Springreiten: Scott Brash aus Schottland wird zur Legende

Der Schotte Scott Brash hat als erster Springreiter der Geschichte zwei Major-Erfolge in Serie geschafft. Nach seinem Sieg beim CHI Genf im Dezember triumphierte er am Sonntag im Rolex Grand Prix von Aachen. Nun hat er die Chance, beim kommenden Major-Turnier, dem Spruce Meadows „Masters“ (Calgary, Kanada, 9. bis 13. September 2015) endgültig in die Geschichte einzugehen – als erster Rolex Grand Slam-Sieger aller Zeiten. Wir sprachen mit dem überglücklichen Ausnahmereiter.

Scott Brash, herzlichen Glückwunsch zu diesem fantastischen Sieg! Vor zwei Tagen haben Sie noch gesagt, dass Sie unbedingt den zweiten Sieg beim Rolex Grand Slam schaffen möchten. Nun haben Sie dieses Ziel erreicht. Wie fühlt sich das an?

Brash: Unglaublich, einfach nur unglaublich. Es war schon immer ein Traum von mir, in Aachen zu gewinnen. Ich denke, hier in Aachen, in dieser beeindruckenden Arena ist der schönste Platz auf der ganzen Welt, um zu gewinnen. Der Rolex Grand Prix ist extrem anspruchsvoll. Die Hindernisse waren sehr hoch, der Parcours anspruchsvoll – auch technisch. Aber das war zu erwarten, denn in Aachen starten die besten Reiter und Pferde der Welt. Und wenn dann auch noch sieben Reiter das Stechen erreichen, dann ist das natürlich auch ein Wahnsinn für die Zuschauer. Hier zu gewinnen? Einfach unglaublich.

Sie sind als Letzter im Stechen gestartet. Hat das den Druck erhöht?

Brash: Nein, ehrlich gesagt mag ich es, als Letzter zu reiten. Wenn du als Letzter in den Parcours einreitest, weißt du genau, was zu tun ist. So war es auch beim Stechen: Ich wusste, worauf ich achten musste, und das macht es für mich leichter. Daniel Deußer hatte bereits eine ausgezeichnete Runde vorgelegt. Es war klar, dass sich an dem letzten Hindernis entscheidet, wer zum Schluss den Sieg davon trägt. So konnte ich nur mein Bestes geben, damit auch ich fehlerfrei bleibe und den Parcours in einer sehr guten Zeit absolviere, die letztlich für den Sieg ausreicht. Glücklicherweise hat sie gereicht…

Letztes Jahr haben Sie noch behauptet, dass Hello Sanctos nicht so glücklich in Aachen ist. Im Rolex Grand Grand Prix hat es zum Schluss nur für Platz 29 gereicht. Hat er nun seine Meinung geändert?

Brash: Ja, definitiv (lacht). Letztes  Jahr haben wir – aus welchem Grund auch immer – nicht so gut in Aachen abgeschnitten. Daher habe ich mit Hello Sanctos in diesem Jahr auch direkt am Trainingsspringen am ersten Tag teilgenommen, um ihn an die Atmosphäre zu gewöhnen. Ja, und es ist witzig. Schon beim Trainingsspringen hat er sich wohler gefühlt als letztes Jahr, am Samstag war es noch ein bisschen besser, aber immer noch nicht optimal. Und am Sonntag beim Rolex Grand Prix hat er mich wirklich überrascht. Da ist er auf einmal fantastisch gesprungen.

Werden Sie Hello Sanctos bei den FEI Europameisterschaften in Aachen reiten, oder möchten Sie ihn nun für das dritte Major-Turnier, das Spruce Meadows „Masters“ schonen?

Brash: Natürlich ist die EM dieses Jahr für das britische Team sehr wichtig und dass sie dabei auf mich zählen, ist auch klar. Ich persönlich habe mein Hauptaugenmerk nun erst einmal auf den Rolex Grand Slam gelegt.

Schauen wir nach vorne: Denken Sie, dass Sie beim „Masters“ gewinnen und damit endgültig Geschichte schreiben können?

Brash: Es ist schon sehr schwierig, eins der drei Major-Turniere zu gewinnen, zwei hintereinander ist unglaublich und drei hintereinander fast unmöglich. Es wird wirklich schwer werden. Aber wenn ich starte, werde ich natürlich alles geben und versuchen, zu gewinnen.

The Rolex Grand Slam of Showjumping

Der Rolex Grand Slam verknüpft drei der weltbesten Turniere, die ein Gedanke eint: Das Streben nach Perfektion. Natürlich überzeugen die Major-Turniere CHIO Aachen, das Spruce Meadows 'Masters' und der CHI Genf durch höchste Preisgelder. Allein die drei Rolex Grand Prix sind mit insgesamt 3 Millionen Euro dotiert – dazu kommt die Chance auf den Bonus. Doch hohe Preisgelder alleine berechtigen nicht dazu, Teil des Rolex Grand Slam zu sein. Auch Faktoren wie Tradition und Zuschauerzuspruch, Medienpräsenz und Turnier-Infrastruktur müssen sich auf höchstem Niveau bewegen. Nur wer bereit ist, in allen Bereichen nach Perfektion zu streben, kann zum Kreis des Rolex Grand Slam gezählt werden.

Foto: Scott Brash (Rolex Grand Slam/ Kit Houghton).