Springreiten Olympia Rio 2016: Alle deutschen Springreiter qualifiziert

Meredith Michaels-Beerbaum und Fibonacci

Christian Ahlmann, Meredith Michaels-Beerbaum und Daniel Deußer fehlerfrei

Rio de Janeiro/BRA (fn-press). Einen Einstand nach Maß haben die deutschen Springreiter im ersten Qualifikationsspringen der Olympischen Spiele in Rio abgeliefert. Drei der vier deutschen Reiter lieferten eine Nullrunde ab, lediglich Schlussreiter Ludger Beerbaum (Hörstel) leistete sich am letzten Hindernis einen Flüchtigkeitsfehler.

„Insgesamt hätte es heute für unser Team nicht besser laufen können", sagte Beerbaum nach seinem Ritt. "Casello ist sehr gut gesprungen und hat mir ein sehr gutes Gefühl gegeben. Vor der braunen Kombination hatte ich richtig Respekt, aber Casello ist flüssig nach vorne gesprungen. Am letzten Sprung ist dann leider der Fehler passiert, aber ich bin trotzdem gut zufrieden. Es ist aber auch noch ein weiter Weg, wir dürfen uns nicht zu früh freuen." Dies unterstrich auch Bundestrainer Otto Becker: „Der Parcours heute war schon sehr anspruchsvoll, aber richtig los geht es am Dienstag. Wir müssen jetzt konzentriert bleiben bis zum letzten Ritt.“

Bevor es heute losging, kam zunächst eine kleine Hiobsbotschaft. Cornado NRW, der Schimmelhengst von Marcus Ehning, hatte sich tags zuvor vertreten. Das Paar wurde daher kurzfristig gegen Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) und Fibonacci ausgetauscht. Die Schwägerin von Ludger Beerbaum dankte es mit einer Nullrunde. „Ich war sehr überrascht, als ich heute Morgen die Nachricht bekommen habe, dass wir doch an den Start gehen. Ich musste dann schnell noch die weiße Reithose einpacken, weil ich noch im Trainingsanzug war. Es war sehr emotional, für Markus tut es mir sehr sehr leid. Aber er hat mich gedrückt und unterstützt mich sehr", sagte sie nach ihrem Ritt.

Den Auftakt in die Nuller-Serie machte allerdings Christian Ahlmann (Marl) mit Taloubet Z, der in Rio seine vierten Olympischen Spiele bestreitet. 2012 musste er nach dem ersten Springen den Traum aufs Einzelfinale begraben. In Rio gelang ihm als vierter Starter die erste von am Ende 24 Nullrunden. "Das war ein guter Auftakt, ich bin glücklich und zufrieden, dass es so gut losgegangen ist. Es war nicht einfach für Taloubet, wir sind schon lange hier und dass er von null auf hundert so anfängt, ist der Wahnsinn. Ich hab ein richtig gutes Gefühl, hoffentlich geht es so weiter", sagte Ahlmann.

Die dritte fehlerfreie Runde ging auf das Konto von Daniel Deußer (Mechelen/BEL) mit First Class. „Ich bin froh, dass es endlich losgegangen ist. Darauf haben wir jetzt eine Woche gewartet. Die Anspannung war groß, jetzt ist der erste Druck erstmal raus. Vom Parcours bin ich ziemlich beeindruckt gewesen, aber es lässt sich gut reiten“, sagte er nach seinem Ritt. Auch sein Mitgefühl galt Marcus Ehning, der den Sport nun von außen betrachten musste. „Ich kann total verstehen, dass Markus sehr enttäuscht ist, aber ich finde es umso großartiger, dass er sich so zusammenreißt und das Team so unterstützt“, so Deußer.

Außer der deutschen Mannschaft gelang nur dem frenetisch bejubelten brasilianischen Team drei Reiter fehlerfrei ins Ziel zu bekommen, womit die Spannung für den übermorgen beginnenden Nationenpreis gewährleistet ist. Dort geht es für alle Teamreiter wieder bei null los. Insgesamt bewerben sich 15 Nationen um den Titel des Mannschaftsolympiasiegers.

Für die 60 Besten der insgesamt 75 Teilnehmer an der heutigen Qualifikationsprüfung geht es in den beiden Umläufen des Nationenpreises außerdem darum, möglichst wenige Strafpunkte zu sammeln und sich damit den Einzug ins Einzelfinale zu sichern. Bereits zu Ende sind die olympischen Spiele für Einzelreiter aus Belgien, Italien, Marokko, Kolumbien, Taipeh, Türkei und Venezuela.

Meredith Michaels-Beerbaum und Fibonacci zeigten eine spektakuläre Leistung als Ersatzreiter für den ausgefallenen Marcus Ehning in Rio de Janeiro (Foto von Dirk Caremans/FEI)