Renntag in Mariendorf am 16. Juni 2013: Esmeralda hatte keinen Grund zum Meckern

 

Kurios: Bei ihrem Masters-Triumph mit Thomas Panschow wird El Conchita von ihrer Lieblings-Ziege begleitet. Die Criterium-Trial-Sieger Josef Franzl und Super Love Boy sind ebenfalls „ziemlich beste Freunde“. Der Stutenlauf geht an Kornelius Kluth und die mächtig imponierende Hippie vom Gestüt Lasbek.

Ein königliches Wetter und ein geradezu fürstliches sportliches Programm: Der große Kaiser’s Familien-Renntag hielt das, was er schon im Vorfeld versprochen hatte. Viele neue Besucher, die zuvor noch nie eine Rennbahn betreten hatten, lernten den Sulkysport auf Anhieb von seiner besten Seite kennen und sie gratulierten Thomas Panschow und El Conchita, den Siegern des mit 10.000 Euro dotierten Masters, mit einem herzlichen Applaus. Den hatte sich das in der Tagesbestzeit von 14,7/2.020m auftrumpfende Gespann wahrlich verdient. Denn Thomas Panschow glänzte mit cooler Nervenstärke. Nachdem der bei aktuell 2.817 Karrieretreffern stehende Profi die für die Farben der Familie Bongartz laufende und von Thomas Welsing trainierte El Conchita trotz der 20-Meter-Zulage rasch in die vierte Position geführt hatte, orientierte er sich auf der Schlussrunde an der aufgerückten Cosmic Love (Christoph Schwarz). Panschow blieb sogar noch ruhig sitzen, als die Angreiferin Ende der Gegenseite nicht mehr entscheidend weiterkam, und nahm sein Pferd erst zu Beginn der Zielgeraden heraus.

Von einer Sekunde auf die andere offenbarte El Conchita genau das, wofür sie bei allen Gegnern gefürchtet ist: ihren berüchtigten Speed. Die Stute eilte mit Siebenmeilenstiefeln heran und fing Britt Newport (Jesse ter Borgh) und Miss Chablis (Michael Nimczyk) noch sicher ab. Doch war es nur die geniale Taktik ihres Fahrers, die El Conchita den großen Triumph beschert hatte? Thomas Panschow sah es in seiner bescheidenen Art anders. „Alles hat super gepasst und ich glaube, in erster Linie wollte die Stute so schnell wie möglich in den Stall zu ihrer Freundin Esmeralda zurück“, schmunzelte der Trabrennfahrer und verriet damit ein ungewöhnliches Erfolgsrezept. Denn dass sich El Conchita immer so einsatzbereit und ausgeglichen präsentiert, liegt vor allem an ihrer Busenfreundin: der Ziege Esmeralda, die nie aus ihrer Nähe weicht und die Stute auf allen Reisen begleitet. Trainer Thomas Welsing: „Ohne Esmeralda macht El Conchita keinen einzigen Schritt.“

„Ziemlich beste Freunde“ sind auch die Sieger des mit 7.000 Euro dotierten Trials zum Criterium der Vierjährigen, das den zweiten großen Höhepunkt der Mariendorfer Veranstaltung darstellte. Josef Franzl und Super Love Boy feierten einen Volltreffer, obwohl die Ausgangslage für den Hengst des österreichischen Besitzers Alois Wegscheider alles andere als optimal war. „Mit der Startnummer 11 blieb mir gar nichts anderes übrig, als auf Super Love Boys Finishstärke zu setzen“, analysierte Josef Franzl den Rennverlauf und die entscheidende Phase im Schlussbogen, in der sein Schützling aus der siebenten Position heraus mit jedem Schritt schneller wurde. Der Love-You-Sohn setzte sich in 16,4/1.900m sogar noch leicht gegen Rob Roy (Herbert Eisenmann) und Janus R.A. (Daniel Wagner) durch. Franzl hatte zuvor schon mit Lord Jaycee Start bis Ziel gepunktet, über dessen Sieg der Besitzer Jürgen C. Dieck strahlte: „Der Dunkelbraune hat das Zeug dazu, noch besser als sein leider viel zu früh eingegangener Bruder Jaycee zu werden.“    

Die mit 3.500 Euro dotierte Stuten-Abteilung des Criterium-Trials stand dem Hauptlauf in nichts nach – ganz im Gegenteil, mit 15,1/1.900m wurde hier sogar die deutlich schnellere Kilometerzeit erzielt. Die Begeisterung von Kornelius Kluth, der die 18:10-Favoritin Hippie zum erwarteten Sieg geführt hatte, war daher kaum verwunderlich: „Sie ist ein wirklich tolles Pferd“, lobte der Sulkyfahrer die bei vier Starts bisher noch unbezwungene Tipi-Tochter vom Gestüt Lasbek. Die Braune hatte nur auf den ersten Metern die am Ende drittplatzierte Isadora (Benjamin Hagen) vor sich geduldet und übernahm rasch selber die Führung. Bis in die Gegenseite hinein war das Tempo noch ruhig – doch dann übte Tara Hall (Roland Hülskath) in der Angriffsspur unentwegt Druck aus. In ihrem einsamen Duell an der Spitze absolvierten die beiden Streithähne die finalen 800 Meter im 13-er Schnitt. Doch so sehr sich die bravouröse Tara Hall auch mühte – sie hatte gegen die jederzeit souveräne Hippie keine Chance.

Neben Josef Franzl gab es noch einen zweiten Doppelsieger, nämlich Thorsten Tietz. Den ersten Treffer landete der Berliner Champion mit dem offensiv vorgetragenen Fridericus. Der für das Derby genannte Dreijährige des Rennstalls Preussen konnte sich in Front sogar ein ruhiges Tempo erlauben. Tietz forcierte die Pace, die zu dem Gesamtergebnis von 16,8/1.900m führte, erst auf der Schlusshalben und Fridericus eilte den Gegnern mit drei Längen Vorsprung davon. Den zweiten Tagessieg machte der Silberhelm dann mit Chatain perfekt, der ebenfalls schnell an die Spitze strebte und keinerlei Angriffe der Gegner zuließ. Mit dem – zumindest vom wettenden Publikum – fest erwarteten dritten Erfolg des Berliner Champions wurde es aber nichts. Obwohl seine Seriensiegerin Envie de Paris ein Rennen nach Maß vorfand, hatte die Stute Mitte des Einlaufs nichts mehr zu verkaufen. Ganz anders Bundi Boko, der mit seinem Fahrer und Besitzer Ferdinand Hirsch nach einem geschonten Verlauf an der Innenkante auf den letzten Metern höllisch schnell wurde. In der Kombination mit Lay on me Diamant (Kay Werner) gab es für die Zweierwette 2.624:10!

Maik Esper siegte Start bis Ziel mit Allison Light, dem vierjährigen Hengst seiner Lebensgefährtin Joana Klein. „Mir fällt ein Stein vom Herzen – sonst hätte ich bestimmt zuhause mächtigen Ärger bekommen“, scherzte der schon seit Monaten in starker Form agierende Profi und ergänzte: „Leider macht Allison Light hin und wieder sein linkes Vorderbein ein wenig zu schaffen – aber mit dem Aqua-Trainer haben wir das Problem gut in den Griff bekommen.“ Auch Helios und sein Besitzer Joachim Jenkel-Peters gewannen ihr Rennen von der Spitze aus. „Das war mein erster Berliner Sieg und ich bin sehr stolz auf dieses Pferd“, freute sich der im lauenburgischen Witzeeze lebende Sportler und erklärte in sehr sympathischer Manier: „Wir sind nur ein kleiner Rennstall und können nicht jedes Jahr einfach eine Handvoll Traber nach Belieben dazukaufen. Deswegen sind wir von Helios absolut begeistert. Wir wollen ihm viel Zeit für seine Entwicklung geben, unser Fernziel ist ein Start bei der Breeders Crown.“

Zu den imposanten Tagessiegern gehörte auch Shark Attack, der sich bei seinem Erfolg mit dem Deutschen Champion Roland Hülskath bissig wie ein Hai präsentierte. „Gott sei Dank habe ich gestern genug gegessen, denn auf den ersten dreihundert Metern war der Wallach kaum zu halten“, schmunzelte der Goldhelm, der am Tag zuvor 38. Jahre alt geworden war. Shark Attack, der Ende des ersten Bogens die Spitze erobert hatte, war in Front jedenfalls eine absolute Macht und wirkte nach dem Rennen, als könnte er problemlos noch eine weitere Runde laufen. Ganz ähnlich sah es bei General Eck aus, der mit seinem Besitzer André Schiller nach einem Idealverlauf als viertes Pferd außen in 15,5/1.900m den zweiten beeindruckenden Sieg innerhalb einer Woche erzielte. Die Teilnehmer des Trabreitens waren ebenfalls mächtig schnell unterwegs: Ronja Walter führte den seit Mai 2011 sieglosen Crime Time mit einem Glanzritt in 16,7/1.609m in die Erfolgsspur zurück.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 141.437,90 Euro – Bahnumsatz: 57.069,00 Euro – Außenumsatz: 84.368,90 Euro

Die nächste Veranstaltung – der zweite große Mariendorfer Jubiläumsrenntag – findet am Sonntag, dem 30. Juni statt. Im Mittelpunkt stehen das mit 25.000 Euro dotierte Geburtstagsrennen II und der Trial II des Criteriums der Vierjährigen um 7.000 Euro Preisgeld. Beginn ist um 13.30 Uhr!