Trabrennbahn Berlin - Mariendorf 2016: Tag 5 der Derby - Woche

Foto von BTV: Peter Platzer

Foto von Marius Schwarz: Ingo Appelt war von den Trabrennen begeistert

Peter Platzer und Diamond Select - Eine unerwartete Wahl

Zum dritten Mal in Folge fest in bayerischer Hand war wie erwartet die 1997 ins Leben gerufene Internationale Derby-Meisterschaft der Amateure, die nach dem Motto „Derby-Meeting für Alle“ das Highlight der Hobbyfahrer und dessen mit 25.000 Euro dotiertes Finale das höchst dotierte Amateurfahren der Republik ist - wie es sich für die Premiumbahn geziemt.

In die Phalanx der Blau-Weißen vermochte in Vorlauf 1 allein der Berliner Millions Boy mit Linda Matzky, der jüngeren der beiden Trainer-Töchter, einzubrechen, doch eine Chance gegen den sich Start-Ziel behauptenden Henner As mit Ex-Weltmeister Marian Tux, dessen unermüdlichen Quälgeist Igor Bo mit Titelverteidigerin Dr. Marie Lindinger und Robin Hood Diamant hatte auch sie nicht. In Vorlauf 2 saß die promovierte Tierärztin ihrerseits mit Winston As an den Schalthebeln der Macht. Wieder war die 18jährige Linda die Beste, die nicht aus dem Freistaat kam, und schnappte sich mit ihrem Paradepferd It’s Amazing trotz 20 Meter Zulage den Ehrenplatz vor dem waschechten Bajuwaren Diamond Select.

Das Finale sah die Lindinger-Equipe in der Favoritenrolle. Doch nach 150 Meter sprang Igor Bo, für den sich Marie entschieden hatte, beim Kampf um die Spitze, etwas mehr als eine Runde später auch der behäbig wirkende Winston As, dessen sich Mutter Renate angenommen hatte. Henner As, der nach Igor Bos Galopp-Aussetzer uneingeschränkt Regie führte, brachte das Rennen jedoch nicht nach Hause. Gut, wenn man noch ein paar Landsleute dabei hat, die die Kastanien aus dem Feuer holen. Sah es bis 50 Meter vorm Ziel ganz danach aus, als sollten die 268:10-Außenseiter Robin Hood Diamant und Stefan Hiendlmeier das Ding sicher nach Hause schaukeln, so kam noch einer wie weiland der olle Zieten aus dem Busch gefegt und setzte sie nach furiosem Kampf schachmatt: Diamond Select. Peter Platzer, für den Berlin schon immer ein gutes Pflaster war und der mit seinem RC Gallent Image bereits viermal in Folge einen Vorlauf dieser Prüfung, aber noch nie das Finale hat gewinnen können, hatte seinen Wallach konsequent versteckt und ihm erst auf den finalen 250 Metern die Sporen gegeben.

 „Ein Guter war er Zeit seiner Karriere. Doch nun ist er in einer Leistungsklasse angekommen, wo er solch ein geschontes Rennen braucht, bei dem alles passt - dann ist er zu echten Husarenstücken fähig“, strahlte der 50jährige im Winner Circle, für den dies der 70. Volltreffer war. Für Rang drei nahm der 600 Meter vorm Ziel bereits müde scheinende Holländer Eagle Transs R die Beine noch einmal kräftig in die Hand und flitzte am müden Piloten Henner As vorbei. Dahinter teilten sich die beiden Matzky-Sisters Marlene mit Millions Boy und Linda mit It’s Amazing, der sich nie zu entfalten vermochte, die fünfte und sechste Prämie schwesterlich.

Thorsten Tietz in seinem Wohnzimmer eine Macht

Hatte Michael Nimczyk einen mindestens dunkelgrauen Tag erwischt - ein Sieg war Deutschlands Champion nicht vergönnt -, so trumpfte Thorsten Tietz nach der Atempause am Vortag in seinem Wohnzimmer umso stärker auf. Erst zum 6. Rennen, dem Derby-Pokal der Flieger, stieg er erstmals in den Rennwagen - und flog der Konkurrenz in atemberaubender Manier davon. Abano H, bereits am Freitag in der Champions-Serie eine Klasse für sich, gab der Konkurrenz in überragendem Stil Saures, ließ sie nie zum Atemholen geschweige denn zur Attacke kommen und schrammte trotz eines linken „Vollplatten“, bei dem das Rad auf der Felge lief, und nicht gezogener Ohrenstöpsel mit 1:12,0 um eine Zehntelsekunde an Gustav Diamants Uralt-Bahnrekord vom 5. August 2007 vorbei. „Ohne Platten hätten wir es vermutlich selbst auf dem vom Nieselregen klebrigen Geläuf geschafft. Aber für den Rekord wollte ich ihn nicht extra fordern - er hatte auch so genug zu ackern“, strahlte Tietz dreckverkrustet nach dem Coup. Die für einen neuen Bahnrekord ausgelobte Neun-Liter-Flasche Schampus bleibt also ungeköpft.

Nach einer „Zwischenmahlzeit“ mit MaxundAlex, der für die Enkel des Besitzers das Geld für die Führerscheine zusammenlaufen soll und nach hartem Kampf mit Oakley dafür frische 1400 Euro eintrabte, bewies Tietz im Derby-Marathon über die bis 1978 gelaufene klassische Derby-Distanz von 3200 Metern, dass er einem Partner auch über 2½ Runden alles bestens einzuteilen vermag. Der hieß Iamthebadboy, kam im Gegensatz zu seinen vier Gefährten aus dem ersten Band, die sich samt und sonders in der Anfangsphase aus der Partie sprangen, als ganz braver, für den Rest der Konkurrenz jedoch höchst unverdaulicher Junge daher und buchte den über 7.500 Euro ausgeschriebenen höchsten Scheck weit vor Donehill und SJs Junior C.

Toto-Knaller vor dem Feuerwerk

Unmittelbar vor dem Höhen-Feuerwerk, das den Nachthimmel über Berlins Süden verzauberte, gab es eines am Wettmarkt. Wie bei jedem Derby-Meeting explodiert mindestens einmal der Totalisator. Nachdem lange Zeit alles nach einem Zweikampf der beiden Favoriten Billy the Kid TP (16:10) und seines Schattens Kap de bonne (41:10) gerochen hatte, feierten die Außenseiter im Halbfinale des Handicap de luxe fröhliche Urständ’ und krempelten das Geschehen auf den finalen 150 Metern völlig um: 1.025-Longshot Gobelin schaffte mit Geert Berghmans beim 47. Versuch den ersten Volltreffer seines Lebens um eine Nasenspitze vor Ronny Brandt (733) und Höwings Rohini Z (248) - ein kleines Wunder, dass diese Dreierwette überhaupt getroffen war. Wer die allerfeinste Spürnase für jenes Trio hatte, durfte sich über eine Quote von 81.933:10 freuen und mit prall gefüllter Brieftasche nach Hause gehen.

Mit 285.842,06 Euro hatten Toto- oder virtuelle Wettkassen praktisch genau so viel zu tun wie am vergleichbaren Tag 2015, an dem bei 13 Prüfungen rund 310.000 Euro umgesetzt worden waren.

Umsatz bei 12 Rennen: 285.842,06 Euro (incl. 155.584,06  Euro Außenumsatz)