Springtage Gorgast 2015 mit Ausrufezeichen

Wer am vergangenen Wochenende einen sommerlichen Ausflug nach Gorgast ins Küstriner Vorland gemacht hat, kam an den Springtagen nicht vorbei. Der PSV Oderland hatte sich erneut mächtig ins Zeug gelegt und die Bedingungen auf seinem Turnier verbessert. Das machen die Oderländer den höchsten Ansprüchen einiger zwar noch immer nicht recht, aber für den Rest ging es in Ordnung.

Immerhin gab es ein großes Stallzelt, welches von einer Firma aus Bautzen aufgestellt wurde. Das war bis oben hin gefüllt und zeugte allein bereits auf diese Weise, wie gut die Gorgaster Springtage mittlerweile von den Reitern angenommen werden.

Das ist bei den Zuschauern nicht anders. Die Sitzgelegenheiten reichen aber leider nicht mehr aus, um samstags/sonntags alle Zuschauer in eine bequeme Stellung zu bringen. Der Andrang der Schaulustigen ist einfach zu groß. Das ist natürlich ein reines Luxusproblem, aber ein lösbares.

Der Meldestellenwagen, welcher bereits im letzten Jahr im Einsatz war und den alten Container abgelöst hatte, erhielt ein Facelift und kommt jetzt ziemlich schmuck daher. Ein paar Meter weiter stand im VIP-Bereich frisches Obst für die Sponsoren bereit. Dort war es allerdings nie wirklich voll, denn in Gorgast sind die Sponsoren immer irgendwie auf dem ganzen Areal verteilt. Manche sichern sich frühzeitig einen Tribünenplatz, andere sind im Kundengespräch oder passen einfach nur auf ihre Luxusschlitten auf. In Gorgast ist eine Menge in Bewegung geraten.

Das gilt ebenso für den Nachwuchs. Eine Ehrentafel verewigt ihn mit seinen Erfolgen und Pferden. Der Spaß geht in Gorgast frühzeitig los und dank kompetenter Unterstützung werden daraus recht schnell Schleifen, wie man besonders in diesem Jahr mehrfach eindrucksvoll erleben durfte. Die Bilanz der jungen Reiter vom PSV Oderland kann sich sehen lassen.

Apropos Nachwuchs: Der legte am Sonntag die große Show hin. Unter Leitung von Tina Rahnenführer und Nicole Bierbaum machten sich neun Mädchen in den Sattel, um ihre Geschichte über den König der Löwen zu erzählen. Das alles war ausgestattet mit prächtigen Kostümen und gab am Ende den verdienten Applaus des Publikums.

Ein Hingucker für die Starter war der Einritt. Dort stand ein Hindernis mit mehreren Planken, auf denen Zeitungsausschnitte der vergangenen Jahre geklebt waren. Wer als Reiter Langeweile hatte, konnte sich dort vor dem eigenen Auftritt noch ein wenig belesen. Alle anderen hatten die Augen dann doch eher im Parcours von Tino Stade, der kurzfristig für Frank Dieter eingesprungen war, weil er anderweitig seine Brötchen verdienen musste. Aber der Tino machte seine Sache sehr gut und wird fortan bestimmt öfter in Gorgast bauen.

Zu den Human Resources: Neben den Richtern Antje Offinger, Claus Förster, Ralf Breselow (in diesem Jahr ohne Gips im Richterturm  und als LK-Beauftragter), Gerd Sauer und Ludwig Kautz war es einmal mehr Peter „Piet“ Freitag, der als unterhaltsamer Sprecher zum Team gehörte. In der Hierarchie stand traditionsgemäß über dem Turnierleiter Erik Schuberts Mama, die den Blick fürs große Ganze bewahrte. Sie kleidete sich am Sonntag zum Gorgaster Derby standesgemäß mit einem Hut, wie er für Damen ihres Standes passend erscheint.

Neben vielen weiteren Helfern war ebenfalls die Freiwillige Feuerwehr am Start. Die ist mittlerweile routiniert und zieht ihren Job zur Einsatzplanung für RTW und die Verkehrslenkung für Besucher ohne Anstrengungen durch. Stahlharte Profis eben.

Ach ja, da waren außerdem die Sportler mit ihren Vierbeinern, die drei Tage lang den Gorgaster Springplatz verwüsteten. Am Freitag ging es eher ruhig ab. Fünf Springpferdeprüfungen standen im Zeitplan. Es ging rauf bis auf L. Die Sieger der beiden Prüfungen auf diesem Level waren Tina Hertel mit ihrem selbst gezüchteten 5jährigen Holsteiner Schimmel-Wallach Clearway’s Fauxpas (Clearway/Arystokrat AA) sowie Nils Wagner von der PSG Gut Angermünde, der den 6jährigen Holsteiner Wallach Calle (Cachas/Romino) vorstellte. Beide Pferde erhielten von der Jury die Note 8,3.

Am Samstag wurde es dann schon deutlich voller hinter der Bande. Sieben der insgesamt zwanzig Wettbewerbe standen an. Es ging in die Wertungen für den Oderlandcup (pferdefreunde.co berichtete bereits), aber vor allem um das Mannschaftsspringen – dem Herbert-Simon-Gedächtnispreis und die Qualifikation für das Gorgaster Derby am Sonntag.

Im Mannschaftsspringen der Klasse A* mit einem Umlauf gingen sage und schreibe vierzehn Teams auf den Rasen. Am Ende waren die Neuen die Sieger. Das Team RV Sielow I hatte noch nicht einmal ein viertes Paar für das Streichergebnis. Stephanie Steinke/Amigo, Martha Hilscher/Wylander sowie Konstanze Smolka/Askaria KM hielten die Konkurrenz am Boden. Die Entscheidung musste sich aus den addierten Zeiten ergeben, denn die ersten fünf Mannschaften blieben ohne Abwurf. Das wohlbekannte Team „Der Hammer aus Hammer“ mit Lilly-Marie Schneider, Heino Heinz, Sophia Sander und Anke Neuwirth belegte Rang zwei vor dem LRV Münchehofe mit Irina Grosch-Sigrist, Emilia Tocessa Schott, Kenisha-Helen Pohl plus Carsten Börner als Hahn im Korb.

Highlight des Tages war als letzte Prüfung ein Zwei-Phasen-M**. Mehr als zwanzig Starter gingen in den Parcours. Zehn durften nach Phase eins weiterreiten. Zur Siegerehrung konnte der Rest ein wenig warten. Felix Ewald holte sich mit Concetto’s Son Gold und Avourneen Silber – Hannes Prehl und Zoraya auf drei vor Ralf Eisert/Santa Cruz.

Um den Sonntag so richtig in Fahrt zu bringen, konnten die Zuschauer bereits um halb elf ein Punkte-M* bestaunen. Nun wäre es vielleicht ja gut, wenn mal ein anderer in den hohen Prüfungen gewinnen würde – in Gorgast aber nicht… Felix Ewald und Cadeau FM kleideten sich ein weiteres Mal in gelbes Edelmetall. Dreißig Paare starteten und fünf kamen mit voller Punktzahl durch die Lichtschranke. Platz zwei ging an Hans-Walter Thies und Willi wills wissen. Tina Hertel aus Börnicke reihte sich mit  Cassini’s Fleur du Printemp dahinter ein.

Und das zweite Mannschaftsspringen des Turniers war für den Sonntag eingeplant. In diesem Fall musste sich aber mit Kostüm vorgestellt werden. Die sportlichen Sieger im Stafettenspringen waren Kevin Lange und David Stephan von der Mannschaft Straupitz. Auf Camillo und Penny Lane hatten sie einen sagenhaften Vorsprung von mehr als fünfzehn Sekunden auf alle anderen. Platz zwei an das erfolgreiche Sielow-Team mit Konstanze Smolka/Askaria sowie Stephanie Steinke/Amigo – dahinter: „Die Blumenmädchen“ Claudia Krüger/Raminia und Lilly-Marie Schneider/Capitano Ultimo. Blieb hier noch die Wertung für das schönste Kostüm: Das kam aus einem unbekannten Land vor nicht allzu langer Zeit und hieß Biene Maja & Willi. Sie wurden dargestellt von Lillien Bierbaum und Jennifer Ulrich.

Der Rest des Tages war auf diesen Seiten schon Gegenstand der Berichterstattung. Erik Schubert und Remus ritten im Finale der Landmarkt Speed Trophy die Konkurrenz schwindelig und niemand anderes als Felix Ewald sicherte sich den Großen Preis im Gorgaster Derby auf Concetto’s Son.

Ende der Geschichte? Nicht ganz. Den Gorgastern kann man auf ihrem weiteren Weg ein gutes Händchen wünschen. Bisher wurde in Sachen Nachwuchsarbeit und Turniergestaltung eine Menge getan und es wird weitergehen. Das Turniergelände nimmt von Jahr zu Jahr mehr Form an. Der Verein streckt sich im Rahmen seiner Möglichkeiten für Turnierteilnehmer und Gäste. Das ist lobenswert und kann wohl am besten von denen gewürdigt werden, die sich mit dem Austragen von Turnieren auskennen. Der Lohn: Steigende Starter- und Zuschauerzahlen. Die Gorgaster Springtage haben erneut ein Ausrufezeichen gesetzt.

Fotos von Jan-Pierre Habicht ©

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