Springreiten: Luciana Diniz gewinnt den Großen Preis von Madrid

Wer hätte gedacht, dass ein Großer Preis so spannend sein kann – und dies, obwohl es nicht einmal ein Stechen gab? Der Longines Global Champions Tour Grand Prix of Madrid war ein kurioses 5- Sterne- Springen, an das sich die Zuschauer und Akteure noch lange erinnern werden. Nach zwei schweren Runden gewann den Höhepunkt der fünften Etappe dieser höchstdotierten Serie der Welt die Reiterin mit den besten Nerven und dem besten Pferd, nach den zwei einzigen fehlerfreien Runden im ganzen Feld: Luciana Diniz, in Deutschland lebende gebürtige Brasilianerin, die für Portugal reitet, und die die Pferde von Edouard de Rothschild (Frankreich) reitet. "Ich habe keine Worte, bisher habe ich die Global Champions Tour noch nie gewonnen – ich war immer zweite. Ich hatte heute sehr viel Druck als letzte Starterin, und habe ihm stand gehalten“, dies sagte die Siegerin und konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.

Tatsächlich war dieses mit 320 000 Euro dotierte Springen nichts für schwache Nerven. Die Zuschauer, die den Rasenplatz inmitten von Madrid bei herrlichem Wetter säumten, darunter auch Ex-Fußballstar Luis Figo aus Portugal, sahen in der ersten Runde die Stangen purzeln. Favorisierte Reiter wie Ludger Beerbaum (Deutschland), Mannschafts-Olympiasieger Ben Maher (Großbritannien), Lokalmatador Sergio Moya (Spanien) erreichten die Runde der besten 18 Reiter nicht. Und auch in der zweiten Runde, in der immerhin vier Paare mit sauberem Punktekonto starteten, hatten zwar Mannschafts-Olympiasieger Scott Brash (Großbritannien), Bertram Allen, Jungstar aus Irland oder die erfolgreiche Laura Kraut (USA) nach schwerer Prüfung keine weiteren Zähler auf dem Konto - doch die Doppelnull wollte nicht auf der Anzeigentafel erscheinen. Die vier, die es in der Hand gehabt hätten, machten die Sache spannend: Meredith Michaels-Beerbaum (Deutschland) hatte mit ihrem sehr gut springenden zehnjährigen Wallach Fibonacci einen Fehler und rutschte auf Rang zehn ab. Jane Richard Phillips (Schweiz) musste zwei Fehler hinnehmen und fand sich auf Rang 13 wieder, Philippe Rozier (Frankreich) bewies Nerven und spielte auf dem zehn Jahre alten Hengst Rahotep de Toscane seine ganze Routine aus - er bekam einen einzigen Zeitfehler, und freute sich darüber. Sein Kollege Manuel Fernandez Saro aus Spanien erlaubte sich unter tosendem Beifall seiner Landsleute sowohl in Runde eins auch in Runde lediglich einen Zeitfehler. Luciana diniz kam als letzte Starterin in die Arena - und ritt wie im Lehrbuch. Ihr Hengst Winningmood sprang frisch, unterstützt von seiner Reiterin, alles passte - es sah niemals aus, als ob eine Stange fallen würde. Luciana Diniz riss in der ihr eigenen Manier die Arme in die Höhe und strahlte mit ihrem Team um die Wette. Damit stand das Podium fest: Luciana Diniz (Doppelnull), vor Philippe Rozier (ein Zeitfehler) und Manuel Fernandez Saro (zwei Zeitfehler). Luciana Diniz freute sich über einen Siegerscheck in Höhe von 105 600 Euro, für Rozier blieben 64 000 Euro, und Saro durfte 48 000 Euro mit nach Hause nehmen.

Die Etappe in Madrid hat das Ranking durcheinander gewirbelt. Nun führt wieder Scott Brash (GBR,73 Punkte) vor Luciana Diniz (POR,69 Punkte) und Bassem Hassan Mohammed (QAT, 66 Punkte)

Am kommenden Wochenende steht die vierte Etappe der Tour auf dem Kalender - es geht auf einen andern Kontinent. Die Reiter werden zum zweiten Mal in Shanghai an den Start gehen.

Bild: Luciana Diniz und Winningmood (Stefano Grasso/LGCT)