Reitturnier Löwen Classics Braunschweig 2014: Name und Dach einer Marke

(Braunschweig) Im Jahr 2001 hat es begonnen, das Abenteuer Reitturnier mitten in der Stadt Braunschweig. Aus dem ersten nationalen Hallenturnier ist ein veritables Großereignis geworden, international und auf Vier-Sterne-Niveau, Gastgeber für Teilnehmer aus rund 15 Nationen in jedem Jahr, Standort des Weltcup-Finales Voltigieren 2013, Standort der Deutschen Hallenmeisterschaften der Landesverbände und kultiger und ungewöhnlicher Treffpunkt für die Sportregion Braunschweig. Vom 6. bis 9. März finden die 13. Löwen Classics in der Volkswagen Halle statt. Löwen Classics, das ist aber auch das Dach für eine eigene, selbstständig entwickelte Marke. Der Kopf dahinter ist Veranstalter Axel Milkau.

Man benötigt ein gewisses Maß an Leidenschaft, um sich in die Organisation und Vermarktung eines Turniers zu stürzen und noch mehr davon, um unter diesem Dach dauerhaft Sportprojekte zu entwickeln. "LC" also Löwen Classics, steht längst als Benchmark für gut verzahntes Marketing im Pferdesport, dank der Entwicklung der LC-Sportzentrums mit integrierter Ponyschule und der LC-Sportförderung, sowie der Betreuung sozialer Projekte.

Das Credo von Axel Milkau in Kurzform: Vertikale Ebenen verknüpfen und "quer denken". Beides kann der Unternehmer und einstige Springreiter - ein Interview mit dem FN-Vizepräsidenten:

In Deutschland sind Veranstaltungen abgesagt worden, jeder Veranstalter ist gefordert, sich gut aufzustellen. Warum gelingt das in Braunschweig sicherer, als vielleicht andernorts?

A. Milkau: "Ich will nicht behaupten, dass uns in Braunschweig so viel mehr gelingt, als anderswo. Nur jeder muss für sich eine authentische Linie finden und vor allen Dingen diese Linie leben. Ich denke sagen zu können, dass ich in vielen Sachen schon frühzeitig Strömungen am Markt erkenne, die mich oft als Vorreiter handeln lassen. Das ist mal etwas glücklicher und mal nicht so erfolgreich, wichtig ist nur, es muss voller Überzeugung umgesetzt werden. Dann ist es handgemacht und glaubwürdig. Der Kunde muss erkennen, ja der will, dann entsteht Vertrauen, auch wenn etwas Mal ´gegen die Wand fährt`. Du musst wandelbar bleiben und darfst keine Angst vor dem Scheitern haben. Ich habe da ein sehr dickes Fell, was mich in die Lage versetzt unser Produkt immer neu zu erfinden oder den Mut zu haben, etwas zu entwickeln. Dieses könnte den gewissen Unterschied ausmachen, sich nie auszuruhen und zu sagen: Jetzt habe ich es. Dieses wäre ´ich` nicht und die Löwen Classics wären in einigen Jahren ein Anzug von der Stange. Ich muss probieren dürfen und ich habe im Zuge der langen Jahre dafür ein Gespür entwickelt, was klappen könnte. Es ist also kein Ritt auf der Rasierklinge und ich handle mit Weitsicht. Eigentlich bin ich positiv verrückt und dieses will ich uns unbedingt erhalten, dann gibt es auch Sponsoren, die zu Dir halten oder Dich neu entdecken. Eins ist dabei immer wichtig, Du darfst nie den Verdienst im Vorfeld abwägen und daraus schöpfen wollen, zuerst steht das Produkt und die Liebe zum Detail, dann kommt der beidseitige Erfolg von allein. Dafür stehe ich!!!"

Der Sportkalender hat sich ebenso verändert wie der Sport. Ist man dafür hierzulande wirklich gewappnet und aufgestellt?

A. Milkau: "Gewappnet ist hypothetisch, dass wird die Zukunft zeigen. Jedoch sind die Zeichen erkannt worden und es läuft einher mit meiner Ansicht, dass Du auf authentische Produkte setzen musst, die Alleinstellungsmerkmale besitzen und besondere Stimmung aufbieten. Der Sport im Ausland ist im Moment durch höhere Finanzkraft in der Lage, die großen Bühnen zu bespielen. Dennoch sollte man hierzulande nicht den Kopf in den Sand stecken, vor Ehrfurcht erstarren und alles klein reden. Wir sind eine gewachsene Pferdenation und immer noch in der Lage, das Spiel selbst zu bestimmen. Wir haben gute Veranstalter die weltweit andere Länder beraten und jetzt kommt es darauf an, dass wir den öffentlichen Stellenwert unseres Sports durch neue und transparentere Strukturen erhöhen und besser der Öffentlichkeit erklären. Wir müssen lernen, mit Begrifflichkeiten im Sport zu arbeiten, die der Laie auch versteht und dadurch unseren Sport besser einschätzen kann."

Sie sind Unternehmer, welche "Zutaten" zu einem Turnier sind unverzichtbar?

A. Milkau: "Ich will darauf einmal als Bäcker antworten, sonst komme ich ins referieren: Du musst einfach ein Rezept haben, was anderen schmeckt. Der Kunde merkt es, ob die Zutaten ´aus der Tüte` sind oder ob Du Dir die Mühe machst, etwas Besonderes zu kreieren. Es gibt keine Formel für "DAS" Turnier, da es standortabhängig ist und mit Bekenntnis zu tun hat. Du kannst auch ein Turnier von der Stange veranstalten, dann darfst Du nur nicht den "Handmacher" raushängen lassen. Denn es gibt auch Kunden, die beim Discounter kaufen, aber Du musst Dich dazu bekennen. Die große Zutatenliste muss die Überschrift haben: Glaubwürdigkeit."

Frage an den Vorsitzenden des niedersächsischen Pferdesportverbandes und FN-Vizepräsidenten: Wieviel muss der Pferdesport aus sich heraus bewegen und wie viel Politik ist notwendig?

A. Milkau: "Der Pferdesport und die Politik müssen begreifen, dass es nur zusammen geht. Es gibt keine getrennten Lager sondern es gibt nur ein "WIR". Ich bin in die Sportpolitik gegangen, weil ich ein Zeichen setzen wollte, dass es heute eine Pflicht ist, sich für seinen Sport zu engagieren. Wir leben in einer Nehmergesellschaft und jeder wartet darauf, dass der andere etwas tut. Wenn ich immer meinen Mund groß aufreiße, dann muss ich auch voran gehen und meinen Pflichtteil dazu beitragen. Lippenbekenntnisse an den Theken ist die Politik der Ahnungslosen und der Abzocker. Für mich gilt in der Sportpolitik genau die gleiche Leitlinie wie als Unternehmer oder Pferdesportvermarkter, ich muss bewegen dürfen und wenn ich etwas gegen die Wand gefahren habe, dann muss ich es auch sagen dürfen, ohne das gleich der Boulevard-Journalismus Fahrt aufnimmt. Im Umkehrschluss heißt dieses für mich, dass wir uns innerhalb der Gesellschaft noch nicht in der Balance befinden, um überhaupt etwas schnell durchsetzen zu können. Jeder will sich absichern und geht sofort in Deckung, dieses ist eine Unart der Deutschen und für mich der zukünftige "Wir-Auftrag" der Gesellschaft.

Für unseren Pferdesport heißt dieses konkret: Vor jedem Engagement und Ehrenamtlichkeit steht auch Wirtschaftlichkeit, um Nachhaltigkeit zu erwirken. Wenn nicht jeder gleich im geleisteten Engagement das große Geschäft wittert und nicht im Blickwinkel von außen darin gleich persönliche Gewinne unterstellt, sondern Erfolg respektiert und Wirtschaftlichkeit eher als Segen denn als Abzocke anerkennt, dann wird sich in der Summe noch viel bewegen lassen. Der Pferdesport hat eine Grundformel zu beherzigen die da heißt: Unser Kulturgut Pferd zu schützen, darunter kann ich im Miteinander wunderbar auf allen Ebenen arbeiten und sowohl der Pferdesport als auch die Politik sind auf Augenhöhe."

Bündelung der Kräfte, was heißt das konkret?

A. Milkau: "Ich denke Sie spielen auf unser neues "Gemeinschaftskonzept" der Löwen Classics unter Einbindung der Verbände an. Ich bin es meinen Funktionen schuldig, dass ich als Veranstalter und Pferdesportvermarkter nicht mehr als Einzelkämpfer agiere. Dieses gibt wunderbar meine gesellschaftliche These wieder, die ich im vorgenannten Punkt erklärt habe. Ich will den ganzen Pferdesport im Image verbessern und habe daraus ein Konzept erstellt, wo ich mir im Umkehrschluss eine Win/Win Situation für alle Seiten erhoffe. Die Verbände sind stark und müssen sich in vielen Dingen erst neu entdecken. Ich bin Vorreiter in der aktiven Zusammenarbeit, weil ich die Fachkräftebündelung und das Netzwerk in den Verbänden erkannt habe. Die Löwen Classics sind eine vielbeachtete Plattform und vielleicht entdecken auch andere Veranstalter die neue Stärke in der Zusammenarbeit mit dem Grundstock unseres Sports. Verbände können entwickeln, gestalten und Verbindungen herstellen, man muss nur darauf zugehen und mit seinem eigenen Knowhow Anstöße liefern, dann entsteht gemeinschaftliche Stärke. Nicht warten und schimpfen, sondern handeln und machen."