Springreiten Olympia Rio 2016: Deutschland gewinnt Bronze

Ludger Beerbaum und Casello

Christian Ahlmann und Taloubet Z

Meredith Michaels-Beerbaum und Fibonacci

Frankreich ist Olympiasieger, Silber für die USA

Rio de Janeiro/BRA (fn-press). Die deutschen Springreiter haben als Team die Bronzemedaille bei den olympischen Spielen in Rio de Janeiro gewonnen. In einem spannenden Stechen gegen Kanada holen sie damit erstmals seit 2004 wieder eine Medaille. Der Mannschafts-Olympiasieger 2016 ist Frankreich. Silber gewinnen die USA.

Es wurde ein dramatischer Tag für die deutschen Springreiter im Reitstadion in Deodoro. Als eines von vier Nuller-Teams hatten sie sich blitzsauber für das Teamfinale qualifiziert. Aber irgendwie war heute der Wurm drin. Als Haupthindernis im 13 Hindernisse und 16 Sprünge umfassenden Parcours erwies sich die Zeit. 82 Sekunden galt es einzuhalten. Das provozierte Abwürfe oder Zeitfehler. Zuerst ging Christian Ahlmann (Marl) mit Taloubet Z für das deutsche Team an den Start. Ein Fehler an der zweifachen Kombination brachte vier Strafpunkte auf das Mannschaftskonto. „Wir waren ein bisschen flach an der Planke. Die Distanz war gut, aber leider war Taloubet dran. Die Planke fällt eben leicht. Ich habe von Anfang an auf das Tempo gedrückt, um die Zeit zu schaffen, die ist richtig, richtig knapp“, sagte der Weltranglistenerste nach seinem Ritt.

Als zweite Reiterin kam Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) mit Fibonacci. Ihr lief die Zeit davon. Ein Fehler am letzten Sprung und ein Zeitfehler summierten sich zu fünf Strafpunkten. „Ich bin überrascht über den Fehler am letzten Sprung, denn mein Pferd ist super gesprungen. Schade, ich bin sehr enttäuscht. Ich hatte ein bisschen Pech, das war ein Reiterfehler. Hier sind gute Reiter und Pferde am Start, das macht es spannend“, äußerte sich die Olympiavierte von 2008. Auch der Dritte des Teams sollte in dieser Prüfung seine ersten Strafpunkte kassieren. Daniel Deußer (Mechelen/BEL) und First Class hatten einen Abwurf. Zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass es jetzt auf Ludger Beerbaum (Riesenbeck) mit Casello ankommt. Bei seinen siebten olympischen Spielen bewies er, dass er mit Druck umgehen kann. Mit seiner ersten Nullrunde in Rio hielt Beerbaum sein Team im Medaillenrennen, das schließlich im Stechen mit Kanada entschieden wurde. Ahlmann, Michaels-Beerbaum, Deußer: Alle drei absolvierten den verkürzten Stechparcours fehlerfrei, so dass Beerbaum gar nicht mehr starten musste.

„Es war unglaublich spannend und knapp, wie erwartet“, sagte Bundestrainer Otto Becker. „Wir haben Bronze gewonnen. Diese Medaille hat das Team verdient. Alle haben das ganze Jahr darauf hingearbeitet“, lobte er die Reiter und bedankte sich auch nochmal bei Marcus Ehning, der aufgrund einer Verletzung seines Pferdes das Team vom Boden aus unterstützte. „Das gesamte Team, auch das Team im Hintergrund, hat super funktioniert und einen sehr guten Job gemacht.“ Dr. Dennis Peiler, Chef de Mission der deutschen Reiter, sagte: „Alle haben unfassbar gekämpft. Heute hat das Team gewonnen. Wir haben hier diesmal einen ganz besonderen Teamgeist und der war ausschlaggebend."

Der entscheidende Reiter war heute Ludger Beerbaum, der seine Nervenstärke erneut unter Beweis stellte. „Wenn Du in den Kurs gehst, denkst Du nicht daran. Du darfst einfach keinen Abwurf haben“, antwortete er auf die Frage nach seinem Umgang mit Druck. „Ich bin erfreut und dankbar, dass mir heute so viel Vertrauen geschenkt wurde. Wir sind ein großartiges Team.“ Zur Debatte um eine Modusänderung im Springreiten bei Olympischen Spielen sagte er: „Rio war beste Werbung dafür, dass es bei vier Reitern bleibt und das Format so beizubehalten.“ Er plädierte dafür, es bei vier zu belassen. „So war es spannend, eine Achterbahnfahrt für alle Teams.“

Ob noch weitere Medaillen ein zuhause bei deutschen Springreitern finden, entscheidet sich in zwei Tagen. Die Entscheidung um die Einzelmedaillen im Springen fällt in zwei weiteren Runden am Freitag. In der ersten sind die besten 35 Reiter aus den vorangegangenen Tagen startberechtigt, jedoch nur maximal drei Reiter pro Nation. Begonnen wird für alle wieder bei null. Anschließend qualifizieren sich die besten 20 Reiter von Runde eins am Finaltag für die zweite Runde. Olympiasieger in der Einzelwertung wird der Reiter mit den wenigsten Strafpunkten nach beiden Umläufen. Bei Strafpunktgleichheit auf den Medaillenrängen kommt es zu einem Stechen. Titelverteidiger ist der Schweizer Steve Guerdat.

Aufgrund der Platzierungsfolge sind am Freitag Christian Ahlmann und Taloubet Z, Meredith Michaels-Beerbaum mit Fibonacci und Daniel Deußer mit First Class dabei. Ludger Beerbaum wird entsprechend Modus nicht starten können.

Das Qualifikationsergebnis für die Einzelwertung in der Übersicht:

1. Eric Lamaze mit Fine Lady (CAN); 0 Fehlerpunkte

2. Kent Farrington mit Voyeur (USA); 1

2. Peder Fredricson mit All In (SWE); 1

2. Maikel Van der Vleuten mit Verdi (NED); 1

5. Roger Yves Bost mit Sydney Une Prince (FRA); 2

6. Rene Tebbel mit Zipper (UKR); 3

7. Ali Yousef Al Rumaihi mit Gunder (QAT); 4

7. Christian Ahlmann mit Taloubet Z (GER); 4

7. Kevin Staut mit Reveur de Hurtebise (FRA); 4

7. McLain Ward mit Azur (USA); 4

7. Alvaro Doda de Miranda mit Cornetto K (BRA); 4

7. Daniel Deußer mit First Class (GER); 4

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13. Meredith Michaels-Beerbaum mit Fibonacci; 5

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18. Ludger Beerbaum mit Casello (GER); 8

Fotos:

Ludger Beerbaum und Casello - © Richard Juilliart/FEI

Christian Ahlmann und Taloubet - © Hippo Foto - Dirk Caremans/FEI

Meredith  Michaels-Beerbaum und Fibonacci 17 - © Hippo Foto - Dirk Caremans/FEI