Springreiten: Katrin Eckermann siegt im Preis von Nordrhein-Westfalen beim CHIO Aachen

 

Die versammelte Reiterszene diskutierte noch über ihren Sturz im Mercedes-Benz Nationenpreis am Wassergraben vom Vorabend, da gab Katrin Eckermann beim CHIO Aachen im Preis von Nordrhein-Westfalen die richtige Antwort. Im Stechen, das 14 Paare des Normalumlaufs erreicht hatten, lieferte die 24-Jährige aus Sendenhorst bei Münster mit dem dreizehnjährigen Rheinländer Carlson in 45,11 Sekunden eine unglaublich schnelle Runde ab, war dabei volles Risiko gegangen und verkroch sich im Anschluss erst einmal in den kühleren Gefilden der Stallarena.

 Erst als der Schlussreiter Marc Houtzager aus den Niederlanden in der Bahn war, marschierte Eckermann wieder Richtung Hauptarena – und nahm kurz darauf die Glückwünsche ihrer Kollegen entgegen. Denn keiner der 13 Konkurrenten konnte die deutsche Amazone unterbieten. Acht Reiter-Pferd-Paare blieben fehlerfrei, Eckermann war die schnellste. „Das war absolut genial. So eine Leistung nach so einem Rückschlag macht einen richtigen Spitzensportler aus“, kommentierte Dr. Dennis Peiler. Der Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) beobachtet die steile Laufbahn von Eckermann schon eine Weile. Sein lobendes Urteil: „Sie ist eine abgezockte Siegreiterin und hatte hier mal wieder im richtigen Moment die Nerven beisammen.“

 Eckermann war trotz ihres Fehlers vom Vortag mit klaren und ehrgeizigen Zielen in die Hauptprüfung des heutigen Freitags gegangen. „Für mich war von Anfang an klar, dass ich Vollgas gebe. Wir sind hier schließlich in Aachen, da kann man schon mal volles Risiko gehen“, gab sie selbstbewusst zu Protokoll. Mit Wasser habe sie im Übrigen noch nie Probleme gehabt. Firth Of Lorne – den sie auch im Rolex Grand Prix einsetzen wird – gehe es schon wieder gut. „Ich habe ihn heute Morgen longiert. Er ist fit“, berichtete die Reiterin. Ebenso wie sie selbst. „Ich bin heute aufgestanden und habe die Gedanken an den Nationenpreis einfach beiseite gelegt.“ Für Eckermann schließt sich im Übrigen ein Kreis. Vor einigen Jahren war das Ausnahmetalent schon beim Salut-Festival in der angrenzenden Albert-Vahle-Halle erfolgreich gewesen. Nun siegte sie auch bei den „Großen“.

 Rang zwei ging an den Brasilianer Álvaro Affonso de Miranda Neto, der vor zwei Tagen im Preis des Handwerks triumphiert hatte. „Doda“ blieb mit AD Nouvelle Europe Z eine Sekunde hinter Eckermann (46,14). Daniel Deusser, Weltcup-Sieger und Deutscher Meister in Personalunion, musste sich mit First Class Van Eeckelgheim mit Rang drei zufrieden geben (47,44). „Es war heute eine richtig schwere Aufgabe mit einem sehr anspruchsvollen Kurs“, sagte Deusser. De Miranda Neto, der für seine Schnelligkeit bekannt ist, gab alles, kam aber an die Deutsche nicht heran. „Ich habe es wirklich versucht, aber hatte heute keine Chance. Katrin war vom ersten bis zum letzten Moment wahnsinnig schnell“, lobte der in Belgien lebende Südamerikaner. Mit AD Nouvelle Europe Z hat Doda nun eine zweite Option für die Weltreiterspiele in der Normandie. AD Bogeno ist eigentlich sein Erstpferd. „Es ist immer gut, wenn man eine Reserve hat. Ich bin mit diesen beiden Spitzenpferden in einer komfortablen Situation“, sagte er.

 Vorjahres-Sieger Ludger Beerbaum landete in diesem Jahr mit seinem KWPN-Hengst Chaman nach einem Abwurf im Normalumlauf nur auf Rang 25.

Foto von CHIO Aachen/ Michael Strauch: Es gratulieren v.l. Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen und Carl Meulenbergh, Präsident des Aachen-Laurensberger Rennvereins