Schenkelbrand bleibt erlaubt: Vorerst…

Die Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) ist am Wochenende einen Schritt in Sachen Schenkelbrand zurück gegangen. Das löste bei den Verfechtern der traditionellen Kennzeichnungsmethode eher gesetzte Freude aus. Denn die Gefahr des Verbotes ist ja noch nicht vollständig gebannt. Neben dem Tierschutzbund, der die Kampagne gegen den Schenkelbrand ins Leben rief, sind es vor allem die Grünen und große Teile der SPD, die ihn als Tierquälerei sehen. Und was sich in einer möglichen Zusammenarbeit mit der SPD nach der nächsten Bundestagswahl zum Thema ergeben wird, bleibt abzuwarten. Zu dünn sind die Argumente für oder gegen die Methode, Pferde durch das Brandzeichen einem Zuchtverband zuzuordnen. Da fiel es dem Tierschutzbund natürlich leicht, mit, gelinde gesagt,  geschmacklosen Plakaten auf sich aufmerksam zu machen.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hatte gerade mal einen einzigen Sachverständigen aus Kiel mit einem Gutachten ins Feld führen können, der in einer Langzeitstudie nachwies, dass die Schmerzen beim Schenkelbrand offenbar weniger groß sind, als von den Tierschützern dargestellt. Die Möglichkeit der Suche nach Alternativen und neuen Wegen wurde nicht in Betracht gezogen. Hier geht es etwa um die Verwendung von schmerzlindernden Medikamenten während des Brennvorgangs. Das wurde während der Fohlenschauen in diesem Jahr auch von Vertretern mehrerer Zuchtverbände hinter vorgehaltener Hand bemängelt und soll nun – allerdings von Seiten des Gesetzgebers – anders werden.

Wie es nun trotzdem zum plötzlichen und überraschenden Einlenken seitens der schwarz-gelben Koalition kam, wird sicher nie vollständig geklärt werden können. Das Verdienst der FN ist es wohl nicht, denn in den letzten Monaten haben sich die Zuchtverbände allein auf den Weg zu den zuständigen Fachministern bei den Landesregierungen und der Bundesregierung gemacht, um für den Erhalt des Schenkelbrandes zu werben. Gerade im nördlichen Teil Deutschlands wurde eine erfolgreiche Arbeit geleistet. Gehandelt wurde offenbar nach der Devise „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“. Nachdem sich auch noch Guido Westerwelle und Ursula von der Leyen im Kabinett für den Erhalt des Schenkelbrandes ausgesprochen hatten, geriet Frau Aigner wohl in arge Bedrängnis. Für einen Koalitionskrach ist das Thema dann doch nicht geeignet. Die oberste Hüterin der Felder, Wälder und Tiere ruderte zurück.

Es bleibt jetzt abzuwarten, wie sich die Tierschutzlobby verhält. Klagewege gibt es reichlich und es wird sicher auch an der Zeit sein zu untersuchen, welche körperlichen Folgen das Chippen hat. Jeder, der schon einmal an einer Fohlenschau teilgenommen hat, konnte sehen, dass das Chippen in den allermeisten Fällen eine wesentlich heftigere Reaktion bei den Pferden auslöst, als das Brennen. Die Verbände und die FN sind gut beraten, auch weiterhin den Schenkelbrand und das Chippen von allen Seiten zu beleuchten. Womöglich stellt sich in einer dringend notwendigen Langzeitstudie heraus, dass der Chip das wesentlich größere Problem darstellt. Dann könnte sich Frau Aigner, wenn sie noch im Amt ist, wieder richtig ins Zeug legen.