Trabrennbahn Berlin-Mariendorf 2015: Ein Sonntag der Zweikämpfe?

Es scheint auf den ersten Blick, als hätten es die Mariendorfer in ihrem Elf-Rennen-Programm auf Prüfungen angelegt, in denen Zweikämpfe um den Sieg vorgezeichnet sind. Vermeintliche Duelle dieser Art ziehen sich wie ein roter Faden durch die um 14.00 Uhr beginnende Veranstaltung und schließen das an 9. Stelle ausgetragene Hauptereignis ein.

Dieses richtet sich an dreijährige Pferde, mithin den Derby-Jahrgang, und ist einer der zahlreichen Trials zum Bayern-Pokal, der in zwei Wochen um 25.000 Euro in München entschieden wird. Im schmalen Feld der sieben Starter stechen zwei Kandidaten sofort ins Auge, die am 2. August mit berechtigten Hoffnungen ins Derby gezogen sind - und ausgerechnet im bislang wichtigsten Rennen ihrer Karriere kapitalen Schiffbruch erlitten haben. Heinz Wewering und Nikkei (Foto), spätestens seit dem vierten Platz im Buddenbrock-Rennen zum engsten Kreis jener Aspiranten zählend, die sich nach vielen erstklassigen Auftritten ein großes Stück vom Derby-Prämienkuchen abzuschneiden gedachten, hatten ihren Blackout in der Startphase und wurden disqualifiziert, kaum dass der Startschuss verhallt war. Nur wenig später scheiterten Halva von Haithabu und Thomas Panschow, die ihren nach Experten-Meinung schwersten Vorlauf eine Woche zuvor gewonnen hatten, an der Klippe des ersten Bogens. Beide Teams sind zumindest auf ein klitzekleines Trostpflaster aus, denn statt 225.000 Euro wie im Derby stehen diesmal nur deren 7.500 auf dem Spiel. Nutznießer jenes Favoritensterbens war Tokay. Bayerns bester Dreijähriger wurde im Blauen Band Fünfter, hängte dabei Ingmar Flevo und Ivo deutlich ab und ist damit für den dritten Stockerl-Platz vorgemerkt. Auf die alte Wetter-Weisheit „Kleine Felder, große Gelder“, sprich einen Ausfall der Gemeinten, spekulieren jedoch auch Ironheart, der Zweite des Derby-Trostlaufs, und die einzige Stute, die sich mit den Jungs misst: Glamour aus dem Quartier des Berliner Besitzer-Ehepaars Föllmer schlug im Derby der Stuten, das längst nicht so viele Ausfälle zu verzeichnen hatte, immerhin als Sechste an.

Scheint in der den Amateuren vorbehaltenen Auftaktprüfung alles auf den dritten Sieg in Folge für Ripasso SL hinzudeuten, der zwar vergleichsweise unerfahren ist, jedoch von der „3“ und damit einem exzellenten Startplatz loslegt, einen versierten Steuermann an Bord weiß und seine beiden Volltreffer mit großer Überlegenheit herausgelaufen hat, so geht’s im 2. Rennen mit den Shoot-outs los: Vargas F oder Lady of Wood bzw. Bronze- oder Goldhelm, das ist hier die Frage. Wobei Berlins Champion Thorsten Tietz eine Rakete vor der Nase hat, die schon des Öfteren im Galopp explodiert ist, Deutschlands Spitzenreiter dagegen auf eine sehr viel umgänglichere Lady baut, die noch nie auf einem Rechtskurs um die Wette gelaufen ist.

Im 3. Rennen riecht es nach einem Duell zwischen Vulkan und dem wieder erstarkten Michigan Venus, bei dem SJs Sunday und Spicy A. ein paar Trümpfe im Ärmel haben. Scheint die Suche nach den Siegern bis dahin relativ einfach, so ist die Auswahl im 5. Rennen, dem ersten mit der Viererwette, unter 14 Kandidaten geradezu inflationär: Mister Rene, Luminara, Obelix Diamant, Don di Quattro, Oh Happy Day und Merana - sie alle könnten im „Kobe-Bryant-Rennen“ punkten und werden all jenen Wettern, die an den großen Viererwette-Topf wollen, kräftig die Köpfe rauchen lassen. Der „zweite Hieb“ nämlich ist fast durchweg gut genug, mit ein bisschen Massel auf Rang vier vorzustoßen.

Danach geht’s im gewohnten Trott weiter: In Aufgabe 6 prallen mit Dimitri W Eden und Indio Corner zwei echte Erfolgstypen aufeinander, die in dieser Saison noch nicht verloren haben. Das Pikante daran: Dimitri wird von Thorsten Tietz chauffiert, während sein „erster Mann“ Dennis Spangenberg sein härtester Gegner zu werden verspricht - das allerdings als Diener eines fremden Herrn, nämlich für Bayerns Meister Josef Franzl.

Riecht es im 10. Rennen nach einem Duell zwischen Brunello SL mit dem 16.791 Siege schweren Heinz Wewering und Barbaresco, dessen Steuermann Thomas Panschow auch schon 2.867 Treffer auf dem Kerbholz hat, so ist zum Abschluss eine ganz harte Nuss zu knacken. Auf dem Prüfstand steht die unerfahrene Garde. Keiner der neun Traber ist bislang in einem Winner Circle aufgekreuzt, so dass es wie in alten Fernsehzeiten heißt: „Einer wird (erstmals) gewinnen.“

Diese Pferde sehen wir vorn:

1. Ripasso SL – Elena Kievitshof – Rigoletto

2. Lady of Wood – Vargas F – Agostini

3. Michigan Venus – SJs Sunday – Spicy A

4. Elbert Schermer – My Little Letty – Thunder Girl

5. Don di Quattro – Oh Happy Day – Obelix Diamant – Merana

6. Dimitri W Eden – Indio Corner – Raquel Welsh

7. Onemanshow Diamant – Skogans Rocky – Went Rower

8. Onmyknees Diamant – Poison Spin – Phantom Eck

9. Nikkei – Halva von Haithabu – Tokay

10. Brunello SL – Wetim Rower – Wait and see – Malina Way

11. Vitesse Lumiere – Wree Rower – Berlusconi

Foto von Marius Schwarz: Einer der vierbeinigen Hoffnungsträger aus diesem Rennen - den 3-jährigen Hengst Nikkei, der von Heinz Wewering gesteuert wird