Renntag Mariendorf am 30. Juni 2013: „Seppi“ franzelt die Gegner ab

 

Josef Franzl und Going As gewinnen das von trotto.de gesponserte zweite große Mariendorfer Geburtstagsrennen. Heinz Wewering und New Generation beherrschen den Criterium-Trial.

Auf den deutschen Trabrennbahnen und im eigenen Freundeskreis sagen alle nur Seppi zu ihm. „Auf etwas anderes höre ich gar nicht“, sagt der in Sauerlach lebende Josef Franzl über seinen gemütlich klingenden Spitznamen. Für seine sportlichen Konkurrenten wird es allerdings eher ungemütlich, wenn der Dress des Derbysiegers an ihrer Seite auftaucht. „Achtung – Franzl kommt!“ scheint die Orangefarbe zu signalisieren. Denn seinen fast unglaublichen Siegschnitt von aktuell 42 Prozent setzt der Profi auch in den großen deutschen Zucht- und Standardrennen um.

Am Sonntag gewann Franzl das mit insgesamt 35.000 Euro dotierte zweite große Mariendorfer Geburtstagsrennen, obwohl sein Schützling Going As im Vorlauf und im Finale von der 2.000-Meter-Grundmarke aus beide Male nicht glatt aus dem Band gekommen war. Doch „Seppi“ bügelte beide Fehler aus. Im seinem Vorlauf blieb Going As nach seiner Aufholjagd hinter Bullseye (Michael Nimczyk) zwar nur der zweite Rang, während der andere Vorlauf an den mit 20 Meter Zulage bedachten und auf der Zielgeraden pfeilschnellen Prinz Poldi (Michael Schmid) ging. Doch im Finale, das für Bullseye mit einer ausgiebigen Startgaloppade und anschließender Disqualifikation begann, ließ sich Going As in 1:16,5 min. nicht mehr die Butter vom Brot nehmen.

Denn der Crack des Rennstalls Germania fand trotz seiner anfänglichen Galoppsprünge schnell zu seinem Rhythmus zurück und sprintete mit viel Schwung aus dem ersten Bogen heraus am gesamten Feld vorbei. Als sich Dschingis Khan (Gerd Biendl) in der letzten Kurve ganz außen mit mächtigen Schritten in den Kampf um den Sieg einschaltete, schien es für einen Moment spannend zu werden. Doch Going As forcierte das Tempo mühelos und lief drei Längen Vorsprung auf die Konkurrenten heraus, während sich Dschinghis Khan gegen den spurtstarken ZZ Top (Thorsten Tietz) und den erneut von Michael Schmid gesteuerten Prinz Poldi sogar noch gewaltig für den Ehrenrang strecken musste.

Auch Franzls zweiter Sieger Jag Heuvelland trug die Germania-Farben. Der Sechsjährige trumpfte auf der Meilenstrecke Start bis Ziel in der Tagesbestzeit von 1:15,1 min. auf. Maik Esper gelang ebenfalls ein Doppeltreffer. Obwohl Abaton unterwegs keinen günstigen Rennverlauf angetroffen hatte, wurde der für das Derby genannte Hengst auf der Schlusshalben mit jedem Schritt stärker. Der seit Monaten in Bestform agierende Esper durfte zu Recht über diese Leistung strahlen: „Ich freue mich besonders für Abatons Besitzer. Denn die Familie Föllmer investiert viel Zeit, Geld und vor allem Leidenschaft in den Rennsport.“ Ebenso beeindruckend wie Abaton verkaufte sich Espers zweiter Schützling Allison Light. Der von seiner Lebensgefährtin Joana Klein aus ihrem Lieblingspferd Annies Light gezüchtete Hengst fand einen Idealverlauf an vierter Stelle außen vor und lief zum fünften Mal hintereinander vor allen Gegnern über die Linie.

Heinz Wewering war ebenfalls Doppelsieger. Der bei derzeit 16.669 Erfolgen rangierende 29-malige Deutsche Meister punktete mit dem außen herum durchziehenden Grand Ass und erzielte außerdem einen Zähler auf höchstem Niveau. Denn Wewering gewann den mit 7.000 Euro dotierten Trial II zum Criterium der Vierjährigen mit Gerhard Hölters Hengst New Generation. Wobei es sehr lange gar nicht danach ausgeschaut hatte. Denn der Hengst hatte vom Startplatz acht aus zwar gut ins Rennen gefunden, schien aber noch im Schlussbogen an der Innenkante zu verhungern. Doch Wewerings geradezu geniale Taktik ging auf: Mit dem Erreichen des Einlaufs fand New Generation die entscheidende Passage und zog in 16,0/1.900m mit anderthalb Längen Vorsprung an Super Love Boy (Josef Franzl) vorbei.

Wewering, Esper und Franzl also mit Doppelsiegen – da konnte der Berliner Champion Thorsten Tietz nicht tatenlos zuschauen. Dem Silberhelm gelang ebenfalls ein Zweifach-Schlag. Und zwar mit Pferden, die fest für das Arthur-Knauer-Rennen und das Derby vorgesehen sind. Stall Hahns Miss Dior, die kleine Schwester von Spicy A., punktete aus dem Feld heraus, während Stall Preussens weiterhin ungeschlagener Wallach Fridericus seinen Kontrahenten von der Spitze aus eine Lektion erteilte. Auch die anderen Sieger des Nachmittags waren beeindruckend: Sebastian Gläser gab mit Sweet Star („Die lange 2.500-Meter-Strecke kam ihr sehr entgegen.“) auf der Überseite Gas und gewann hochüberlegen. Das Trabreiten ging an Evita und die erst 16-jährige Saskia Krause, die damit ihren zweiten Erfolg innerhalb kurzer Zeit erzielte. Daniel Wagner dirigierte Höwings Pothos Z im Schlussbogen zum Angriff an und Inzagi und Georg Frick setzten ebenfalls alles auf das Finish. Als Fazit bleibt: Die stark besuchte und vom Umsatz her erfolgreiche Berliner Veranstaltung war ein sportlich wirklich hochklassiges Ereignis.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 189.959,34 Euro – Bahnumsatz: 71.254,00 Euro – Außenumsatz: 118.705,34 Euro

Die nächste Veranstaltung findet am Sonntag, dem 7. Juli statt. Im Mittelpunkt stehen das mit 50.000 Euro dotierte Buddenbrock-Rennen 2013 sowie der mit 25.000 Euro dotierte Stutenlauf. Außerdem wird das Master-Rennen V um 10.000 Euro Preisgeld ausgetragen. Beginn ist um 13.30 Uhr!