Rennbericht Trabrennen Berlin-Mariendorf in Karlshorst: Ein „Junior“ ist der Schnellste

 

Berlin-Mariendorf (in Karlshorst), Sonntag, 17. August 2014. Mit einem blauen Auge davongekommen sind die Mariendorfer, die mit einigem logistischen Aufwand „ihren“ Renntag wegen der notwendigen Geläufsanierung erstmals in den Pferdesportpark ausgelagert hatten.

Das von Hause aus quantitativ recht dünn besattelte Programm wurde enorm abgespeckt durch acht Absagen, denen auch das mit Spannung erwartete Duell der beiden hochkarätigen Langzeit-Rekonvaleszenten Ronas Liguori und Setfiretotherain zum Opfer fiel: Der Berliner musste mit Attest die Box hüten, der US-Amerikaner war wie die übrigen Holtermann-Schützlinge gar nicht erst nach Berlin gereist.

Trotz allem hielt sich der Umsatz im erwarteten Rahmen, und einer wird diesen Renntag mit Wohlwollen abgehakt haben: Michael Nimczyk. Nachdem es für den aktuellen und designierten deutschen Goldhelm beim PMU-Renntag in Gelsenkirchen mit einer Ehrenrunde nur mäßig und bei der Hamburger Nacht des Pferdes überhaupt nicht rund gelaufen war, schnackelte es heute wie gewohnt: Mit zwei souveränen Erfolgen von Laufey und Uldimeo, den er für Altmeister Peter Kwiet zum zweiten Karrieresieg catchte, sowie einem hart erarbeiteten Volltreffer von Frances F Boko und dem nötigen moralischen Rückenwind im Gepäck reist er am Montag gleich weiter in den Norden Schwedens, wo er am Montag in Solänget und am Dienstag in Umeå die schwarz-rot-goldenen Farben gegen zehn Mitstreiter bei der Europameisterschaft der Professionals vertritt.

Nachdem auch Dancer Dragon und Werner Schnieder trotz geradezu behäbigen Starts am Ende ganz leicht die Nase vorn hatten, war jener Treffer der Jauß-Stute im ersten Trial zum Jugend-Preis gegen lediglich vier Mitbewerber zugleich der erste umkämpfte des Nachmittags. Bis 50 Meter vor der Linie war der Erfolg der dunkelbraunen Debütantin nämlich alles andere als in trockenen Tüchern, erwies sich Iceman Bo, dem sie eine Runde zuvor die Führung abgeluchst hatte, als Angreifer mit heißem Herzen, der näher und näher rückte, aber im Eifer des Gefechts in Galopp fiel und sich somit selbst um mindestens die zweite Frucht seines tollen Einsatzes brachte.

Noch enger ging’s bei der zweiten Probe (Trial), jener für die Dreijährigen, zur Sache. Favorit Louisdor verlor bei der Galoppade vor der Startmarke reichlich Boden, machte den mit einem irrwitzigen Angriff vor der Tribüne nicht nur wett, sondern rauschte gleich bis in die Pole Position durch und zahlte einen Kilometer später mit dem kolossalen Untergang. Genau anders herum lief’s für Stefan Schoonhovens SJs Junior C, der als Außenseiter lange am Ende des Pulks herumdümpelte, aber eben genau dann „da“ war, als es darauf ankam. In einem beinharten Gefecht riss er Emerald Bay und den durch die Todesspur ackernden Derby-Finalisten Love Victory nach Zentimeter-Arbeit in der Tagesbestzeit von 1:16,8 aus allen Siegträumen.

Dies war zugleich der Auftakt einer Triplette der Außenseiter, die sich gewaschen hatte. Anschließend bewahrheitete sich bei Aruna Folle der alte Spruch der neuen Besen, die gut kehren. Nach seinen feinen Auftritten im Derby-Meeting 2013 war der belgische Österreicher mit einigen Ambitionen in Berlin gelassen worden, vermochte diese jedoch nie zu erfüllen. Natürlich erleichterte ihm die Galoppade des 11:10-Favoriten Bonaparte, der zu Beginn der Zielgeraden schnöde das Handtuch warf und damit die Schlacht mit der roten Karte verlor, die Mission „erster Sieg auf deutschem Boden“ ungemein, doch hat man den Zehnjährigen hier schon lange nicht derart spritzig gesehen. Übertroffen wurde er nur von Maik Espers zweiter Siegfuhre Alicante, die aus der Deckung Thorsten Tietz’ Stutenderby-Finalistin Emma F Boko in geradezu atemberaubender Manier die Eisen zeigte. Hinten, nämlich im letzten Rennen, wurden die Enten dann ganz fett, denn nachdem er bei den ersten beiden Starts seiner Comeback-Tour im Einlauf reichlich eingeknickt war, hatte mit Oscar Eck bei 331:10 kaum jemand gerechnet. Mit dem ins italienische Gestütbuch eingetragenen Wallach nutzte Matthieu Hegewald den Aussetzer der Favoritin Lanea und ließ sich bis zum Pfosten auch vom in Deutschland notierten Zuchtkameraden Giant Eck nicht mehr in die Siegsuppe spucken.

Für Thorsten Tietz, der sich von diesem Renntag ganz sicher mehr versprochen hatte, holte Major Eck die Kastanien aus dem Feuer, der über den langen Kanten in der Entscheidung den mit viel Aufwand an die Spitze gescheuchten Il Lamborghini ganz locker am rechten Wegesrand liegen ließ und sich beim vierten Auftritt nach der kurzen Pause schon wieder in Spitzenform präsentierte. Den zweiten Zähler für Trainer Dirk Grusdas steuerten unmittelbar darauf Spicy A. und Andre Pögel bei, wobei der Schmied bis zum Pfosten höllisch auf der Hut sein musste, nicht vom durch die Todesspur ein Riesenrennen laufenden Sandro HS und von der zähen Imperia erwischt zu werden.

Umsatz bei 10 Rennen: 80.340,15 Euro (incl. 44.849,15  Euro Außenumsatz)

Foto von Berliner Trabrenn-Verein