Springreiten: Charlotte Höing und Bajala siegen mit Team Deutschland im Nationenpreis

Sie ist zwölf Jahre alt, kommt aus Großbeeren und reitet mit viel Herz und noch mehr Können. Das brachte Charlotte „Lotti“ Höing direkt in den deutschen Bundeskader der Children…und von da fast ohne Umwege nach Opglabbeek in Belgien. Dort, im Sentower Park fand am vergangenen Wochenende das CSIO Y/J/P/Ch statt. Pony-Springreiter, Children, Junioren und Junge Reiter traten an. Die Jungen Reiter und Pony-Springreiter beendeten den Nationenpreis auf Rang vier und die Junioren siegten.

Bei den Junioren stand Charlotte Höing selbst am Platzrand, schaute zu und feuerte die deutsche Mannschaft an. Bei den Children (U 14) musste sie selbst ran und meisterte die Aufgabe mit großem Erfolg. Gar nicht so einfach: Das Team Deutschland unter Bundestrainer Eberhard Seemann bestand fast ausschließlich aus Reitern, die noch keinerlei Erfahrungen auf diesem internationalen Level haben. Neben Charlotte Höing waren das Lukas Weiler und Lilli Collee. Lediglich Alia Knack war bereits im Nationen-Preis unterwegs.

Das aber war kein Hindernis und bremste den Tatendrang der Reiter nicht im Geringsten. „Ich wusste, dass wir eine noch recht unerfahrene, aber gute Mannschaft haben und bin optimistisch nach Belgien gefahren. Dass es so hervorragend laufen würde und wir mit so deutlichem Abstand gewinnen, war dann auch für mich überraschend und sehr schön“, stellet der Bundestrainer fest. Das Team Deutschland siegte nämlich in Belgien und die Brandenburgerin Charlotte Höing war mit ihrer achtjährigen Mecklenburger Stute Bajala (Be Bravo / Aletto) dabei.

Das allein aber war noch nicht genug der großen Taten. Mit Fixit ging sie in den Großen Preis und hätte dort fast für die nächste Sensation gesorgt. Von 56 Paaren erreichten ganze neun das Stechen. Charlotte war mal wieder schnell. Nur zwei Paare ritten noch schneller durch den Parcours. Es wurde ein sehr guter dritter Platz. Mit einer weißen Schleife und der Schärpe vom Sieg im Nationenpreis ging es den langen Weg zurück nach Brandenburg.

Wie ihre Mutter Sandra Höing zugab, war Charlotte mit ihren Erfolgen super zufrieden und unheimlich stolz. Stolz war bestimmt auch Trainer Volker Lehrfeld, bei dem sie in Ferchesar trainiert. Dreimal pro Woche geht es die 100 km lange Strecke von Großbeeren ins Havelland. Wie man nun sehen kann, zahlt es sich aus. Obwohl es in der Region bestimmt keinen Springreiter gibt, der Charlotte Höing nicht schon seit mindestens zwei Jahren auf der Uhr hat. Schließlich stand sie bereits oft genug in der Siegerehrung; auch ganz vorne. Und hinter ihr platzierten sich schon öfters Reiter, die länger im Sattel sitzen, als Charlotte auf der Welt ist.

Wer aber nun denkt, dass erstmal Pause ist, hat sich getäuscht. Schon am nächsten Wochenende geht es zum Preis der Besten nach Warendorf. Da ist Charlotte erneut am Start. „Die Reiter aus Opglabbeek haben sich für die Europameisterschaft empfohlen, auch wenn der Preis der Besten am kommenden Wochenende natürlich die Hauptsichtung ist“ macht der Bundestrainer klar. Danach ist nur einmal kurz durchatmen angesagt. Am Mittwoch darauf geht es laut Entscheidung des Bundestrainers nach Polen zur Baltica. Da kann die junge Dame erneut zeigen, was sie drauf hat. Und wer Charlotte mal wieder in der Nähe springen sehen will, sollte sich Anfang Juni nach Cottbus begeben oder zum Gestüt Bonhomme. Wie die Mutter verriet, sind das die nächsten Stationen. Falls der Bundestrainer nicht noch andere Pläne hat…

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