Steffen Krehl aus Lentzke im Jahre 2011: „Jeder Tag, an dem ich reiten kann, ist geschenktes Leben“

 


Steffen Krehl aus Lentzke im Jahre 2011:

„Jeder Tag, an dem ich reiten kann, ist geschenktes Leben“

 

Lentzke/Fehrbellin (jph) Den amtierenden Landesmeister der Herren Berlin-Brandenburg im Springen trifft man nicht jeden Tag  auf seiner eigenen Anlage. Steffen Krehl ist viel unterwegs; bei Turnieren, gibt Reitunterricht und guckt sich ab und zu auch schon mal einen Kandidaten an, mit dem er arbeiten könnte. In seinem Stall stehen zum Beritt jede Menge Pferde, die er ausbildet. Sein Schwerpunkt ist das Springen, obwohl er sich in diesem Jahr auch schon mal in die Dressur „verirrt“ hat. Das ist aber eher die Ausnahme. Der 33-Jährige reitet, seit er denken kann. „Irgendwie war schon immer ein Pferd da, auf dem ich geritten bin“, gibt er zu verstehen. Er kann sich an keinen Augenblick in seiner Kindheit erinnern, in dem das Reiten nicht im Mittelpunkt stand. Das gehörte in Tarmow einfach dazu. Das kleine Örtchen liegt von Fehrbellin, der nächsten größeren Ortschaft, ebenso weit weg wie Lentzke. So um die fünf Kilometer. Großartig in die weite Welt ist er nicht gerade gegangen, der mittelgroße, schlanke Blonde.

Das richtige Rezept war es trotzdem. Im Jahre 1997 war der jetzt 33-jährige gerademal 19 Jahre alt, als der Vater und Agraringenieur Bernd Krehl und sein Sohn Steffen im Garten des Opas in Lentzke aktiv wurden. Innerhalb von vierzehn Jahren haben es die beiden in erfolgreicher Partnerschaft zu Ansehen sowie Ehren in Sport und Zucht gebracht. Steffen Krehl ist vierfacher Berlin-Brandenburger Landesmeister der Jungen Reiter und Herren. Den ersten Titel dieser Art holte er sich 1997, den letzten in diesem Jahr. Dabei ließ er bei den Offenen Berlin-Brandenburgischen Meisterschaften in Neustadt/Dosse auf dem Askari-Sohn Asklepios Jan Peters auf Kokolores und Ulf Ebel auf Lambert Louis hinter sich. Nach drei Wertungsprüfungen gab es die vierte Goldmedaille für die Reiterstube. Der junge Mann ist, wie gesagt, erst 33. Eine kleine Sammelleidenschaft hat er auch für die Stallplaketten entwickelt. Alle gewonnen Exemplare werden fein säuberlich an die Stallinnenseite genagelt oder geschraubt. Und da hängen viele, viele Plaketten.

Krehl scheint aber noch ein bisschen Lust auf mehr zu haben. Dabei schließt er selbst die Dressur nicht aus. Das wird aber höchstwahrscheinlich nicht seine neue Paradedisziplin. Da denkt er schon etwas weiter. „Vielleicht probiere ich es im nächsten Jahr mal international“, gibt er ohne Arroganz in der Stimme zu verstehen. Das Potenzial scheint jedenfalls vorhanden. Obwohl sein Star Asklepios von Krehl erst mal einen Wellness-Urlaub verordnet bekam. „Ein paar Frauen, leichte Bewegung und Solarium“, umschreibt er den Erholungsplan süffisant und meint damit lediglich die anstehenden Deckaufgaben, die vielleicht kurzzeitig etwas Kraft von Asklepios abverlangen werden. Außerdem soll auch noch ein Haus gebaut werden. Da wird er dann mit seiner sehr netten Freundin wohnen, die aus Leipzig kommt und ebenfalls reitet. Die junge Dame fand doch tatsächlich in Lentzke mit einem Bachelor in Agrarwissenschaften einen Job. So viel Glück muss man haben.

Steffen Krehl hatte aber auch schon Pech in seinem Leben – gewaltiges Pech. Im Jahre 2003 wäre er bei einem schweren Autounfall fast ums Leben gekommen. Vierzehn Tage lag er im Koma und wurde in den Monaten danach Stück für Stück wieder zusammen geflickt. Innere Verletzungen und Brüche von der Nase bis zur Wirbelsäule zwangen ihn zu einer langen Pause. Das geht nicht spurlos an einem Menschen vorbei. „Jeder Tag, an dem ich jetzt reiten kann, ist wie geschenktes Leben für mich“, sagt er mit noch immer nachdenklicher Stimme. Und er lässt keinen Zweifel daran, dass er es ernst meint.

Weniger ernst geht es dagegen auf Turnieren zu: Steffen Krehl macht das Reiten nach eigener Aussage sehr viel Spaß. Das gilt besonders für Turniere. Bei ihm kann man öfters mal dieses Pony-Reiter-Lächeln erkennen, wenn er mit (meist mehreren) Pferden seine Runden geht. Beim Herbstturnier in Elisenau konnte er auch noch Lachen, als ihm Kimberley Alexandra Gibson den Sieg vor der Nase wegschnappte. So kamen seine drei Pferde fehlerfrei leider nur auf die Plätze zwei bis vier. Zwei der Pferde waren gerademal eine Woche in seinem Beritt. „Der Krehl kann mit Pferden“, sagte in Elisenau am Abreiteplatz jemand neben mir zu seiner Begleitung. „Reiten ist kein Zufall“, sagt Steffen Krehl dazu. Der Ernst kehrt wieder in seine Stimme zurück. Von Ludger Beerbaum hat er viel gelernt über das planmäßige und nachhaltige Aufbauen von Pferden im Springeinsatz. Er selbst hält auch nichts von schnellen Erfolgen und kurzen Karrieren. Krehl will die Belastungsgrenze seiner Pferde schnell kennen lernen, um sie möglichst selten zu erreichen.

Der gelernte Pferdewirt (Schwerpunkte Zucht und Haltung, Reiten) und Pferdewirtschaftsmeister hat viel zu tun und singt das Lied vom ersehnten Zwölf-Stunden-Tag wie jeder erfolgreiche Geschäftsmann. Da bleibt wenig Zeit für Privates. Die Ausnahme bildet die fünfjährige Tochter Lilou. Sie hat jetzt ihr erstes Pony. Das Reiten macht ihr Spaß; besonders wenn der Papa Reitlehrer ist. So werden bereits frühzeitig die Erfahrungen des Steffen Krehl weiter gegeben. Das lässt hoffen für den Reitsport in Berlin und Brandenburg.

Krehl selbst bleibt trotz seiner Erfolge bescheiden. Er weiß, dass er noch viel zu lernen hat. Und er lernt gerne. „Mit Reiten ist man nie fertig“, so sein Motto. Er macht sich auch Gedanken über die Pferde und ihre Charaktereigenschaften, die sich im Laufe der Jahre verändert haben. Er ist der Meinung, dass Pferde heutzutage schneller lernen und intelligenter sind. Das sieht er nicht als Problem, sondern als Herausforderung in seiner täglichen Arbeit und handelt entsprechend. Auf der Reitanlage in Lentzke gibt es ausreichend Möglichkeiten, um die eigenen Erkenntnisse in die Tat umzusetzen: Pensionsbetrieb, Fohlen- und Hengstaufzucht, Stutenhaltung, Ausbildung in Springen und Dressur usw. Nur dem Fahrsport hat er sich noch nicht gewidmet. Obwohl eine geruhsame Ausfahrt mit Tochter und Ponykutsche durch das wunderschöne Rhinluch immer drin ist.

Richtig hektisch wird es in Lentzke eigentlich nur Ende März. Dann veranstaltet der Ländliche Reit- und Fahrverein Lentzke sein großes Hallenturnier. Beim letzten Mal war Krehl aber kein netter Gastgeber: Mal abgesehen vom S*-Springen ließ er seinen Gästen wenig Gelegenheiten, um im Springen goldene Schleifen zu sammeln. Die holte er fast alle selber. Und solche Situationen gibt es in Berlin und Brandenburg öfters mal im Laufe der Saison.

Steffen Krehl aus Lentzke kann man jedenfalls nicht vorwerfen, dass er mit angezogener Handbremse im Sattel sitzt. Ein Zuschauermagnet ist er mit seiner Reitweise in jedem Fall und damit ein gern gesehener Turnierteilnehmer. Und ein angenehmer Gesprächspartner ist er sowieso.

 

Wer mehr über die Reitanlage Krehl wissen will, besucht bitte im Internet die Seite www.stall-krehl.de

 

Haben auch Sie eine interessante Geschichte zu erzählen aus der Welt des Pferdesports? Dann melden Sie sich unter info@pferdefreunde.co