Springreiten: Deutschland gewinnt Nationenpreis - Finale 2016 in Barcelona

Ludger Beerbaum, Christian Ahlmann, Janne Friederike Meyer, Otto Becker, Marcus Ehning, Daniel Deußer

Beerbaum und Ehning mit entscheidenden Nullrunden

Barcelona (fn-press). Grenzenlose Freude bei den deutschen Springreitern: Nach dem Sieg im Aachener Nationenpreis und dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen hat die Mannschaft von Otto Becker die Saison mit einem weiteren großen Triumph beendet. Mit 1,77 Sekunden Vorsprung gewann Team Deutschland am Samstagabend das Finale der Furusiyya-Nationenpreis-Serie in Barcelona. Im Stechen setzte sich Marcus Ehning mit Pret a Tout gegen den britischen Olympiasieger Nick Skelton auf Big Star durch.

Es wurde der erwartet emotionale Abend. Alle hatten Ludger Beerbaum gewünscht, zum Abschied von seiner Nationenpreis-Karriere noch einmal einen großen Sieg einzufahren. Und so sollte es kommen. Christian Ahlmann (Marl) machte mit Taloubet Z den Auftakt für Team Deutschland. Die beiden kamen ohne Fehler ins Ziel. „Ich bin super zufrieden mit Taloubet. Er springt mit seinen 16 Jahren wie ein junges Pferd, ganz konzentriert. Heute hat er nochmal richtig mitgekämpft in diesem Parcours, der richtig schwer war“, sagte der Weltranglistenerste.

Marcus Ehning und Pret a Tout kamen mit einen Abwurf aus dem Parcours. Doch ihr großer Auftritt sollte an diesem Abend noch kommen. Dass die vier Strafpunkte zunächst das Streichergebnis blieben, dafür sorgten im Anschluss Janne Friederike Meyer und ihr belgischer Wallach Goja. Sie waren kurzfristig ins Team nachgerückt, weil Daniel Deußers First Class van Eeckelghem am Vorabend leichtes Fieber hatte und geschont werden sollte. „Zum Wohle des Pferdes und um das Risiko zu minimieren, haben wir ausgetauscht“, erklärte Bundestrainer Otto Becker. Doch Janne Meyer machte ihren Job perfekt und hielt dem Druck stand. Mit einer schnellen und fehlerfreien Runde kamen sie und Goja aus dem Parcours. Team Deutschland war weiterhin im Rennen um den Sieg. „Ich bin froh, dass ich Daniel so würdig vertreten konnte“, freute sich die Schleswig-Holsteinerin. „Ich weiß, dass Goja alles springen kann. Aber in so einem Parcours muss einfach alles richtig klappen, und die Zeit war ziemlich knapp. Im zweiten Teil des Parcours habe ich das Tempo und damit auch das Risiko etwas erhöht, das war aber noch eine gute Mischung.“

Auch die Briten erledigten ihren Job sehr gut. Olympiasieger Nick Skelton hatte mit seinem Big Star die erste Nullrunde geliefert. Auch das zweite Paar, Michael Whitaker und Viking, behielten die weiße Weste. Jessica Mendoza und Spirit T lieferten mit zwölf Strafpunkten das Streichergebnis. Als letztes Starterpaar mussten nun Scott Brash und Ursula XII, die zuletzt den großen Preis von Calgary gewannen, für eine weitere Nullrunde sorgen, um im Rennen zu bleiben. Das gelang den beiden anstandslos. Es hing also wieder einmal an Ludger Beerbaum (Riesenbeck) und seinem Casello, wie schon im August bei den Olympischen Spielen, mit einer Nullrunde die Teilnahme am Stechen perfekt zu machen. In seinem 134. und allerletzten Nationenpreis behielt Beerbaum einmal mehr die Nerven.

Marcus Ehning, der am Mittag schon den Queen’s Cup mit seinem Pferd Funky Fred im Stechen für sich entschieden hatte, sollte in der entscheidenden Runde mit dem grundschnellen Pret a Tout für den Triumph sorgen. Der Gegner war kein geringerer als Nick Skelton mit Big Star. Der Brite legte vor. Null Fehler, 41.57 Sekunden. „Ich konnte Nicks Ritt sehen, wusste aber schon vorher, dass ich schneller sein würde“, schmunzelte Marcus Ehning im Anschluss. In der Tat. Um genau 1,77 Sekunden unterbot der Borkener die Zeit seines Konkurrenten. Das bedeutete den Sieg für die Mannschaft von Otto Becker. „Ich bin sehr, sehr glücklich und stolz auf meine Mannschaft. Alle Fünf sind hier super gesprungen und haben tolle Nullrunden gezeigt“, sagte der Bundestrainer. „Großen Respekt habe ich vor der Leistung von Ludger und Marcus, die heute unter besonderem Druck standen. Ludger, weil er wieder, wie in Rio, als letzter eine Nullrunde reiten musste, damit wir noch Chancen auf den Sieg haben. Und Marcus, der so viel Pech in Rio hatte, weil sein Pferd nicht ganz fit war, und nun dieses unglaubliche Stechen geritten ist.“

Marcus Ehning betonte: „Ich wollte dieses Stechen nicht einfach nur gewinnen, sondern auch für Ludger reiten.“ Genauso erging es seinen Teamkollegen. „Ich habe damals meinen ersten Nationenpreis in Rotterdam zusammen mit Ludger geritten, und nun auch mit ihm seinen letzten. Ich bin unglaublich stolz, Teil dieses Teams sein zu dürfen. Danke Jungs!“, sagte Janne Meyer. Für Daniel Deußer stand fest: „An diesem Wochenende haben wir wirklich alle Fünf gebraucht. Wir haben uns alle auf diesen letzten Nationenpreis mit Ludger gefreut. Zwar hatten wir in den letzten Jahren immer gute Teams, aber das Quäntchen Glück hat gefehlt. In Rio wollten wir unbedingt eine Medaille holen, das haben wir geschafft. Aber wir wollten hier auch noch einmal etwas Großes gewinnen. Es war knapp bis zur letzten Sekunde und wurde noch zu einem Happy End.“

Ludger Beerbaum wollte zum Schluss keine großen Worte mehr verlieren. „Bei der Siegerehrung habe ich auch an die Olympischen Spiele 1992 gedacht“, sagte er. Damals gewann er die Einzelgoldmedaille am gleichen Ort, an dem er an diesem Abend den Abschied von der Nationalmannschaft feierte. „Meine Kollegen haben alles dazu gesagt. Ich danke allen für die Unterstützung und wünsche viel Glück für die Zukunft.“

Platz drei ging an die Equipe aus den USA, die auf insgesamt vier Strafpunkte kam. Gefolgt von Italien, das fünf Strafpunkte verzeichnete. Ebenso lautete das Ergebnis für Irland und die Schweiz. Titelverteidiger Belgien kam auf 16 Strafpunkte und die Niederlande auf 20. Das kleine Finale der weiteren zehn Nationen fiel am Freitagabend einem Unwetter zum Opfer. Es soll voraussichtlich am Sonntag um 11.30 Uhr nachgeholt werden.

Team Germany mit Ludger Beerbaum, Christian Ahlmann, Janne Friederike Meyer, Otto Becker (Chef d’Equipe), Marcus Ehning and Daniel Deußer (Dirk Caremans/FEI)