Springreiten: Enges Rennen im Nationenpreis der WM in Frankreich

Deutsches Springreiterteam hinter Niederlande und USA auf Platz 3

Caen (fn-press). "Abgerechnet wird morgen Abend“, sagt Bundestrainer Otto Becker knapp. Die zwischenzeitliche Führung im ersten Umlauf des Nationenpreises der Springreiter bei den World Equestrian Games in Caen musste das deutsche Springreiterteam abgeben und die Niederlande und die USA vorbei ziehen lassen.

Dass das „eine enge Kiste“ werden würde, hatten Bundestrainer Otto Becker und Ludger Beerbaum unisono bereits gestern nach dem Zeitspringen gesagt. Viele der 35 Teams liegen nur einen Hauch von Punkten auseinander. Der erste Umlauf des Nationenpreises hat zwar ein wenig die guten von den sehr guten Nationen getrennt, aber jede Prognose über die Medaillengewinner ist pure Spekulation. Die Niederländer rangieren dank der drei Nullfehlerritte von Gerco Schröder mit London, Jeroen Dubbeldam mit Zenith und Maikel von der Vleuten mit Verdi an erster Stelle. Ihr Fehlerkonto aus dem Zeitspringen von 4,83 nehmen sie mit in den zweiten Umlauf am Donnerstag.

Das US-Team, dessen Mitglieder Beezie Madden mit Cortes C und McLain Ward mit Rothchild ebenfalls keinen Fehler machten, startet mit 8,72 Fehlerpunkten in die zweite Runde. Lediglich ein Zehntel Rückstand auf die Amerikaner hat Otto Beckers Equipe. Christian Ahlmann als erster Starter verließ auf seinem Hannoveraner Hengst Codex One den Parcours mit einem Abwurf. Der 40-Jährige aus Marl lobte den französischen Parcourschef Frederic Cottier: „Das ist sehr fair gebaut, nicht zu leicht und nicht zu schwer. Man muss ja in der ersten Runde auch die nicht ganz so starken Reiter und Pferde berücksichtigen.“ Wenn im zweiten Umlauf nur noch die besten zehn Teams und die besten Einzelreiter am Start sind, rechnen Ahlmann und seine Springreiterkollegen mit deutlich größeren Herausforderungen.

Eine Bilderbuchrunde gelang Marcus Ehning auf dem phantastisch springenden nordrhein-westfälischen Landbeschäler Cornado NRW. Der elfjährige Hengst, ein Sohn des Cornet Obolensky, spielte geradezu mit den Abmessungen und berührte die Stangen kein einziges Mal. Ebenfalls von Cornet Obolensky stammt auch der gleichaltrige Cornet D’Amour ab. Mit Daniel Deußer im Sattel steuerte der Schimmel eine Nullfehlerrunde bei. Deutschland lag in Führung, bis Ludger Beerbaums Chiara einmal patzte. Der 51-jährige Multichampion aus Riesenbeck reagierte enttäuscht: „Das ist ernüchternd, wir hätte eine Nullrunde gebraucht, um in Führung zu bleiben. Es ist mir leider nicht gelungen.“

Im zweiten Teil des Nationenpreises wird zwar morgen um die Mannschaftsmedaillen gekämpft, er ist aber zugleich die zweite Qualifikation für das Einzelfinale. Der Punktestand nach der ersten Runde: 1. Patrice Delaveau (FRA) mit Orient Express 0,08 Strafpunkte, 2. Beezie Madden (USA) mit Cortes 0,18, 3. Rolf-Göran Bengtsson (SWE) mit Casall ASK 0,34, 4. Daniel Deußer (GER) mit Cornet D’Amour 0,7, 5. Jeroen Dubbeldam (NED) mit Zenith 1,25, 6. Gerco Schröder (NED) mit London 1,29. Die weiteren deutschen Reiter: 11. Marcus Ehning mit Cornado 3,14, 21. Christian Ahlmann mit Codex One 5,23 und 28. Ludger Beerbaum mit Chiara 6,8.