Sattelklau in Berlin und Brandenburg: Nix Besonderes?

 

 

Das Pferdesport-Jahr hatte seine sonnigen Momente in der Region, aber auch seine Schattenseiten. Zu denen gehörten Diebstähle von meist gleich mehreren Sätteln aus verschiedenen Räumlichkeiten zugehörend zu Reitsportanlagen in den Bundesländern Berlin und Brandenburg. So weit - so schlecht.

In den sozialen Netzwerken wurde lange und ausgiebig über das Thema gesprochen. Und selbstverständlich empfindet es jeder Betroffene, Geschädigte und Angehörige als persönlich sehr schmerzhaft. Das ist nicht anders zu erwarten und stellt den Sattelklau gefühlt in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses - aber eben nur für Reiter und andere mit dem Pferdesport verbundene Menschen.

Den Rest interessiert das Thema eher weniger - einschließlich der Polizei. Das hat nichts damit zu tun, dass Sättel unwichtiger sind, aber im Verhältnis zu anderen Diebstahlsdelikten tauchen Sättel statistisch gesehen fast gar nicht auf.

Die Berliner Polizei meldete sich auf Anfrage von pferdefreunde.co telefonisch. Sie sieht keinen gesonderten Handlungsbedarf oder gar die Notwendigkeit des Einsatzes einer Sonderermittlungsgruppe. Es gäbe keine Hinweise auf organisierte Kriminalität und keine auffällige Häufung von Delikten, die man unter dem Oberbegriff „Sattelklau“ zusammenfassen könnte. Sie warnt in diesem Zusammenhang auch vor der Abbildung und elektronischen Verbreitung (z. Bsp. soziale Netzwerke) von vermeintlich Verdächtigen. Wer Anhaltspunkte hat oder einen Verdacht hegt, so die Polizeisprecherin, solle sich zum nächsten Polizeirevier begeben und seine Beobachtungen mitteilen bzw. Bilder oder Filmmaterial übergeben. Das gilt im Übrigen auch für die Auswertung von Satteldiebstählen im näheren Umfeld. Es wurde empfohlen, sich bei den Ställen zu erkundigen, wie die Täter vorgingen und besser noch: Was die Polizei vor Ort geraten hat, um das zukünftig zu verhindern. Das sollte man dann im eigenen Stall möglichst umsetzen.

Ist aber eigentlich auch ganz einfach und leicht nachzuvollziehen, denn die Gedanken über den Schutz seines Eigentums muss man sich schon selbst machen. Empfohlen wurde außerdem - auch nicht neu - die Kennzeichnung des Sattels, das Aufschreiben eventueller Seriennummern, das Aufhaben der Kaufbelege, das Notieren von Besonderheiten und das Fotografieren der kostbaren Stücke aus allen Blickwinkeln. Wer darauf keine Lust hat, sollte seinen Sattel mit ins Wohnzimmer nehmen. Da ist er in dieser Jahreszeit vielleicht gar nicht so schlecht aufgehoben… Aus der Berliner Ecke also nichts Neues. Dort sieht man im Übrigen auch eher den Handlungsbedarf in Brandenburg, wo die Anzahl der Satteldiebstähle nach deren Meinung viel häufiger vorkommt.

Die Brandenburger Polizei nahm sich für die Informationsermittlung zum Thema schon mehr Zeit und wurde ausführlicher. Das war vorbildlich und gibt einen Daumen nach oben. Hier ist die Antwort von der Pressestelle des Polizeipräsidiums vom 12. November 2014 in Auszügen:

Sehr geehrter Herr Habicht,
anbei übersende ich Ihnen die Beantwortung Ihrer Anfrage zum Diebstahl von Reitsätteln.

Bei der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) handelt es sich um eine sogenannte Ausgangsstatistik, welche bundeseinheitlich durch die PKS-Richtlinien geregelt wird. Es werden hier keine Anzeigen, sondern nur hinreichend konkretisierte Fälle registriert. Für die Beantwortung können nur die der Polizei bekannt gewordenen Fälle als Grundlage genommen werden. Eine Dunkelfeldanalyse ist nicht möglich. Durch die Polizei Brandenburg können auch nur Daten für das Land Brandenburg dargestellt werden.
Die Auswertung beinhaltet die Kriminalitätsdaten der PKS Brandenburgs zum Diebstahl insgesamt bezüglich des erstrebten/erlangten Gutes "Reitsattel" für die Berichtsjahre 2013/2012. Ein Fall kann den Diebstahl mehrerer Reitsättel umfassen. Insofern kann ein einzelner Fall für den betroffenen Betrieb/Verein/Besitzer einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden bedeuten. Angaben zur Zahl der insgesamt verschwundenen Sättel bzw. Zubehörteile sind allerdings nicht möglich.
Die Fallzahlen bewegen sich generell auf einem niedrigen Niveau. Für das Berichtsjahr 2013 wurden landesweit 24 Fälle registriert. Im Jahr zuvor waren es 31 Fälle. Aus den außerordentlich geringen absoluten Fallzahlen lassen sich keine seriösen Tendenzaussagen treffen. Für das Jahr 2014 bewegen sich die Fallzahlen nach bisher möglicher Einschätzung auf vergleichbar niedrigem Niveau.
Aufgrund der insgesamt geringen Fallzahlen werden keine umfangreichen landesweiten Analysen von Herangehensweisen etc. durchgeführt. Anhaltspunkte für ein großräumiges Vorgehen organisierter Tätergruppen liegen nicht vor. Soweit Tatverdächtige ermittelt werden konnten, handelte es sich zum Teil um Personen, die in direkter Beziehung zum jeweiligen Betrieb oder zu bestohlenen Personen standen.
Die Sättel können durch eine zusätzliche individuelle Kennzeichnung, z. B. durch Einprägen (Stempel) einer Nummer oder Markierung mittels künstlicher DNA, seitens der Eigentümer gekennzeichnet werden. Die Polizei Brandenburg verfügt über ein Gerät, mit dem Sättel und Zubehörteile dauerhaft mit einem eingebrannten Code versehen werden können. Damit werden von Präventionsbeamten und Revierpolizei in Absprache mit Reiterhöfen oder ähnlichen Einrichtungen Codierungen vor Ort vorgenommen. Darüber hinaus bietet sich das Markieren von Reitausrüstung mit künstlicher DNA an. Auch andere individuelle Kennzeichnungen sind möglich. Alle diese Kennzeichnungen dienen dazu, gestohlene Gegenstände im Falle des Auffindens unkompliziert dem eigentlichen Besitzer zuordnen zu können. Sofern augenfällig, z.B. am Betriebsgelände, auf solche Markierungen hingewiesen wird, haben sie darüber hinaus einen abschreckenden Effekt gegenüber möglichen Dieben.
Das Reitequipment sollte in den Reiterhöfen sicher verwahrt werden. Vorteilhaft wäre ein fensterloser Raum mit einer geprüften einbruchhemmenden Tür. Ggf. wären - je nach Umfang und Wert der gelagerten Ausrüstung - der zusätzliche Einbau einer Einbruchmeldeanlage und/oder die Beauftragung eines Wachschutzunternehmens zu prüfen.
Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag
Karina Schulter
Polizeipräsidium, Pressestelle - Ast. Eberswalde
Tramper Chaussee 1, 16225 Eberswalde
Tel. 03334/388-8401, Fax 03334/388-8409
…dem gibt es wenig hinzuzufügen. Auch wenn Sattelklau kein Kavaliersdelikt ist, so steht er doch nicht im Fokus der polizeilichen Ermittlungen. Niemand weiß, wohin die Sättel gehen bzw. von wem sie bestellt werden. Denn davon kann man ausgehen, dass diese nicht auf dem nächsten Flohmarkt um die Ecke wieder auftauchen. Bleibt nur das Annehmen der vielen hier im Beitrag genannten Empfehlungen.

 

Wer weitere, persönliche, tiefergehende Informationen zum Thema hat, kann sich unter info(at)pferdefreunde.co melden. Das Thema bleibt noch eine Weile aktuell und wird die Reiterschaft in Berlin und Brandenburg weiterhin beschäftigen. Pferdefreunde.co bleibt am Ball.

Anmerkung: Auf die Nennung von Höfen oder Einrichtungen, von denen Sättel entwendet wurden, ist hier absichtlich verzichtet worden, um niemanden in Misskredit zu bringen. Und nur um es noch einmal klarzustellen, denn verschiedene Medien haben es anders berichtet: Die Zahl der Satteldiebstähle ist im letzten Jahr im Land Brandenburg zurückgegangen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Zahlen für 2014 anders entwickeln. Da für Berlin keine konkreten Zahlen vorliegen, ist man also weiterhin auf Vermutungen angewiesen.

Fotos von Jan-Pierre Habicht ©