fahren wie ein Automatik-Wagen“, schwärmt ihr Entdecker, Mentor und Steuermann Dion Tesselaar.

Im Vorlauf zahlte sie 10:10 auf Sieg, will heißen, dass man genau seinen Einsatz wiederbekommen hat. Da macht die Wette keinen Spaß - es sei denn, es lockt über gewonnene Siegwetten eine große Prämienausspielung, deren Hauptgewinn ein 25.000 Euro wertvoller PKW der Nobelmarke Inifiniti ist.

Viel mehr Rendite wird es auch am Samstag kaum geben, obwohl die Tochter des nordamerikanischen Vererber-Stars Donato Hanover nun auf vier aktuelle Siegerinnen trifft. Zu locker schüttelte sie den Vorlauferfolg aus ihren langen Beinen, und auch Startplatz „2“ ist ideal. Da müsste es schon mit mehreren Teufeln zugehen, die bekanntlich manchmal im kleinsten Detail wie einem abgetretenen Eisen stecken, sollte sie nicht den imaginären roten Teppich beschreiten und sich die Krone aufsetzen. Es wäre zugleich eine persönliche Genugtuung für ihre Besitzerin, denn das Stuten-Derby erinnert seit geraumer Zeit als Eduard-Winter-Rennen an ihren Vater.

Scheint die Siegerin festzustehen, so ist dahinter für reichlich Spannung gesorgt. Zwei Berlinerinnen greifen nach guten Prämien, wobei die erst ganz kurzfristig auf den Derby-Zug aufgesprungene Vorlaufsiegerin Noble Dolly, bei drei Starts noch unbezwungen, mit dem seit „Menschengedenken“ in bzw. bei Berlin arbeitenden Finnen Jorma Oikarinen die besseren Karten haben dürfte als die etwas launische Diva Mon Etoile, die Berlins Champion Thorsten Tietz an die Hand nimmt.

Parade der Youngster

Dort, wo die dreijährigen Traberdamen und -herren jetzt stehen, wollen jene zehn Zweijährigen hin, die unmittelbar zuvor im Auktionsrennen (10. Rennen, 16.42 Uhr) um 50.000 Euro antreten. Sie alle gehörten zu jenen 69 Einjährigen, die vor einem Jahr auf der Derby-Jährlingsauktion versteigert wurden, und starten erstmals um Geld. Einmal mehr zeigt sich, dass Gutes nicht unbedingt teuer sein muss. Höwings Wakan war für 3.000 Euro zu haben und misst sich mit dem teuersten Jährling jener „Sales“: Für Broadwell wurden 2015 sagenhafte 160.000 Euro hingeblättert.

So groß war übrigens der Andrang, dass ein separates Rennen für Stuten angeboten wird: Neun junge Damen in der Preisspanne von 3.500 (Hyacinth Boshoeve, Hayley Scott) bis 14.000 Euro (Lady Nadine) nehmen im 4. Rennen (14.14 Uhr) die 1900 Meter lange Strecke unter die Hufe.

Noch ein weiteres, das 8. Rennen (15.54 Uhr) ist als europaweit konzipierter Breeders Course der jüngsten rennfähigen Generation vorbehalten: 10.000 Euro rufen elf Youngster an den Start. Neben dem ersten Verdienst geht es vor allem darum, sich für das Finale am 4. September im südschwedischen Jägersro zu qualifizieren.

Gleicht die Suche nach dem Sieger bei den unerfahrenen Jungspunden der Suche nach der Nadel im Heuhaufen, so sollte sie im an den am 12. Juli 1999 tödlich verunglückten Gottlieb Jauß erinnernden Memorial (9. Rennen, 16.18 Uhr) etwas leichter sein. Aus dem 14er-Feld gestandener Recken ragen Celestial Light TK, Paolendry Like, Panama Diamant, SJs Sunday und Ginger Heldia etwas heraus.

Kurz nach dem letzten Rennen darf dann wieder in die Zukunft investiert werden: Vor der altehrwürdigen Endellschen Tribüne aus Kaisers Zeiten kommen 79 Jährlinge in den Auktionsring. Und wieder wird für jeden Geldbeutel einer dabei sein…

Diese Pferde sehen wir vorn:

  1. Uberblick Alor – Tuscany Laser – Gri Diamond

  2. Gaia F Boko – Strawberry Diamant – Laurea LB

  3. Confidential Bond – Voltigeuse – Fideel Transs R

  4. Donna d’Amour – Hayley Scott – Balaine

  5. Power Point – Merana – Barolo SL – Henley

  6. Hironimus LB – Chinyero – Zwarte Koffie

  7. Frank W – Fionara – Chakaka

  8. Valentina Wind – Happy Steel – Early Pactol

  9. Brenda Charisma – Dimitri W Eden  – Paolendry Like

10. Broadwell – Höwings Win Win – Henrik Greenwood

11. Gilda Newport – Lesperanza – Gamine Newport – Noble Dolly

12. Finale “ Kampf der Geschlechter “

13. Finale “ Handicap-Pokal de luxe “

14. Gentleman Newport – Scott – Next Love